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Herausforderungen humanitären Handelns in einer unsicheren Welt

16.05.2014 - (idw) Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz

Vortrag von Dr. Jean-Luc Blondel vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Genf im Leibniz-Institut für Europäische Geschichte. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Arbeit als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) analysiert Jean-Luc Blondel am Dienstag, dem 20. Mai 2014, um 18:30 Uhr, die Herausforderungen, die die wechselnde Natur heutiger Konflikte für das humanitäre Handeln darstellen. Blondel zeichnet sowohl die »alten« Konflikte nach, wie die im Nahen Osten, benennt aber auch neue Krisengebiete und damit Einsatzfelder humanitären Handelns, wie in der Ukraine oder in Thailand. Beides Vergangenheit und Gegenwart humanitären Handelns verdeutlicht, dass ein Maximum an Flexibilität und an kreativen Initiativen notwendig ist, um Zivilisten und anderen Opfern von Gewalt rechtzeitig und effizient zu helfen.

Es sind diese Herausforderungen, die dem IKRK als weltweit handelnde Organisation eine kontinuierliche Anpassungsfähigkeit abverlangen. Es geht dabei sowohl um Fragen der Entwicklung und Anwendung des humanitären Völkerrechts als auch um Fragen der operationellen Antwort zum Nutzen der Zivilbevölkerung und der Gefangenen. Das IKRK übt dazu regelmäßig Kritik an Staaten und »Kriegsherren« und erinnert diese an ihre eigene humanitäre Verantwortung. Gleichzeitig muss es die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit den verschiedenen Parteien bewahren, um den Zugang zu Menschen in Not und Gefahr aufrecht zu halten oder neu zu verhandeln. Um hierbei der großen Anzahl von teilweise konkurrierenden Akteuren auf dem Gebiet der humanitären Hilfe zu begegnen, zeigt das IKRK stets ein hohes Niveau an Verantwortung, Transparenz und effizienter Leistung. Dies verlangt nicht zuletzt die besondere Form der Finanzierung durch freiwillige Spenden.


Ein exemplarischer Blick auf verschiedene Konfliktfelder zeigt, wo humanitäres Handeln überall notwendig ist. So bilden sich gerade durch soziale Instabilität neue Brennpunkte, wie das Beispiel des »Arabischen Frühling« zeigt, der seinerseits im Konflikt in Syrien einen dramatischen Höhepunkt findet. Auch die sich stetig verschlechternde Situation in der Sahel Region und deren Konsequenzen für die nationale Einheit in Ländern wie Mali oder der Zentralafrikanischen Republik machen humanitäres Handeln ebenso notwendig wie der Rückzug der internationalen Truppen in Afghanistan. Auch die scheinbar unendliche Dauer von internen und teilweise zwischenstaatlichen Konflikten, wie z.B. in Somalia, Sudan und Süd-Sudan, Irak und Kongo sowie die sich durch die ökonomische Krise verschärfenden sozialen Spannungen in verschiedenen Ländern in Asien und Afrika oder in der städtischen Umgebung in Brasilien und Mexico verdeutlichen die Notwendigkeit des humanitären Handelns durch das IKRK.

Zur Person:
Jean-Luc Blondel leitet das Referat Archiv und Informationsmanagement des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in Genf. Er studierte Theologie in Lausanne, Göttingen und Alexandria (USA) und promovierte sich zu moralischen Fragen des Waffenhandels. Im Laufe seiner Karriere nahm er an zahlreichen Missionen des IKRK teil und war Delegierter des IKRK u.a. für mehrere Länder Lateinamerikas. In der Genfer Zentrale leitete er zeitweise das Referat für Grundsatzfragen und Kooperation in der Rotkreuzbewegung und fungierte als persönlicher Berater des Präsidenten des IKRK. Von 2009 bis 2012 war er Direktor des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen, wo er auch die Öffnung der Dokumentensammlung für Forschungszwecke begleitete. Dieses Zentrum für Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit sowie den Holocaust hilft seit Ende des Zweiten Weltkrieges, das Schicksal von Verfolgten zu klären und Familienangehörige zu suchen. Es ist heute Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.

Pressekontakt des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte
Dr. Kevin Anding
Telefon: +49 6131 39-39322, E-Mail: anding@ieg-mainz.de

Leibniz-Institut für Europäische Geschichte
Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) ist ein selbstständiges Forschungsinstitut in Mainz und untersucht die historischen Grundlagen Europas in der Neuzeit. Die Forschungen des IEG reichen vom 15. bis ins 20. Jahrhundert und betrachten Europa in grenzüberschreitender Perspektive, das durch vielfältige Prozesse immer wieder neu geprägt wurde. Die Forschungen des 1950 gegründeten Instituts werden interdisziplinär von der Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte und der Abteilung für Universalgeschichte entwickelt. Weitere Informationen:http://www.ieg-mainz.de Anhang

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