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Schmidt-Salomon kein Chef-Atheist

30.04.2014 - (idw) Exzellenzcluster Religion und Politik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung legt am Exzellenzcluster naturalistische Weltsicht dar Streitgespräch mit dem Münchner Fundamentaltheologen Armin Kreiner Der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Dr. Michael Schmidt-Salomon, will in den Medien nicht als Chef-Atheist auftreten. Auch sei er kein militanter Atheist, wie ihm oft vorgeworfen werde, sagte er am Dienstagabend in Münster. In all meinen Jahren als Religionskritiker habe ich keinen einzigen militanten Atheisten getroffen, wohl aber militante Gläubige, die vor Morddrohungen nicht zurückschrecken. Als Beispiele für religiöse Gewalt nannte er islamistische Anschläge, Schüsse von US-Evangelikalen auf Abtreibungsärzte und die Verfolgung zehntausender Kinder in Nigeria als Hexen durch extremistische Christen. Ohne diese Gewalt und den Fundamentalismus hätte sich der neue Atheismus wahrscheinlich gar nicht entwickelt.

Schmidt-Salomon sprach am Exzellenzcluster Religion und Politik in einer Diskussion über Atheismus und traditionelle Religion. Er betonte, er verstehe sich nicht als Atheist, sondern als Humanist mit naturalistischer Weltsicht, die teils in deutlichem Kontrast zu den traditionellen Religionen stehe, teils aber auch Übereinstimmungen zeige. Der Medienhype um den neuen Atheismus habe inzwischen erfreulicherweise nachgelassen und die Bevölkerung festgestellt, dass die angeblich so gefährlichen Atheisten ganz normale Leute sind. Die Debatte habe auch verdeutlicht, dass sich größere Teile der Bevölkerung längst von den Vorgaben ihrer Ursprungsreligionen verabschiedet hätten. Täglich outen sich Abertausende im Internet als Nichtgläubige.

Neandertaler von morgen

Autoren, die als neue Atheisten bezeichnet werden, geht es Schmidt-Salomon zufolge nicht um den Gegensatz von Theismus und Atheismus, sondern um eine naturalistische Weltsicht. Wir sehen den Menschen nicht als Krone der Schöpfung, sondern als Neandertaler von morgen. Trotz aller kulturellen Leistungen stehe der Mensch nicht über der Natur, sondern sei Teil von ihr. Diese Einsicht nähre trotz Kritik an den Religionen den Sinn und Geschmack fürs Unendliche, mit dem der Theologe und Philosoph Friedrich Schleiermacher das Religiöse definiert habe. Der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung sagte, neuer Atheismus sei eine Fremdzuschreibung, mit der Autoren wie Richard Dawkins, Daniel Dennett und er seit 2006 etikettiert worden seien.

Der Münchner Fundamentaltheologe Prof. Dr. Armin Kreiner warnte vor allzu gewissen Antworten auf die Frage nach der Existenz Gottes. Die Welt sei sowohl naturalistisch als auch religiös interpretierbar. Bevor man darüber diskutieren kann, ob Gott existiert, sollte man sich verständigen, was mit dem Gottesbegriff gemeint ist. Der Forscher fügte hinzu: Die Antwort auf die Frage, ob es Atome gibt, hängt ja ebenfalls davon ab, was man darunter versteht. Was heute als Atom verstanden werde, sei keinesfalls das, was es für antike Atomisten gewesen sei, nämlich ewig, unzerstörbar und unteilbar. Zumindest teilweise scheint es sich mit dem Gottesbegriff ähnlich zu verhalten.

Eine Gesellschaft ohne gemeinsames Bekenntnis

Bei der Frage nach der Existenz Gottes gehe es nicht darum, ob man überhaupt an Gott glauben könne, sondern ob der Glaube rational vertretbar sei, sagte der Theologe. Die Beweislage wird kontrovers eingeschätzt. Eine Patentlösung gebe es leider nicht. Wir haben jedoch gelernt, gegensätzliche religiöse Überzeugungen zu respektieren, zu tolerieren oder gegebenenfalls einfach zu ignorieren. Was bis weit in die Neuzeit für völlig unmöglich gehalten wurde, scheint doch einigermaßen zu funktionieren: eine Gesellschaft ohne ein gemeinsames Bekenntnis.

Schmidt-Salomon fügte hinzu, kein neuer Atheist habe je bestritten, dass es einen unvorstellbaren Gott geben könne. Er kritisiere allein den Glauben an einen vorgestellten Gott, dem Menschen Eigenschaften zuschrieben, die entweder mit unseren Erfahrungen und Erkenntnissen kollidieren, wie der Evolutionsbiologie, oder die ethisch problematische Konsequenzen nach sich ziehen. Als Beispiel dafür nannte Schmidt-Salomon die in den Heiligen Schriften dokumentierte Homophobie des abrahamitischen Gottes. Er fügte hinzu, mit den Begriffen Theismus und Atheismus lasse sich kaum arbeiten, da sie viel zu grob seien. Atheismus sei auch deshalb problematisch, weil sich ein Sachverhalt nur bestreiten lasse, wenn er klar definiert sei was jedoch bei der Frage nach der Existenz Gottes nicht der Fall ist.

Die Diskussion trug den Titel Atheismus und traditionelle Religion. Das nächste Streitgespräch am Dienstag, 6. Mai, befasst sich unter dem Titel Gott Mensch Universum mit Kosmologie. Es diskutieren der Physiker Prof. Dr. Markus Donath aus Münster und der evangelische Theologe Prof. Dr. Samuel Vollenweider aus Zürich. Die Moderation übernimmt der evangelische Theologe Matthias Schleiff. In der Reihe Streitgespräche über Gott und die Welt diskutieren im Sommersemester Theologen und Nicht-Theologen aktuelle Themen wie Hirnforschung, Wirtschaftsethik und Friedenspolitik. Veranstalter sind der Exzellenzcluster und die Evangelisch-Theologische Fakultät. Die Streitgespräche sind dienstags von 18.15 bis 19.45 Uhr in Hörsaal F1 im Fürstenberghaus am Domplatz 20-22 in Münster zu hören. Das neue Format trägt den Untertitel Disputationen zwischen Theologie, Natur- und Gesellschaftswissenschaften. (vvm/bhe) Weitere Informationen:http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2014/apr/PM_Schmidt-Sa...

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