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CALL FOR PAPERS: Erforschung Sibiriens im frühen 18. Jahrhundert und ihre weltweiten Auswirkungen

15.04.2014 - (idw) Franckesche Stiftungen zu Halle

Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) - Ein Lutheraner in Sibirien.
Die Erforschung Sibiriens im frühen 18. Jahrhundert und ihre weltweiten Auswirkungen.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Deutsch-Russischen Begegnungen laden die Franckeschen Stiftungen gemeinsam mit der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. vom 12.-16. November 2014 zu einer Jubiläumstagung nach Halle ein. Im Mittelpunkt wird der Wissenschaftler, Sibirienreisende und Lutheraner Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) stehen. Die Organisatoren laden ein, bis zum 5. Mai 2014 ein Thema für die diesjährige Jubiläumstagung einzureichen (mit Abstract, max. 500 Wörter). Im Mittelpunkt der Jubiläumstagung wird der Wissenschaftler, Sibirienreisende und Lutheraner Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) stehen, dessen Lebenswerk im frühen 18. Jahrhundert exemplarisch für die engen kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen der Franckeschen Stiftungen und der Friedrichs-Universität in Halle mit Russland steht. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit markiert Messerschmidt den Beginn der Reihe von Pionieren, die Anfang des 18. Jahrhunderts dank der Öffnung Russlands gen Westen durch Peter den Großen die günstigen hallisch-russischen Beziehungen für ihr Lebenswerk fruchtbar machten und das Wissen über Russland und Sibirien in Europa systematisch vermehrten. Zu den bekanntesten Sibirienforschern aus Halle zählt Georg Wilhelm Steller (1709-1746), dessen Werk und Wirken die Deutsch-Russischen Begegnungen als internationale Tagungsreihe 1994 begründete.

Der Danziger Daniel Gottlieb Messerschmidt studierte ab dem 22. Juni 1708 in Halle. Hier hatte August Hermann Francke (1663-1727) sich von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) für Russland begeistern lassen und sein stabiles Netzwerk, das Politiker, Wissenschaftler, Unterstützer, Freunde und Gönner einschloss, kontinuierlich nach Osten erweitert. Heinrich Wilhelm Ludolf (1655-1712), der 1698 auf Einladung Franckes den ersten akademischen Russischunterricht in Halle gab, nahm eine Schlüsselstellung in diesem Netzwerk ein. Informationen zu entlegenen Weltregionen konnten so von Halle aus zeitnah in die europäische Wissenswelt eingespeist werden.

Die Schulstadt August Hermann Franckes war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eng mit den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen der Friedrichs-Universität verzahnt. Studenten der Universität sammelten in Franckes Anstalten als Informatoren (Lehrer) ihre ersten praktischen Berufserfahrungen, die sie oftmals im Ausland anwendeten und damit zu Multiplikatoren der Reformen des Halleschen Pietismus weltweit wurden. Dazu zählen die konsequente Fokussierung auf das Individuum, die Etablierung einer persönlichen, eine auf aufmerksamer Beobachtung basierende Schreib- und Tagebuchkultur, das Objekt im Mittelpunkt des Lernens und die studienbegleitende praxisbezogene Ausbildung. Zu der Reihe dieser Informatoren gehörte auch Messerschmidt. In Sibirien suchte er den Kontakt zu den vom Halleschen Pietismus beeinflussten schwedischen Kriegsgefangenen in Tobolsk und arbeitete eng mit dem schwedischen Offizier und Kartographen Philip Johan von Strahlenberg (1676-1746) zusammen. Zu seinen Lebzeiten war Messerschmidt die Veröffentlichung seiner Arbeiten verwehrt. Vielfach wurden seine Aufzeichnungen aber von späteren Sibirienforschern verwendet. Die konkrete Rezeptionsgeschichte kann erst rekonstruiert werden, wenn sein Nachlass, dessen großer Teil im Archiv der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg aufbewahrt wird, gehoben wird.

