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Geschichtlich(-keit) denken. Philosophische und theologische Herausforderungen

03.06.2014 - (idw) Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar

IV. Vallendarer Kolloquium zur Geschichte der Philosophie Das IV. Vallendarer Kolloquium zur Geschichte der Philosophie unter dem Titel Geschichtlich(-keit) denken. Philosophische und theologische Herausforderungen fand vom 29. bis 31. Mai 2014 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) statt. Dieses Kolloquium wurde von Professor Dr. Dr. Holger Zaborowski, Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik an der PTHV, in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Enrique Munoz und Professor Dr. Cesar Lambert (beide Universität Talca, Chile) organisiert. Es stellte das Gespräch zwischen lateinamerikanischen und deutschen Philosophen und Theologen in den Vordergrund.

Eine Reihe lateinamerikanischer Referenten war vor Ort und referierte über Geschichtlichkeit als Grunderfahrung bei Martin Heidegger, Geschichtlichkeit des philosophischen Verstehens bei Martin Heidegger sowie Geschichtlichkeit als Grunderfahrung bei Bernhard Welte.

Einer der elf Referenten war Professor em. Dr. Peter Hünermann, Dogmatiker an der Universität Tübingen. Er hielt einen Vortag zum Thema Geschichtlichkeit als Grundbestimmung des Christentums im Licht des II. Vatikanums zur Orientierung heutiger theologischer Arbeit. Dabei knüpfte er an Bernhard Weltes zweistündige Vorlesung vom Wintersemester 1949/50 Geschichtlichkeit als Grundbestimmung des Christentums an und kommt zu dem Schluss: Alles Geschichtliche ist Einzelnes.

Geschichtliche Einzelheit meine nicht die zählbare Einheit und deren Abgrenzung. Sie meint nicht die Einzelheit, die Einzelnes im Rahmen einer generischen oder spezifischen Allgemeinheit abgrenzbar und unterscheidbar macht, sagte Professor Hünermann. Geschichtlich Einzelnes ist von sich selbst her, wesentlich, das heißt innerlich, Einzelnes. Die generische und die spezifische Allgemeinheit stellen immer nur eine gewisse perspektivisch bestimmte Annäherung an das geschichtliche Einzelne dar, ohne es ganz einzuholen und gleichsam total umfassen zu können.

Professor Hünermann befasste sich im Laufe seines Vortrags auch mit aktuellen Fragen. Die gegenwärtige Debatte um das Eheverständnis und die Frage nach der Sakramentenzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen unter gewissen Bedingungen zeigt deutlich die Notwendigkeit und Schwierigkeit, hier eine angemessene Transformation des Magisteriums der Hirten zu erreichen, sagte Professor Hünermann. Dominant ist ein Sakramentenbegriff von der Ehe, der wesentlich bestimmt ist durch metatheologische Begriffe mittelalterlicher Art und ein Eheverständnis, das wesentlich durch einen stoischen Begriff der lex naturalis bestimmt ist.

Wenn Kardinal Kasper in seiner Rede vor dem Konsistorium und im nachfolgenden Interview in Commonweal für eine heilsgeschichtliche Lebensform für die einzelnen Betroffenen und im Blick auf die moderne Gesellschaft eintritt, wird er als Häretiker verschrien. Wenn in der hier vorgelegten Reflexion scharf unterschieden werde zwischen dem unmittelbar theologischen Sprechen als der eigentlichen Aufgabe des Magisteriums und dem metasprachlichen theologischen Charakter der Theologie, so solle damit gerade nicht die notwendige Rückbeziehung der Theologie auf die Bezeugung des Lehramtes herabgestuft werden, sondern diese Bedeutung gerade noch einmal hervorgehoben werden.
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