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Schulmuseum zeigt Schulgeschichten aus aller Welt / Einblicke in die Schulzeit in 14 Ländern

28.04.2014 - (idw) Stiftung Universität Hildesheim

Wie läuft Schule an anderen Orten der Welt ab? An was erinnern sich Menschen, die heute in Deutschland leben, aber ihre Schulzeit in der Türkei, Kasachstan, Afghanistan und Namibia verbracht haben? Eine Ausstellung des Schulmuseums der Universität Hildesheim zeigt Schulvergangenheiten, die in Interviews mit Personen aus 14 Herkunftsländern erhoben wurden. Interviewausschnitte, Bilder und Lernmittel zeigen Erinnerungen an die Einschulung, den Ablauf eines Schultages, an Disziplin und Schulfreunde. Die VGH-Stiftung verleiht dafür den Preis für Museumspädagogik. Der Museumsfundus beinhaltet zudem Schulbänke, Fibeln, Rechenmaschinen und ein digitales Archiv mit 60.000 Bilddokumenten seit 1450. Unter dem Titel 1001 Schulgeschichten Schulvergangenheiten aus verschiedenen Ländern widmet sich das Schulmuseum der Universität Hildesheim dem Schulalltag anderer Länder. Kinder und deren Familien sollen einen Einblick in schulische Lebenswelten anderer Länder und Kulturen erhalten. Pausenspiele, Schuluniformen, Disziplin und Strafe sind nur einige der vielfältigen Themen, die in Stationen vorgestellt werden. Im Anschluss an den Rundgang können Besucher ihre Eindrücke in einem Erzählcafé teilen. Mit diesem Format möchte die Universität den Dialog zwischen den Generationen fördern, unterschiedliche kulturelle Bräuche thematisieren sowie deren Akzeptanz stärken. Die neue Ausstellung kann ab Mai 2014 bis Oktober kostenfrei besucht werden.

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim haben bei den Erziehungswissenschaftlern Dr. Sabine Kirk und Dr. Hartmut Schröder in den Seminaren Schulvergangenheiten im Ländervergleich und Lehren und Lernen im Schulmuseum die neue Ausstellung vorbereitet. Die Studierenden führten insgesamt 17 Interviews mit Personen, die in den Niederlanden, in Südafrika, Kasachstan, Iran, Türkei, England, Finnland, Usbekistan, Afghanistan, Peru, Sri Lanka, Namibia, Nicaragua und Deutschland zur Schule gegangen sind. Viele Interviewteilnehmer sind Mitwirkende der Hildesheimer Initiative Brücke der Kulturen". In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Schulvergangenheiten nun durch Interviewausschnitte, Bildmaterial und Lernmittel veranschaulicht.

Gefragt wurde zum Beispiel nach den Erinnerungen an die Einschulung, an den Klassenraum, an den Ablauf eines Schultages, an Disziplin und Strafmaßnahmen, an Zeugnisse und die Notenvergabe, berichtet Sabine Kirk. Die eigenen Schulerfahrungen bieten besondere Anknüpfungspunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen über Schule damals und heute sowie über Schulalltag in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern.

Schulmuseum an der Universität Hildesheim:

Eintritt in eine andere Zeit Malte Ewert auf dem Weg zu einem seiner Lieblingsstücke: Eine Fingerrechenmaschine mit rötlichen Lederstreifen, die die Form einer Hand einnehmen. Von 1929, mit Begleitbuch, wie man die Maschine bedient. Eine Neuauflage. Der 75-jährige ehemalige Realschullehrer sein letzter Standort war die Realschule Gronau, wo er Sozialkunde und Englisch unterrichtete ist seit Gründung des Schulmuseums dabei. Er ist einer von etwa 30 Ehrenamtlichen, ohne die die regelmäßigen Öffnungszeiten und Führungen nicht möglich wären. Viele Besucher interessieren sich für die alte Schrift, Sütterlin. Wir wecken ihre Erinnerungen an die eigene Schulzeit, ob bei alt oder jung, sagt Ewert, der sich mit Schulchroniken befasst und wöchentlich Schulklassen, Rentnergruppen und Klassen-Ehemaligentreffen durch das Museum führt. Er wechselt in einen zweiten Raum darin Schulbänke von Schulen aus Niedersachsen. Sie wurden von Schreinern im jeweiligen Dorf gebaut, daher die unterschiedliche Bauart, kommentiert er. Lehramtsstudent Max Engelking, der an diesem Tag im April mit auf Entdeckungsreise geht, sitzt Probe auf einer alten Bank. Dann entdeckt er eine Weltkugel. Der angehende Realschullehrer für Geographie schreibt seine Abschlussarbeit über Globen. Sein Lieblingsstück in der Sammlung? Engelking zeigt auf etwa 30 handgroße transparente Gläser in einem Holzkasten. Anschauungsmaterial Chemie: Die Milch steht dort. Butter, Milch, Käse wir sehen die Bestandteile. Die Glasröhren mit Pulver im Innern hat seit Jahrzehnten niemand geöffnet.

