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Die digitale Krise: Geht die mobile Zukunft an Europa vorbei?

18.05.2014 - (idw) Universität Augsburg

Eine Bilanz der 14. Konferenz Mobile Commerce Technologien, Märkte, Anwendungen (MCTA 2014) die jetzt erstmals in Frankfurt stattfand Augsburg/Frankfurt a. M. -Die MCTA, Deutschlands traditionsreichste Mobile-Konferenz und seit eineinhalb Jahrzehnten DER alljährliche Treffpunkt der einschlägigen Wissenschaft-Praxis-Szene, fand am 12. und 13. Mai zum vierzehnten Mal und erstmals in Frankfurt statt. Die Konferenz, die 2001 unter dem Leitmotiv "Science meets Industry" von der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg ins Leben gerufen wurde und inzwischen zusammen mit Gesellschaft für Informatik und weiteren Partnern aus "der Szene" veranstaltet wird, setzte erneut Standards bei der fachlichen Qualität der Inhalte. Neben spannenden Zukunftskonzepten waren freilich auch kritische Töne und Warnungen zu hören.

"Die mobile Revolution ist in vollem Gange und wird auch viele traditionelle Branchen verändern", resümiert PD Dr. Key Pousttchi, Gründer der Konferenz MCTA. "Die Diskussion hat jedoch klar aufgezeigt, dass die Firmen sehr genau auf Chancen und Risiken achten müssen, sonst gibt es ein böses Erwachen."

Die digitale Krise als Resultat von Netzneutralität und naiver Wettbewerbspolitik?

Dass diese Mahnung nicht nur für Unternehmen, sondern auch auf politischer Ebene gilt, machte John Strand deutlich, der vor 20 Jahren Strand Consult in Kopenhagen gründete und weltweit zu den führenden Experten der Telekommunikationsbranche zählt: "If EU policies remain unchanged, Europe will face a digital crisis, which will outrun the effects of financial crisis by far", so Strand in seiner Keynote. Die EU-Regulierung im Telekommunikationssektor sei weder stabil noch klug, sie richte sich häufig nach politischen Stimmungen und sei nur kurzfristig verbraucherfreundlich. Im Ergebnis führe sie dazu, dass die Telekommunikationsunternehmen in Europa nicht mehr in die Infrastruktur investierten. Während vor zehn Jahren die Investments in den USA und der EU im Pro-Kopf-Vergleich etwa gleich hoch waren, ist das Verhältnis inzwischen bei 2:1, und die Schere geht stetig weiter auseinander. Wenn man hier nicht gegensteuere, so Strand, gebe es in einigen Jahren zwar viele neue Dienste, aber in Europa keine Bandbreite für deren Nutzung. "BMW, Audi and Mercedes can sell connected cars then but drivers will not be able to connect anymore", so seine eindringliche Warnung.

Cyber-Physical Systems und Zukunftstechnologien

Der Präsident der Gesellschaft für Informatik, Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, der die Konferenz eröffnete, zeigte auf, wie sich die Systeme künftig entwickeln werden: Informationssysteme und eingebettete Softwaresysteme, etwa in Fahrzeugen oder Produktionssystemen, werden durch mobile Systeme verbunden und resultieren in Emergent Software und Cyber-Physical Systems. Vor diesem Hintergrund, so betonte Liggesmeyer, sei die deutsche Forschung gut aufgestellt, die mit der GI-Fachgruppe Mobilität und mobile Informationssysteme (GI-MMS) diese Entwicklungen bereits seit acht Jahren mit vorantreibe. Auch die Universität Augsburg sei hier mit ihrem Engagement besonders hervorzuheben.

Auf der MCTA wurden auch Zukunftstechnologien in diesen Bereichen gezeigt, dabei standen vor allem Drohnen und 3D-Drucksysteme im Mittelpunkt. Thomas Reisacher, Geschäftsführer der Fabrique d'Images, zeigte eine Reihe von Schwachpunkten der kommerziellen Drohnentechnologie auf. Während militärische Drohnen in der Größe durchaus an einen Airbus heranreichen können, sind die kleinen zivilen Drohnen in der Regel nicht in der Lage, wirklich Lasten zu transportieren, wie er am Beispiel eines leeren Paketes demonstrierte. Anderseits sind sie etwa in Japan in der Landwirtschaft bereits sehr stark verbreitet, Drohnen führen dort 90 Prozent der künstlichen Bestäubung durch. Einen beeindruckenden Einblick in die Fähigkeiten der 3D-Drucktechnologie gab Prof. Dr.-Ing. Franz-Josef Villmer von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Besonders intensiv diskutiert wurden die Anpassungen der Automobilhersteller ans digitalen Zeitalter, es referierte Bernhard Stimpfle, Leiter Entwicklung Technologien Mobilitätsdienste bei BMW.

