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Ein Übergang im Stufenverfahren ist empfehlenswert

14.05.2014 - (idw) Universität Siegen

Dr. Daniel Mays, Förderpädagoge an der Universität Siegen, beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit intensiv mit der Reintegration von Förderschülern in die allgemeine Schule. Schulische Transitionen wie der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule, der Wechsel von der Primarschule in die Sekundarstufe I und insbesondere auch die Rückschulung von einer Förderschule an eine allgemeinbildende Schule gehören nach dem aktuellen Stand der Forschung zu den tiefgreifendsten Einschnitten im Leben eines jungen Menschen. Ist der Verlauf günstig, können solche Übergangsphasen die kindliche Entwicklung stimulieren und einen positiven Effekt auf das Selbstkonzept und die Leistungsbereitschaft haben. Bei ungünstigem Verlauf, so zeigen empirische Studien, können Übergänge zu Anpassungsschwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich bis hin zur Schulverweigerung führen. Gerade für Kinder und Jugendliche mit Gefühls- und Verhaltensstörungen stellen schulische Wechsel oft eine Krisensituation dar, die eine professionelle Begleitung erfordert.

An diesem Punkt setzt die Doktorarbeit von Dr. Daniel Mays an. Er arbeitet als abgeordneter Lehrer für besondere Aufgaben am Lehrstuhl für Entwicklungswissenschaft und Förderpädagogik (Inklusion) an der Universität Siegen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählt die Analyse von Bildungsbrüchen und deren Auswirkungen auf die emotionale und soziale Entwicklung. Daniel Mays ist Praktiker, den es zurück in die Forschung und nun in die Lehre zog. Zehn Jahre lang war er als Förderschullehrer tätig. In seinen Zuständigkeitsbereich fiel auch die Reintegration von Schülerinnen und Schülern mit Gefühls- und Verhaltensstörungen in die allgemeine Schule. Die Bilanz war aus Mays Sicht eher ernüchternd. Zu selten gelang es, Kinder von Förderschulen für soziale und emotionale Entwicklung, die eigentlich Durchgangsschulen sein sollen, dauerhaft zurück an allgemeinbildende Schulen zu bringen. Über Hintergründe und Gründe wollte Mays mehr wissen. Intensiv beschäftigte er sich deshalb im Rahmen seiner an den Universitäten Köln und Oldenburg verfassten Dissertation In Steps! wirksame Faktoren schulischer Transition mit der Gestaltung erfolgreicher Übergänge bei Gefühls- und Verhaltensstörungen.

Mays sammelte erst einmal theoretische Basisinformationen. Die stammten zumeist aus angelsächsischen Staaten. Die abgeordnete Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Siegen: Ich wollte schauen, ob Erkenntnisse internationaler Forschungsprojekte und Transitionskonzepte anderer Bildungssysteme eine Relevanz für die Ausgestaltung der Übergangsregelungen im NRW-Schulsystem haben könnten. Die Schul- und Förderschulsysteme in Deutschland und angelsächsischen Ländern sind grundsätzlich nicht vergleichbar, sodass Forschungsergebnisse sehr differenziert betrachtet werden sollten. In Nordrhein-Westfalen schrieb Mays 2009 die Schulleitungen der insgesamt 201 Förderschulen an. 79 Schulen und insgesamt 410 Förderschullehrerinnen und -lehrer kooperierten und füllten die versendeten Fragebögen aus. Erkenntnisse sollten dahingehend gewonnen werden, ob z.B. die Sorgen und Ängste im Übergangsprozess von der Förderschule in die allgemeinbildende Schule bei Kindern mit Beeinträchtigungen in der Emotionsregulation eine bedeutsame Rolle spielen. Gefragt wurde auch, ob und in welcher Form Übergangskonzepte und strukturierte Unterstützungsmaßnahmen als sinnvoll erachtet werden und wie viel Zeit zur Vorbereitung und Begleitung von Kindern mit besonderem Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung zu Beginn und während der Übergangsphasen realistischer Weise zur Verfügung steht, damit diese beispielsweise schneller Kontakte zu Gleichaltrigen in der neuen Lernumgebung knüpfen können.

Wir brauchen ein klar strukturiertes Stufenverfahren und klar strukturierte Kooperationsvereinbarungen, so die Überzeugung Mays. Die Kinder müssen den Anforderungen sukzessive gerecht werden können. Transparenz und das Erleben von Selbstwirksamkeit sind enorm wichtig für die Kinder. Bereits deutlich vor den Sommerferien sollte mit der Heranführung an die neue Lernumgebung begonnen werden. Ein Mittel sind stundenweise Hospitationen. Diese beinhalten die Möglichkeit des abgestuften Erprobens verhaltens- und leistungsbezogener Anforderungen und nehmen den Druck eines möglichen Scheiterns.

Auch auf die Lehrer kommt es an. Sowohl auf die, die an Förderschulen unterrichten, als auch auf die der Regelschulen. Mays: Vor allem professionalisierte Beratungs- und sozialkommunikative Kompetenzen sollten bereits frühzeitig in der ersten Ausbildungsphase vermittelt und erprobt werden. Aber auch die übergeordneten Rahmenbedingungen sollten stimmen. Beide Seiten benötigten Anreize, um die Durchlässigkeit zu forcieren. Die Förderschulseite dürfe nicht das Gefühl vermittelt bekommen, sich durch gelungene Rückführungen selbst zu schwächen. Rückführung bedeute für Lehrerinnen und Lehrer sowohl der Förder- als auch der allgemeinen Schulen Mehrarbeit. Mays: Die Lehrerinnen und Lehrer, die Rückschulungen betreuen, machen das zumeist freiwillig, die Belastung kommt obenauf. Es fehle an konkreter Regelung. Zudem sei die Kommunikation zwischen den Lehrkräften wichtig für gelungene Rückschulung. Mays: Die Lehrer müssen miteinander sprechen. In Siegen werden Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet, die beide Seiten kennen. Ein Vorteil für die Zukunft.


Die Doktorarbeit von Daniel Mays beinhaltet neben der Analyse theoretischer Konzepte und empirischer Studien eine Querschnittsstudie sowie die Erarbeitung konkreter Präventionsebenen und Handlungsanleitungen zur Verbesserung der Durchlässigkeit. (Daniel Mays, In Steps! wirksame Faktoren schulischer Transition. Gestaltung erfolgreicher Übergänge bei Gefühls- und Verhaltensstörungen. Verlag Julius Klinkhardt, 2014, 42 Euro)
Kontakt: daniel.mays@uni-siegen.de Weitere Informationen:http://www.in-steps.de
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