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Wir brauchen in Deutschland ein allgemeines Umdenken in Bezug auf den Stellenwert der Pflege

09.05.2014 - (idw) Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Interview mit Prof. Dr. Peter Stratmeyer, Leiter des Departments Pflege und Management der HAW Hamburg zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 2014

Am Montag, den 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden. Doch nicht nur an diesem Tag ist die Versorgung alter, kranker und pflegebedürftiger Menschen ein drängendes Thema. Das Department Pflege und Management der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) bildet Studierende in vier Studiengängen aus. In dem Dualen Bachelor Pflege erhalten Berufseinsteiger eine umfassende Ausbildung, die durch die systematische Verbindung von Wissenschaft und Praxis wesentlich über die klassische nichtakademische Ausbildung hinausgeht. Die Studiengänge Pflegeentwicklung und Management (BA), Sozial und Gesundheitsmanagement (MBA) und der Master Pflege (MSc) richten sich dagegen an berufserfahrene Pflegende, die sich weiterqualifizieren und ihre Kompetenzen erweitern möchten. Im Rahmen des Studiums an der HAW Hamburg erhalten die Studierenden außerdem die Gelegenheit, aktiv an Forschungsprojekten mitzuarbeiten. So lernen sie beispielsweise, wie sie selbstständig wissenschaftlich fundierte Pflegekonzepte entwickeln und realisieren.

Prof. Dr. Peter Stratmeyer, Leiter des Departments Pflege und Management, erläutert in einem Interview mit der HAW-Pressesprecherin, Dr. Katharina Jeorgakopulos, zum Tag der Pflege die Relevanz der akademischen Qualifizierung für Pflegende und stellt die Arbeit des Departments Pflege und Management vor:

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, denen sich der Bereich Pflege in Deutschland zukünftig stellen muss?

Wir beobachten ein bedenkliches Ungleichgewicht in der Pflege: Auf der einen Seite eine zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen und schwerwiegend chronisch kranken Menschen. Auf der anderen Seite ein Mangel an qualifizierten Pflegefachkräften, nicht zuletzt, weil es noch zu selten gelingt, Pflegende über einen langen Zeitraum in ihrem Beruf zu halten und weil die Hürden für eine Rückkehr nach einer Auszeit zu hoch sind. Hinzu kommt: Die Pflegenden erhalten nach wie vor zu wenig Wertschätzung für die wertvolle Arbeit, die sie leisten. Das gilt sowohl für die Bezahlung, als auch für die allgemeine gesellschaftliche Anerkennung.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Versorgungsprozesse: Die Pflegenden müssen die Übergänge zwischen verschiedenen Einrichtungen vom Krankenhaus über ambulante Pflegedienste bis zu Pflegeheimen effektiv gestalten, um die Pflege optimal auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten auszurichten. Das bedeutet auch, dass die Anforderungen an die Zusammenarbeit der einzelnen Gesundheitsberufe enorm gestiegen sind. Pflegende können und sollten hier wegen ihrer patientennahen Funktion eine Schlüsselstellung einnehmen. Wir brauchen in Deutschland ein allgemeines Umdenken in Bezug auf den Stellenwert der Pflege.

Kann die Akademisierung von Pflegekräften dazu einen Beitrag leisten?

Auf jeden Fall! In anderen europäischen Ländern ist der Pflegebereich längst akademisiert, dort übernehmen Pflegende mit ihrer Kompetenz sogar einen Teil der medizinischen Versorgung. In Deutschland hinken wir im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Dabei gewährleistet gerade ein Studium die umfassende Qualifizierung auf praktischer und wissenschaftlicher Ebene, die notwendig ist, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. So belegen internationale Studien beispielsweise, dass gerade akademisch ausgebildetes Krankenpflegepersonal in der Lage ist, Notfallrisiken frühzeitig zu erkennen und Sterberaten in Krankenhäusern zu reduzieren.

Um den komplexen Versorgungsprozess so zu gestalten, dass er dem Betroffenen optimal gerecht wird, reicht das in der Ausbildung erworbene Wissen nicht aus. Die Pflegepraxis muss künftig viel stärker von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guter Versorgung profitieren. Das funktioniert am besten über Pflegende, die Zugang zu wissenschaftlichen Quellen haben und diese in die konkrete Praxis integrieren und dafür ist die Akademisierung der Pflege unerlässlich. Dieses große Potential wird von der Politik aber auch von den Einrichtungsleitungen heute noch viel zu wenig gesehen: Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Übrigens: Eine stärker wissenschaftlich fundierte Pflegepraxis kommt nicht nur den Pflegebedürftigen und Patienten zugute. Sie macht die Arbeit der Pflegenden anspruchsvoller und damit das Berufsbild attraktiver. Davon profitieren auch die Pflegenden, die selber nicht über eine akademische Qualifizierung verfügen.

Welche Vorteile bietet ein Studium am Department Pflege & Management für die Studierenden?

Am Department Pflege und Management wollen wir einen Beitrag leisten, um die zukünftige Gestaltung der Pflege in der Metropolregion Hamburg durch Forschung und Lehre aktiv voranzutreiben und zu optimieren. Wir verfügen über ein vielseitiges Angebot an pflegewissenschaftlichen Studiengängen. Sowohl Berufseinsteiger als auch erfahrene Pflegekräfte erhalten bei uns eine solide wissenschaftliche Aus- und Weiterbildung mit hohem Praxisbezug. Wir wollen unsere Absolventen/innen so ausbilden, dass sie einen aktiven Beitrag leisten können, um die Pflege in Deutschland noch besser zu machen. Sowohl für die Menschen, die der Pflege bedürfen, als auch für diejenigen, die in der Pflege arbeiten. (Ende)

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks wird am Montag, 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden, 31 Absolventinnen und Absolventen der Pflegeausbildung beziehungsweise eines dualen Pflegestudiums für ihre herausragenden Examensergebnisse auf einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus ehren. Den Ausbildungsbesten stehen vielfältige Berufschancen offen: In der Hansestadt gibt es wie im übrigen Bundesgebiet auch eine hohe Nachfrage nach Pflegefachkräften und eine große Zahl unbesetzter Stellen.

Der internationale Aktionstag "Tag der Pflege" (auch "Tag der Krankenpflege", "International Nurses Day") wird in Deutschland seit 1967 am Geburtstag von Florence Nightingale veranstaltet. Er geht zurück auf Florence Nightingale (geboren am 12. Mai 1820 in Florenz; gestorben 13. August 1910 in London), die eine britische Krankenschwester war. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie gilt als die Pionierin der modernen Krankenpflege. An ihrem Geburtstag wird daher ihr zu Ehren der Internationale Tag der Krankenpflege begangen. (Quelle: Wikipedia)


Kontakt und weitere Information:
HAW Hamburg
Leiter des Departments Pflege und Management
Prof. Dr. Peter Stratmeyer
T +49.40.428 75-7107
peter.stratmeyer@haw-hamburg.de Weitere Informationen:http://www.haw-hamburg.de/pm/unser-department.html
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