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Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2014 an Heike Hanhörster

23.05.2014 - (idw) Universität Augsburg

Türkeistämmige Eigentümer in Migrantenvierteln stehen im Zentrum einer Fallstudie der Raumplanerin Heike Hanhörster, für die sie mit dem renommierten Augsburger Preis zur Interkulturellen Wirklichkeit in Deutschland ausgezeichnet wird. Preisverleihung am 24. Juni 2014 im Goldenen Saal der Stadt Augsburg. Hervorragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, deren Forschung sich mit der interkulturellen Wirklichkeit in Deutschland und den damit zusammenhängenden Fragen und Herausforderungen auseinandersetzt, zeichnet der Augsburger Wissenschaftspreis alljährlich aus. 1997 wurde der Preis auf Initiative des Gründers des FILL e.V. und späteren Friedenspreisträgers Helmut Hartmann ins Leben gerufen und im folgenden Jahr von ihm und seiner Frau Marianne gestiftet. Seither wird er jährlich vom "Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V." gemeinsam mit der Universität und der Stadt Augsburg verliehen, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verstärkt für das Thema "Interkulturelle Wirklichkeit in Deutschland" zu interessieren.


Migranten als Eigentümer in Deutschland Hauptpreis an Heike Hanhörster

In diesem Jahr geht der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis an Dr. Heike Hanhörster für ihre Dissertationsschrift Bleiben oder gehen? Türkeistämmige Eigentümer in Migrantenvierteln. Die heute am Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung tätige Raumplanerin hat ihre Dissertation an der TU Dortmund vorgelegt.
Nach der Einschätzung der Jury des Augsburger Wissenschaftspreises schließt Hanhörsters Studie wichtige Forschungslücken in Fragen der Eigentumsbildung bei Personen mit Migrationshintergrund und deren Wohnortentscheidungen, zu denen bislang trotz ihrer gesellschaftlichen und planerischen Relevanz kaum wissenschaftlich geforscht wurde.

Heike Hanhörster hat in ihrer Dissertation den seit Jahren zunehmenden Immobilienerwerb von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund im Rahmen einer Fallstudie beispielhaft an der Stadt Duisburg nachvollzogen. Die Stadt hat bundesweit den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei. Sie weist eine hohe Eigentumsquote innerhalb der Zielgruppe aus und sie ist von einem eher entspannten Wohnungsmarkt geprägt.
Nach den Erkenntnissen Dr. Heike Hanhörsters weist die Standortentscheidung türkeistämmiger Migranten im Kontext ihres Immobilienerwerbs drei Dimensionen auf: Familienorientierung, soziale Positionierung und Investitionsstrategien. Zwischen diesen drei Aspekten zieht Hanhörster ein Spannungsfeld und illustriert, dass die Standortentscheidungen auch von Kompromissen geprägt sind.
Mit diesen Erkenntnissen ist die Studie bedeutsam für eine integrierte Quartiersentwicklung, betont der Vorsitzende der Jury Prof. Nagel.


Interkulturelle Öffnung von Verwaltungsstrukturen Förderpreis an Isabel Collien

Den Förderpreis erhält Isabel Collien für ihre Diplomarbeit Prozesse interkultureller Öffnung Das Beispiel der öffentlichen Verwaltung in Berlin, vorgelegt an der Freien Universität Berlin. Die Fallstudie befasst sich aus politikwissenschaftlicher und organisationssoziologischer Perspektive mit den Möglichkeiten einer interkulturellen Öffnung von Verwaltungsstrukturen. Collien untersuchte ob und wie Leitbilder interkultureller Öffnung im Arbeitsalltag umgesetzt werden, welchen Einfluss das jeweilige Vorwissen zu Migration und Rassismus hat und welche Unterschiede sich bei Beschäftigten in der Berliner Senatsverwaltung feststellen lassen. So war eine Gruppe der Befragten der Ansicht, Migranten und Migrantinnen sollten nur in Arbeitsbereichen mit Kontakt zu KundInnen mit Migrationshintergrund beschäftigt werden. Diese Ansicht vertraten vor allem solche Personen, die eine Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus eher mieden und aus ihrer privilegierten Position heraus diskriminierende Strukturen nicht wahrnahmen. Die andere Gruppe hingegen, die sich kritisch mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt hatte, hielt interkulturelle Öffnung für eine bedeutende Querschnittsaufgabe der gesamten Verwaltung.
Der Juryvorsitzende Prof. Nagel zieht hier den Schluss: Vorwissen zu Migration und Rassismus prägt die Bereitschaft zu interkultureller Öffnung in der öffentlichen Verwaltung.

Isabel Collien ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin für Hochschulentwicklung und Gleichstellungsbeauftragte der HafenCity Universität Hamburg. In ihrer kumulativen Dissertation befasst sie sich aus interdisziplinärer Perspektive mit dem Thema Diversity und Chancengleichheit in Organisationen. Ihr zentrales Thema in Forschung und Lehre ist die Untersuchung sozialer Ungleichheiten in Organisationen und wie sie (re)produziert werden.


Verleihung im Goldenen Saal

Die Auswahl der Preisträgerinnen übernahm auch in diesem Jahr eine hochkarätig besetzte Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor Universitätsklinikums Essen und Mitglied des Deutschen Ethikrats.
Die festliche Verleihung des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien 2014 findet am 24. Juni 2014 durch den Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, Dr. Kurt Gribl und die Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel im Goldenen Saal im Rathaus der Stadt Augsburg statt. Die Würdigung der Preisträgerinnen nimmt der Vorsitzende der Wissenschaftspreis-Jury Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel vor. In einem Podiumsgespräch unter Leitung von Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel werden die beiden Preisträgerinnen tieferen Einblick in ihre Denkansätze und Forschungsergebnisse gewähren.

Podiumsgespräche zum Thema

Anlässlich einer ergänzenden Gesprächsveranstaltung mit den Preisträgerinnen am Tag nach der Preisverleihung haben die interessierte Öffentlichkeit und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Augsburger Stadtverwaltung und Planungsreferate Gelegenheit, eingehender mit den Spezialistinnen ins Gespräch zu kommen, und mit ihnen über eine Anwendbarkeit ihrer Forschungsergebnisse auch auf Augsburger Verhältnisse zu diskutieren. Die Veranstaltung findet voraussichtlich am 25. Juni um 10 Uhr im Oberen Fletz des Rathauses statt.

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Preisverleihung
Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2014
Dienstag, 24. Juni 2014, 19.00 Uhr
Goldener Saal des Augsburger Rathauses

Programm:
Musikalischer Auftakt

Begrüßung
Dr. Kurt Gribl, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg

Grußwort
Angela Bachmair, FiLL e.V.

Würdigung der Preisträgerinnen
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel, Vorsitzender der Jury

Preisverleihung und Dankesworte der Preisträgerinnen

Performance

Podiumsgespräch mit den beiden Preisträgerinnen
Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg


Musikalischer Ausklang

Musik: Öykü Sensóz (Gesang), eref Dalayanolu (Ud), Martin Franke (Violine), Herbert Engstler (Kontrabass)

Anschließend Empfang mit interkulturellem Büffet im Oberen Fletz des Augsburger Rathauses


Rahmenveranstaltungen

25.6.2014, 10.00 Uhr, voraussichtlich im Oberen Fletz des Augsburger Rathauses

Teil I: Kommen um zu Bleiben?
Bleiben oder Gehen? Türkeistämmige Eigentümer in Migrantenvierteln
Impulsreferat und Podiumsgespräch mit Dr. Heike Hanhörster

Teil II: Pragmatische Anpassung oder Paradgimenwechsel
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