Somit hat die Jubiläumstagung das Ziel, die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungen zur Geschichte der Entdeckung Sibiriens zusammenzuführen, und diese in die Arbeiten zum internationalen Netzwerk August Hermann Franckes einzubinden. Im Rahmen der Tagung soll auf unbekannte Quellen aus dem frühen 18. Jahrhundert aufmerksam gemacht werden, Forschungseinrichtungen sollen vernetzt und Themen für die Zukunft angeregt werden.

Für die Tagung stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

Welche Bedeutung hatten der Hallesche Pietismus August Hermann Franckes und die Friedrichs-Universität für das europäische Russlandbild im 18. Jahrhundert? Was waren die Medien und Wege des Informationstransfers (Mittlerpersönlichkeiten; Netzwerke (nationale, wissenschaftliche, religiöse) in den Metropolen St. Petersburg und Moskau; Mediengeschichte: Übersetzungen, Drucke, Buchhandel)

Wie weit reichte die Spannweite der ersten wissenschaftlichen Erkundungen Sibiriens durch Daniel Gottlieb Messerschmidt, welche Bedeutung hatten diese Forschungsergebnisse für Georg Wilhelm Steller und wie sind sie in die Wissenschaftsgeschichte einzuordnen? (Situation und Umfang des Nachlasses; Wirkungsgeschichte; Messerschmidt in Arbeiten Dritter)

Welchen Einfluss hatten die nach Sibirien reisenden Forscher auf die Entwicklung der
natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen im Europa der Frühen Neuzeit? (Forschungsergebnisse im Bereich Ethnologie, Biologie, Zoologie, Medizin, Linguistik (Auswahl) und ihre Rezeption; Impulse für die europäische Wissenschaftsgeschichte des frühen 18. Jahrhunderts; Netzwerke - Wissenschaftskontakte; Persönlichkeiten)

Welche Rolle spielten die mit August Hermann Francke im regen Briefwechsel stehenden schwedischen Kriegsgefangenen für die Verbreitung des Wissens über Russland und Sibirien in Europa? (Persönlichkeiten; Wirkungskreise nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft)

Welche Arbeitsfelder ergeben sich für die Zukunft aus den vergangenen 20 Jahren lebendigen Wissenschaftsaustauschs zwischen Halle und Russland (jährliche Tagungen, Ausstellungen, Edition Sibirica). Wie lassen sich diese wissenschaftlichen und kulturellen Traditionen in der Zukunft zu verstetigen?

Anmeldung:

Die Organisatoren laden ein, bis zum 5. Mai 2014 ein Thema für die diesjährige Jubiläumstagung einzureichen (mit Abstract, max. 500 Wörter). Die Organisatoren werden die Vorträge für die Tagung auswählen und das Programm der Deutsch-Russischen Begegnungen Anfang Juli 2014 bekannt geben. Die Reise- und Übernachtungskosten der Vortragenden werden nach den Richtlinien des Bundesreisekostengesetzes vom Veranstalter erstattet. Die Veranstaltung findet im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen (Franckeplatz 1, Haus 1) statt.

Kontakt:

Franckesche Stiftungen zu Halle
Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit/ Internationales
Friederike Lippold
Franckeplatz 1, Haus 37
06110 Halle (Saale)

lippold@francke-halle.de

für
Dr. Thomas Müller-Bahlke
Direktor der Franckeschen Stiftungen zu Halle

Dr. Anna-Elisabeth Hintzsche
Vorsitzende der
Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V.
c/o Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1, Haus 37
06110 Halle (Saale)

elisabeth.hintzsche@freenet.de

Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) - Ein Lutheraner in Sibirien.
Die Erforschung Sibiriens im frühen 18. Jahrhundert und ihre weltweiten Auswirkungen.

20 Jahre "Deutsch-Russische Begegnungen" in Halle.

Wissenschaftliche Tagung der Franckeschen Stiftungen zu Halle und der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

12.-16. November 2014 I Franckesche Stiftungen zu Halle Weitere Informationen:http://www.francke-halle.de/neuigkeiten-n-3331.html Anhang
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