Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 23. Oktober 2014 

Zeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte wird hundert - Rente seit jeher Dauerthema

14.01.2004 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Die Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (VSWG) feiert in diesen Tagen ihr 100. Jubiläum. Aus diesem Anlass stellen die Herausgeber am 23. Januar im Festsaal der Universität Bonn einen Sonderband vor, der in 26 Beiträgen die Facetten des Fachs beleuchtet. Zu der Veranstaltung, die um 14 Uhr beginnt, sind auch Vertreter der Medien herzlich eingeladen.


Professor Dr. Günther Schulz ist aktuell Herausgeber der VSWG. In 100 Jahren entstanden 90 Bände mit über 55.000 Seiten. Dieses Bild gibt's unter http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2004/011.html. Steigende Rentenbeiträge, sinkende Leistungen, private Vorsorgemodelle: Um die Altersversorgung in Deutschland steht es momentan nicht gut. Das schien vor 30 Jahren noch anders: Im Rentenreformgesetz von 1972 beschloss die Sozialliberale Regierung eine deutliche Ausweitung der Rentenleistungen - und erhielt dabei sogar noch Rückenwind von der CDU/CSU-Opposition, die sich mit der Regierung ein Wettrennen um die meisten rentenpolitischen Wohltaten lieferte. Das Hin und Her um das Dauerthema Rente findet auch seinen Niederschlag in der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, die gerade hundert Jahre alt wurde.

"Die VSWG ist das Flaggschiff der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte", erklärt der Herausgeber Professor Dr. Günther Schulz vom Bonner Historischen Seminar nicht ohne Stolz. "Sie ist die älteste Fachzeitschrift für dieses Gebiet im deutschen Sprachraum und hat die Gründung weiterer bedeutender historischer Fachzeitschriften im In- und Ausland angeregt." Schon die Zahlen sind beeindruckend: In 100 Jahren entstanden 90 Bände mit über 55.000 Seiten. Beinahe 1.000 Autoren und Rezensenten schrieben für die VSWG. Würde man alle bisher erschienen Bände stapeln, wäre der Turm knapp vier Meter hoch - vier Meter Text, die Einblicke in innovative Lösungen, aber auch Sackgassen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte vom Mittelalter bis heute geben. Das Spektrum umfasst die Geschichte der gesamten Volkswirtschaft wie auch die einzelner Unternehmen; die Beiträge behandeln Boomzeiten und Wirtschaftskrisen, Frauengeschichte oder das aufkommende Thema Umwelt. Sie spiegeln aber auch aktuelle Themen wie die Rentenreform 2003 vor dem Hintergrund der historischen Diskussionen.


Kapitaldeckung bei Bismarck

So galt die Invaliditäts- und Altersversicherung des Deutschen Reichs bei ihrer Gründung 1889 als das weltweit fortschrittlichste System ihrer Art. Ihr geistiger Vater -Otto von Bismarck hatte erkannt, dass die traditionelle Form der Sicherung im Alter -- die Versorgung der Alten im Haushalt ihrer Kinder - in den Großstädten des Industriezeitalters nicht mehr funktionierte. Allerdings waren die Leistungen gering: Die damalige Altersrente bewahrte vor dem Verhungern, viel mehr leistete sie nicht. Das Renteneintrittsalter lag bei 70 Jahren, einem Alter, das damals nur wenige erreichten. Daher erwirtschaftete die bismarcksche Rentenversicherung auch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts - - heute beinah unvorstellbar - Überschüsse, obwohl der durchschnittliche Beitragssatz nur 1,7 % betrug. Finanziert wurde die Versicherung übrigens durch ein Kapitaldeckungsverfahren, bis Konrad Adenauer 1957 den Schwenk zum "Generationenvertrag" vollzog: Seitdem zahlt die arbeitende Generation für die Rentner.

Die Regierung Adenauer passte die Rente den veränderten Bedingungen an. Im "Wirtschaftswunderland" sollte sie nicht mehr nur ein Zuschuss zum Überleben sein, sondern Ersatzeinkommen im Alter. Sie stiegen um rund 60 % und werden seither jährlich an den Anstieg der Arbeitseinkommen angepasst (dynamisiert). In der Phase des wirtschaftlichen Wachstums und der Vollbeschäftigung konnte selbst die stark erhöhte Rente problemlos durch die Beiträge gedeckt werden, ohne die Konjunktur zu belasten. Der "Generationenvertrag" wurde zu einem in der ganzen Welt bewunderten Erfolgsmodell. Doch war er - wie die bismarcksche Sozialreform auch - ein Kind seiner Zeit. Heute finanzieren immer weniger Beitragzahler immer mehr Senioren. Daher gilt die Kapitaldeckung, bei der jeder auf sein eigenes Rentenkonto einzahlt, bei vielen Experten inzwischen wieder als Mittel der Wahl, um die steigenden Beträge in den Griff zu bekommen.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Günther Schulz
Abteilung Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte,
Historisches Seminar der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5172
E-Mail: G.Schulz@uni-bonn.de
uniprotokolle > Nachrichten > Zeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte wird hundert - Rente seit jeher Dauerthema

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/27647/">Zeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte wird hundert - Rente seit jeher Dauerthema </a>