Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 14. Dezember 2017 

Wegsperren oder nicht?

21.05.2014 - (idw) Evangelische Hochschule Berlin (EHB)

Sind freiheitsentziehende Maßnahmen ein probates Mittel in der Jugendhilfe? Die Internationale Woche an der EHB befasst sich an drei Tagen mit dem kontrovers diskutierten Thema. Schwerpunkt sind die Länder Deutschland und Schweiz mit Fokus auf Kinder- und Jugendpsychiatrie. Neben Workshops und Gesprächsrunden lädt die Hochschule am Donnerstag, 22. Mai, ab 9:30 Uhr zu einem öffentlichen Fachtag ein. Es geht um Jugendliche in Heimerziehung, mit Präsentation erster Ergebnissen aus der MAZ Studie (Modellversuch zur Abklärung und Zielerreichung in stationären Einrichtungen) Unter dem brisanten Leitthema "Freiheitsentziehende Maßnahmen in Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie, ein Ländervergleich Deutschland/Schweiz begann gestern die dreitägige Internationale Woche an der Evangelischen Hochschule Berlin. Realisiert wird sie vom Studiengang Soziale Arbeit in Kooperation mit dem neu an der Hochschule gegründeten DIH- Institut für Heimerziehungsforschung. Dabei präsentierten die Veranstaltenden gleich zum Auftakt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:
Die Zeitzeugin Sonja Rachow stellte gemeinsam mit der Autorin Silke Kettelhake ihre im März 2014 erschienene Biografie Sonja: "negativ-dekadent" - Eine rebellische Jugend in der DDR vor. Danach sprach sie über ihre Erfahrungen im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau und diskutierte mit den anwesenden Studierenden und Gästen.

Das Thema der geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen ist bis heute in Fachkreisen ein stark kontrovers diskutiertes. Durch den Skandal um die Haasenburg-Heime in Brandenburg vergangenes Jahr rückte das sonst eher unsichtbare Thema schlagartig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Im seitdem andauernden Diskurs dominieren zwei Perspektiven: Für die einen sind freiheitsentziehende Maßnahmen Teil einer repressiven Gesellschaft, für die anderen sind die vorhandenen sozialpädagogischen Maßnahmen unzureichend. Das Thema berührt damit nicht allein das Selbstverständnis der Jugendhilfe und der sozialen Arbeit, sondern dreht sich um letztlich philosophische Fragen nach dem Wert von Freiheit, ihrer Ermöglichung und Entstehung sowie den Stellenwert der Pädagogik in diesem Prozess.

Um Diskurs und Diskussion voranzutreiben, lädt die EHB daher am letzten Veranstaltungstag (22. Mai ab 9:30 Uhr) zu einem öffentlichen Fachtag ein. Im Rahmen des Programms referiert Prof. Dr. med. Michael Kölch, Chefarzt der Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (Vivantes) zu Ergebnissen des Modellversuchs zur Abklärung und Zielerreichung in stationären Maßnahmen (MAZ Studie). Anschließend wird in einem Podiumsgespräch die Frage erörtert, ob und wenn ja welche Alternativen es zur geschlossenen Unterbringung gibt. Am Nachmittag stellen die Gäste aus der Schweiz, Dr. Matthias Luther und Snezana Reiner (Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik (KJPK) und Poliklinik Basel) eine Schweizer Einrichtung und deren pädagogisches Konzept vor und berichten zum Thema öffentliche Akzeptanz sowie zu den Erfolgen bzw. Herausforderungen. Studierende, Interessierte sowie Fachkolleg_innen sind herzlich eingeladen.
uniprotokolle > Nachrichten > Wegsperren oder nicht?
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/278551/">Wegsperren oder nicht? </a>