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Über fünf Millionen Studienanfänger bis 2025 kosten 27 Milliarden Euro extra für die Hochschulen

22.05.2014 - (idw) Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)

Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie legt heute eine neue Studienfänger-Prognose vor: Im Zeitraum bis 2025 sinkt die Zahl der neuen Studierenden an deutschen Universitäten und Fachhochschulen um ein Fünftel auf 406.500. Dies macht weitere Investitionen in das Hochschulsystem erforderlich, die sich jedoch in wenigen Jahren für die öffentliche Hand auszahlen. Nach neuen Berechnungen des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) wird die Zahl der Studienanfänger und -anfängerinnen von gut 506.000 im vergangenen Jahr auf 406.500 im Jahr 2025 sinken. Noch vor wenigen Jahren, 2011, haben die Studienanfängerzahlen in Deutschland ein historisches Hoch erlebt. Nachdem sich auch im vergangenen Jahr über eine halbe Million Erstsemester an den Hochschulen eingeschrieben haben, werden die Zahlen in den kommenden Jahren geringer. In den nächsten rund zehn Jahren sinken die Studienanfängerzahlen um ein Fünftel, sagt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS. Vergleicht man diese Zahlen mit der Anfang Mai veröffentlichten KMK-Prognose, dann liegen unsere Berechnungen um rund zehn Prozent darunter. Der Bildungsökonom ist sich sicher, dass die neuen Erkenntnisse erhebliche Implikationen für den nächsten Hochschulpakt haben. Bund und Länder müssen jetzt neu verhandeln: Für den laufenden Hochschulpakt müssen einerseits insgesamt über 500.000 zusätzliche Erstsemesterplätze finanziert werden, andererseits benötigen die Hochschulen im Zeitraum bis 2025 über 27 Milliarden Euro extra, wenn die Studienberechtigten auch in den kommenden Jahren gute Möglichkeiten zur Aufnahme und Durchführung eines Studiums haben sollen.

Neben bundesweiten Zahlen liefert die Prognose auch Angaben zu den einzelnen Ländern. Während die Zahlen in den meisten west- und süddeutschen Ländern in den nächsten Jahren deutlich absinken, muss Schleswig-Holstein im Jahr 2016 mit einem neuen Höchststand rechnen, da erst dann die doppelten Abiturjahrgänge anfallen. Für die ostdeutschen Länder deutet sich an, dass die Zahlen ab dem Jahr 2015 aufgrund der demografischen Entwicklung höher sein werden als noch in diesem Jahr, jedoch anschließend nicht mehr ansteigen werden.

Fasst man die Zahlen zusammen, dann braucht das deutsche Hochschulsystem eine langfristige und nachhaltige Finanzierungszusage, erläutert Dohmen. Dies gilt umso mehr, als sich die Investitionen in den Ausbau des Hochschulsystems lohnen. Nach unseren Berechnungen beträgt die fiskalische Rendite eines Hochschulstudiums 26 Prozent. Das heißt, dass Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen erheblich von der hohen Nachfrage nach Studienplätzen und einem erfolgreichen Studienabschluss profitieren. Schließlich ist die Arbeitslosenrate unter Akademikern und Akademikerinnen von 2,4 Prozent extrem niedrig.

Einen so genannten Akademisierungswahn erkennt der Bildungsexperte jedoch nicht. Angesichts solcher Diskussionen verweist er vielmehr auf weitere, zeitgleich anstehende Herausforderungen für die Bildungspolitik: Es gibt Handlungsfelder, wie etwa das Ausbildungssystem, die ebenso angegangen werden sollten. Damit dieser Studien-Boom, der für den Bedarf an Höchstqualifizierten im Arbeitsmarkt wichtig ist, nicht zu Problemen im Ausbildungssystem führt, müssen beispielsweise massive Anstrengungen unternommen werden, das Bildungsniveau insgesamt zu verbessern und unter Anderem die Zahl der funktionalen Analphabeten zu reduzieren. Schließlich verlässt derzeit jeder fünfte Jugendliche in Deutschland die Schule, ohne richtig lesen, schreiben und rechnen zu können, und findet deshalb keinen Ausbildungsplatz. Es wäre ein Armutszeugnis für das Land der Dichter und Denker, für unser Bildungssystem mit den vielen Reformen in den letzten Jahren, wenn es nicht gelänge, diesen Anteil deutlich zu reduzieren und damit die Teilhabe an der Gesellschaft aller zu ermöglichen. Darüber hinaus werden alle jungen Menschen auch als qualifizierte Beschäftigte gebraucht. Zudem sind Unternehmen und Wirtschaftsverbände gefordert, das Ausbildungssystem so weiterzuentwickeln, dass es auch für Abiturientinnen und Abiturienten noch attraktiver wird.

Die Studienanfänger-Prognosen des FiBS werden regelmäßig mit dem vom Forschungsinstitut entwickelten Simulationsmodell EduSim© vorgenommen, das neben den Vorausberechnungen auf Bundes- und Länderebene auch solche nach Fachrichtung zulässt.


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Die ausführliche Fassung der Studienanfängerprognose kann als FiBS-Forum Nr. 51 von der Homepage des FiBS (www.fibs.eu) heruntergeladen werden.

Kontakt: Dr. Dieter Dohmen (FiBS), Tel. 0 30 84 71 22 30
Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Berichterstattung. Vielen Dank! Weitere Informationen:http://www.fibs.eu Anhang
FiBS-Forum Nr. 51
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