Die Rolle der IT ändert sich im mobilen Kontext

Prof. Dr. Volker Gruhn, Informatiker an der Universität Duisburg-Essen und Gründer des IT-Unternehmens adesso mit mehr als 1000 Mitarbeitern, stellte die "New School of IT" vor. Hier wird durch Mobilität, Agilität und Elastizität einerseits die IT in vielen Unternehmen vom stillen Dienstleister zu einem der Treiber für das Kerngeschäft, etwa in Versicherungen oder im Mobile-Enterprise-Umfeld. Andererseits stellt sich die Anwendungsentwicklung für die mobile Welt aber als eine neue Disziplin dar, in der die Anforderungen heute oft noch deutlich über den Möglichkeiten liegen. So ist das sinnvolle Testen von Software in diesem Umfeld schlicht nicht mehr möglich und erfordert neue - etwa crowd-basierte - Ansätze. Einen Überblick über die mobilen Plattformen gab Christian Feser, Geschäftsführer von M-Way.

Mobile Payment wird das Marketing völlig verändern aber deutsche Anbieter stehen vor großen Hürden

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Konferenz ist traditionell das Themenfeld Mobile Payment, da sich auf der MCTA Experten nicht nur aus Mobilfunkunternehmen, sondern auch aus Banken und einschlägigen anderen Bereichen treffen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt in diesem Jahr die neue Mobile-Payment-Strategie der niederländischen Rabobank, die mit dem Kauf des Mobile-Commerce-Dienstleisters MyOrder als erste europäische Großbank mobile Dienste für Handel und Gastronomie anbietet. Rolle und Chancen der Mobilfunkunternehmen im deutschen M-Payment-Markt beleuchtete Christian von Hammel-Bonten von Wirecard.

Bereits am Workshop Day wurden einige unangenehme Fakten auf den Tisch gebracht: So waren 2012 international 15 Prozent der Kartenterminals zum kontaktlosen Bezahlen etwa mit NFC geeignet, europaweit 19 Prozent, in Deutschland aber nicht einmal 10 Prozent. Jochen Siegert, Geschäftsführer des Gaming-Anbieters Bigpoint und zuvor viele Jahre für Mastercard und PayPal tätig, analysierte den Marktstatus der Mobile Wallets in Deutschland und verwies dabei auf die unrealistischen Nutzungszahlen in vielen Business Cases. Dass von den derzeit 28 Mobile Wallets in Deutschland mindestens zwei Drittel in absehbarer Zeit den Markt wieder verlassen werden, war allgemeiner Konsens unter den Experten.

Im Gegensatz zu NFC sind Beacons eigentlich keine Payment-Technologie. Dass sie dennoch hohe Relevanz im Markt erlangen werden, ergibt sich aus ihren Möglichkeiten zur Erhebung von Retail-Kundendaten. Achim Himmelreich, Vizepräsident des BVDW, verwies auf das attraktive Kosten-Nutzen-Verhältnis von rund 10 Cent pro Kontakt. Einen deutschen PayPal-Konkurrenten baut derzeit die Otto-Gruppe auf: Yapital. Geschäftsführer Thomas Pietsch setzt dabei vor allem auf stetigen Aufbau.

Zum Abschluss der Konferenz stellte Key Pousttchi die neue Studie "Warum wir Mobile Payment neu denken müssen" vor. Sie befasst sich vor allem mit dem Kundenverhalten, das auf dem mobilen Kanal sehr stark differiert, und zeigt den Handlungsbedarf bei M-Payment-Verfahren auf. Über Sicherheit etwa würden viele Mythen kursieren, ebenso darüber, warum bisher keiner den Durchbruch geschafft habe. "An den Kunden liegt es nicht, bereits vor zehn Jahren wollte die Hälfte der Deutschen gern mit dem Handy bezahlen", so Pousttchi. "Aber es hat bislang kein einziges Verfahren gegeben, das wirklich gut war und die Kunden haben klare Anforderungen, die man für einen Marktdurchbruch erfüllen muss." Wenn die deutschen Anbieter es nicht hinbekommen, so sieht er vorher, werden es die AGFEAs machen: Apple, Google, Facebook, eBay/PayPal und Amazon. Und das wäre fatal für Deutschland und Europa. Denn es geht dabei in erster Linie um Kundendaten und das

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