Entdecken im Schulmuseum der Universität Hildesheim erhalten Kinder, Jugendliche und ihre Familien Einblicke in die schulische Lebenswelt in verschiedenen Ländern und im Wandel der Zeit. Uni, Volkshochschule und Schulen kooperieren miteinander. In der Begegnung mit Geschichte erfährt man, welche Veränderung Schule erlebt. Die Modernität ist in unserem Museum zu greifen, jede Zeit hat ihre Schule, sagt der emeritierte Hildesheimer Universitätsprofessor Dr. Rudolf Keck, der das Museum 2003 gründete und bis Ende 2013 leitete. Seine Nachfolge treten Dr. Hartmut Schröder und Dr. Sabine Kirk in der Museumsleitung und Hartwig Kemmerer in der Leitung des Förderkreises an. Wir alle haben etwas gemeinsam, darüber wollen wir ins Gespräch kommen, so Kemmerer. Etwa 100 Schulmuseen gebe es in Deutschland, in Niedersachsen zum Beispiel in Steinhorst, Zetel und Folmhusen. Im Herbst waren Leiter der Schulmuseen aus Süd- und Norddeutschland zu Gast in Hildesheim.

In Hildesheim ergriff Rudolf Keck die Chance, eine Sammlung aufzubauen und mit Theorie und Forschung zu verknüpfen, als massenhaft Dorfschulen aufgelöst wurden. So gehört zum Museum neben den Gegenständen und Textdokumenten auch ein Bildarchiv, das im Rahmen eines DFG-Projekts erforscht wurde. Etwa 60.000 Bilder sind enthalten, die früheste Abbildung stammt von 1450 und zeigt eine Klosterschule. Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler der Hildesheimer Universität haben sie in Zusammenarbeit mit der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung digital erschlossen und eine Online-Plattform aufgebaut (Datenbank online: Bildarchiv zur Bildungsgeschichte http://bbf.dipf.de/VirtuellesBildarchiv/Ueber.html).

Forschungsanfragen aus ganz Deutschland erreichen uns, sagt Hartmut Schröder. Zahlreiche Doktorarbeiten und Abschlussarbeiten von Lehramtsstudierenden sind entstanden. Auch Schule im Ländervergleich und Migrationsgeschichten werden untersucht. Auf den Bildern dargestellt sind Szenen aus dem Schulalltag, aus dem Privat- und Rechenunterricht, Titelblätter von Schulbüchern. Wir planen, Schulen aus anderen Städten den Zugang besser zu ermöglichen, etwa über eine Art virtuelles Klassenzimmer, sagt Schröder. Für 2015 plant das Schulmuseum die Schulgeschichte der Stadt Hildesheim gestern und heute für die Öffentlichkeit aufzubereiten.

Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung:
Das Schulmuseum der Stiftung Universität Hildesheim erhält als eine von sechs Einrichtungen den Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung (Begründung der Jury als PDF). Er ist mit 3.500 Euro dotiert und dient zur Umsetzung des Vorhabens 1001 Schulgeschichten - Schulvergangenheiten aus verschiedenen Ländern". Der Preis wird am 28. April 2014 um 15:00 Uhr durch Harald Meyer, Regionaldirektor der VGH Versicherungen Hannover-Hildesheim, in den Räumen des Schulmuseums auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim verliehen (Domänenstraße, 31141 Hildesheim).

Kontakt:
Interessierte Familien, Schulen, Bürgerinnen und Bürger können sich an das Schulmuseum wenden (E-Mail: ssm[at]uni-hildesheim.de). Öffnungszeiten: Dienstags sind die Räume von 09.00 bis 12.00 Uhr, Mittwochs von 15.00 bis 18.00 Uhr und am 1. Sonntag der Monate Mai bis Oktober von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Schulklassen können sich für Führungen anmelden (jeweils Dienstags und Donnerstags).


Medienkontakt:
Kontakt zu den Erziehungswissenschaftlern und Lehramtsstudierenden über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

Anhang (PDF-Datei anbei):
- Ein Beispiel: Lehramtsstudent Max Engelking interviewt Niederländerin
- Ein Beispiel: Lehramtsstudentin Kira Hünert intervi
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