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BMBF stärkt sammlungsbezogene Forschung in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel

08.05.2014 - (idw) Herzog August Bibliothek

Der Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) lädt für Montag, den 19. Mai, zur Auftaktveranstaltung in die Landesvertretung Thüringen in Berlin ein. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, eröffnet das Programm um 10 Uhr mit einem Grußwort. Im Anschluss werden in drei Panels wichtige Themen aus den Forschungsfeldern des Verbunds diskutiert. Um 12 Uhr findet im Konferenzzimmer im 6. Stock ein Pressegespräch mit den drei Direktoren Hellmut Seemann, Präsident Klassik Stiftung Weimar, Prof. Dr. Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, und Dr. Sonja Asal, designierte Geschäftsführerin des Verbunds, statt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Verbund, der auf Empfehlung des Wissenschaftsrates im vergangenen Jahr gegründet wurde. Im Rahmen des Forschungsverbunds MWW wird im Deutschen Literaturarchiv Marbach, in der Klassik Stiftung Weimar und in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel zu drei großen epochenübergreifenden Fragen geforscht: Bildpolitik Autorenbibliotheken Text und Rahmen. Die Projekte werden vom Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung flankiert. Die Geschäftsstelle des Verbunds mit Geschäftsführung und Pressestelle ist am Wissenschaftskolleg zu Berlin angesiedelt.

Die Frage der Digitalisierung kulturhistorischer Quellen stellt sich nicht primär als Frage nach dem Ob und dem Wie, sondern als Frage nach der Qualität und Nachhaltigkeit der digitalen Erschließung. Der Forschungsverbund ist als Projektformation konzipiert, hat aber zugleich den Auftrag, neue und dauerhaft angelegte Strukturen für eine digital gestützte Kulturwissenschaft in historischer Perspektive zu entwickeln, erklärt Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar und amtierender Sprecher des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel.

Neu ist nicht nur, dass weit von einander entfernt liegende Epochen durch die Verknüpfung der Sammlungen in Beziehung gesetzt werden. Darüber hinaus wird im Zuge des digital turn ein neuer Umgang mit den Objekten möglich. Mit dem Projekt Digital Humanities entwirft der Verbund eine virtuelle Forschungsinfrastruktur. Alle Objekte der drei Einrichtungen, die im Rahmen des Verbunds beforscht werden, sollen digital verfügbar werden.

Auftaktveranstaltung

Der "material turn" und der "digital turn" fordern die geisteswissenschaftliche Forschung insgesamt heraus. Wie sehen diese Herausforderungen aus und wie sollen die Geisteswissenschaften ihnen begegnen? Diesen Fragen will die Auftaktveranstaltung ein Forum bieten. Dr. Julianne Nyhan, Assistant Professor für Digital Information Studies am University College London, diskutiert mit Prof. Dr. Andrea Rapp, Professorin für germanistische Computerphilologie, und mit Dr. Thomas Ernst, Literatur- und Medienwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Des Weiteren diskutieren Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Directrice de recherche am Centre National de la Recherche Scientifique Paris und Mitglied des Centre Marc Bloch Berlin, PD Dr. Dirk Werle, Institut für Germanistik der Universität Leipzig, Prof. Dr. Sandra Richter, Institut für Germanistik der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Katrin Kohl, Professor für German Literature (Oxford), Prof. Dr. Markus Hilgert, Direktor des vorderasiatischen Museums Berlin.

Die drei jetzt begonnenen MWW-Projekte sind konkrete Ausgestaltungen objektbasierter Forschung. Das Projekt Autorenbibliotheken: Materialität Wissensordnung Performanz will die Entstehungsbedingungen von Literatur und Wissenschaft von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart in den Blick nehmen. So bestehen die drei Forschungsbibliotheken und -archive nicht aus einer Masse von Einzelobjekten, sondern besitzen selbst wiederum ganze Bibliotheken. Diese Orte kreativer Tätigkeit spiegeln das Denken der jeweiligen Epoche auf unterschiedlichste Weise wider.
Auch Bilder sind zentral für unsere Geschichte und unser kulturelles Gedächtnis. Das Projekt Bildpolitik Das Autorenporträt als ikonographische Autorisierung stellt die Bildnisse der Textproduzenten selbst in den Mittelpunkt. Dabei wird frühneuzeitliche Druckgraphik in Beziehung gesetzt zur Porträtplastik der Weimarer Klassik und zur Fotografie der Moderne.
Die Bibel, der Faust, die Klassiker: Was macht sie eigentlich kanonisch? Wie kommt es dazu, dass sie immer wieder gelesen werden? Das Projekt Text und Rahmen Präsentationsmodi kanonischer Werke vermutet, dass die berührbare und sichtbare Materialität der Bücher und ihre Präsentation in Worten, Gesten und Gesang eine entscheidende Rolle spielen. Die Projektgruppe macht es sich zur Aufgabe, von den Sammlungen ausgehend die Kanon-Konjunkturen, ihre Bedingungen und Beschränkungen zu untersuchen und damit eine Sammlungs-Kritik im aufklärerischen Sinne zu leisten.

Die Forschung direkt am Objekt will der Verbund der Öffentlichkeit auch über virtuelle Ausstellungen und einen Blog auf seiner Homepage www.mww-forschung.de zugänglich machen.

Über die bessere Vernetzung von drei bedeutenden kulturhistorischen Institutionen in Deutschland und die Stärkung der sammlungsbezogenen Forschung hinaus hat der Verbund die Aufgabe, der Nachwuchsförderung neue Impulse zu geben. In engem Austausch mit deutschen und ausländischen Einrichtungen wird ein international ausgerichtetes Stipendienprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses entwickelt. Außerdem wird der Verbund in Kooperation mit Universitäten in Asien, den USA und Großbritannien ab 2015 jährlich eine Sommerschule abhalten, um verstärkt eine auf Sammlungskontexte bezogene Forschung anzuregen.


Die Veranstaltung aus Platzgründen nur für geladene Gäste beginnt am Montag, dem 19. Mai, um 10 Uhr in der Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund, Mohrenstraße 64, 10117 Berlin, und endet gegen 17 Uhr. Weitere Informationen:http://www.mww-forschung.de Anhang
Programm der Auftaktveranstaltung am 19. Mai 2014 in Berlin
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