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Bundestagspräsident wirft kritischen Blick auf Energiewende

21.05.2014 - (idw) Hochschule Bochum

Alumnitreffen der Hochschule Bochum: Prof. Dr. Norbert Lammert diskutiert über regenerative Energien Von Rüdiger Kurtz
Das Gebäude, in dem das 5. Alumni-Jahrestreffen des Fachbereichs Wirtschaft stattfand, war Norbert Lammert noch aus eigenen Studientagen vertraut. "Hier war damals die Mensa der Ruhr-Universität", erinnerte sich der amtierende Bundestagspräsident und RUB-Absolvent: "So schön wie heute sah es früher allerdings nicht aus." Das studentische Organisationsteam der Hochschule Bochum hatte den großen Saal der vor vier Jahren aufwändig renovierten "BlueBox" dem Anlass entsprechend festlich geschmückt.

Der Einladung, sich mit Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Professorinnen und Professoren zum Thema "Regenerative Energien" auszutauschen, war Norbert Lammert gerne gefolgt. Von 1983 bis 1989 hatte er als Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Wirtschaftsabteilung der Hochschule Bochum (damals noch Fachhochschule Bochum) gewirkt. Gleich zu Beginn der Talkrunde unter der Leitung von Wirtschaftsprofessor und Energieexperte Michael Häder wurde der Bundestagspräsident mit dem Eindruck konfrontiert, dass viele Erkenntnisse aus der Wissenschaft von den Parteien nicht entsprechend wahrgenommen und umgesetzt würden. Der erfahrene Politiker widersprach energisch. "Alles, was an gesellschaftlichem Wissen vorhanden ist und von Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen neu hinzukommt, wird in Berlin in die Diskussion eingebracht." Allerdings bringe es eine parlamentarische Demokratie mit sich, dass es zu unterschiedlichen Deutungen komme. "Jede Partei hat ihre Wahrheit, aber keine hat Recht", so Lammert: "Und am Ende des Tages wird es so gemacht, wie es die Mehrheit für richtig hält." Das müsse dann nicht immer die beste Alternative sein, aber zum Glück könne man Fehlentscheidungen revidieren.
Gerade im Bereich Energie habe es in den letzten Jahren viele Änderungen gegeben. "Die Einstellung der Deutschen zur Kernenergie hatte sich schon mit der Katastrophe in Tschernobyl grundlegend geändert", erinnerte Lammert: "Dennoch bedurfte es der weiteren Katastrophe in Fukushima, um den Druck so zu erhöhen, dass die Politik reagieren musste." Die Energiewende und die damit verbundene Stärkung der regenerativen Energien sieht Lammert durchaus skeptisch. "Die Schwankungen der zur Verfügung stehenden Energie aufgrund von Wind und Sonne bereiten mir dabei weniger Sorge als die steigenden Kosten", so der gebürtige Bochumer: "Wenn die Kosten für den Einzelnen zu hoch werden, können die Mehrheiten für die Energiewende schnell zusammenbrechen." Die kontrovers geführte Diskussion bereitete dem "zweiten Mann im Staat" sichtlich Freude. Auch nach dem Ende der offiziellen Talkrunde stand er den Alumni und Studierenden noch lange Rede und Antwort.

Das Thema Regenerative Energien zog sich als roter Faden durch das Alumni-Jahrestreffen des Fachbereichs Wirtschaft. Prof. Dr. Michael Häder hatte mit einer präzisen Situationsanalyse der Energiewende bereits zu Beginn der Veranstaltung die Grundlage für intensive Diskussionen gelegt. Im weiteren Verlauf sorgten Besuche bei den Weltrekordlern des Solarcar-Teams der Hochschule Bochum mit seinen vielfach ausgezeichneten Solarwagen sowie des ebenfalls auf dem Hochschulgelände liegenden Geothermiezentrums für einen beeindruckenden Praxisbezug. Auf den kurzweiligen Führungen konnten Studierende und Alumni einen Blick hinter die Kulissen werfen und ihr Wissen über Sonnenenergie und Erdwärmenutzung erweitern. Vier Teilnehmer durften nach Losentscheid und bei strahlendem Sonnenschein eine Runde mit dem aktuellen Sonnenwagen drehen. "Das war ein tolles Gefühl, ohne die gewohnten Geräusche eines Verbrennungsmotors dahinzugleiten", freute sich Alumnus André Kreimer. "Allerdings", so schränkte er augenzwinkernd ein, "merkt man, dass Gewicht gespart werden musste - der Komfort ist doch eher sportlich."
Stärken konnten sich die Teilnehmer zwischen den verschiedenen Veranstaltungen mit typischer Ruhrgebietsküche direkt vom Imbisswagen sowie beim gemeinsamen Kaffeetrinken mit selbstgebackenen Kuchen des engagierten und stets präsenten studentischen Organisationsteams, das sich am Ende sehr über ein Gruppenfoto mit Bundestagspräsident Norbert Lammert freute. "Das war ein rundum gelungenes Event", bescheinigte dann nicht nur Wirtschaftsdekanin Eva Waller: "Die gute Mischung aus Theorie und Praxis und natürlich unser Ehrengast haben das Alumni-Jahrestreffen 2014 zu einem beeindruckenden Erlebnis für alle Beteiligten gemacht." Weitere Informationen:http://www.hochschule-bochum.de/fbw/alumni.html - BOwal, die Vereinigung der Wirtschaftsalumni der Hochschule Bochum.

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