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Wie DDR-Kompetenzen Ostbetriebe in der Marktwirtschaft zum Erfolg führen

11.06.2014 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

Ostdeutsche Wirtschaftsbetriebe haben es schwer, weil sie technisch veraltet und unternehmerisch unerfahren in die Marktwirtschaft starteten so sieht es das Klischee. Warum sind trotzdem viele Ost-Betriebe wirtschaftlich erfolgreich? Der Göttinger Soziologe Klaus-Peter Buss ist der Frage in einer Studie auf den Grund gegangen. Unterschätztes Erbe
Wie DDR-Kompetenzen Ostbetriebe in der Marktwirtschaft zum Erfolg führen

Ostdeutsche Wirtschaftsbetriebe haben es schwer, weil sie technisch veraltet und unternehmerisch unerfahren in die Marktwirtschaft starteten so sieht es das Klischee. Warum sind trotzdem viele Ost-Betriebe wirtschaftlich erfolgreich? Der Göttinger Soziologe Klaus-Peter Buss ist der Frage in einer Studie auf den Grund gegangen. Tatsächlich haben die untersuchten Unternehmen sich nicht etwa westdeutsche Erfolgsrezepte angeeignet; sie nutzen im Wettbewerb die vielfältigen Kompetenzen, die sie in der Planwirtschaft der DDR erworben haben.

Zwar haben zahllose Studien den Übergang von DDR-Betrieben in die Marktwirtschaft untersucht. Im Vordergrund standen dabei jedoch meistens die Frage nach dem ausbleibenden Erfolg. "Wir wissen deshalb viel über das Scheitern von DDR-Betrieben in der Marktwirtschaft", sagt Buss, " Wie manche Unternehmen sich erfolgreich anpassten, wurde bisher noch nie untersucht." Diese Lücke schließt die am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen durchgeführte Studie.

Buss untersuchte dafür in einer Reihe von Fallstudien sehr unterschiedliche Industrieunternehmen: von privatisierten Altunternehmen über ostdeutsche Neugründungen bis hin zu Zweigwerken großer Automobilhersteller. Sie zeigt, wie diese Unternehmen seit der Wiedervereinigung bis in die Boomjahre 2006/2007 ihre Wettbewerbsfähigkeit entwickelt haben. Die Unternehmen haben sich dabei mit eigenen Geschäftsmodellen und Strategien erfolgreich sowohl gegen etablierte westdeutsche Wettbewerber wie gegen die aufkommende internationale Niedriglohnkonkurrenz behauptet.

Wesentliche Wettbewerbsvorteile ziehen sie gerade aus einer geschickten Nutzung der in der Region vorhandenen, in der DDR-Industrie entstandenen Kompetenzen. Solche Kompetenzen bestehen nicht nur in Bezug auf besondere fachliche Fähigkeiten der nach der Wende vielfach arbeitslosen Industriefacharbeiter. Weitere Beispiele sind etwa die im Rationalisierungsmittelbau der DDR-Kombinate erlernte Flexibilität der Ingenieure oder die im Kollektiv erworbene Teamfähigkeit der Automobilarbeiter, die die Einführung von Gruppenarbeit in den neu aufgebauten Automobilfabriken erleichterten.

Zugleich wirken sich die Wettbewerbsstrategien auf Tarifbindung, Mitbestimmung und berufliche Bildung aus. Zwar wurde nach 1990 versucht, diese nach dem westdeutschen Vorbild zu gestalten. Trotzdem bestehen gerade hier bis heute deutliche Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern. So bestehen in der beruflichen Bildung vielfältige Anknüpfungspunkte an das DDR-Berufsbildungssystem. Wie die Studie zeigt, hängt der ostdeutsche Sonderweg eng mit der Art und Weise zusammen, wie die Unternehmen ihre Mitarbeiter einbinden und so die zu DDR-Zeiten entstandenen Kompetenzen mobilisieren. Die Studie eröffnet hier den Blick auf eine Eigenlogik der ostdeutschen Wirtschaftsentwicklung, die von der Forschung so bislang nicht wahrgenommen wurde.


Klaus-Peter Buss, Mit ererbten Kompetenzen zu neuen Geschäftsmodellen Ostdeutsche Betriebe auf dem Weg von der Plan- in die Marktwirtschaft, Springer VS, Wiesbaden 2014 (31. Mai 2014), 392 Seiten, ISBN-13: 978-3658059118.

Kontakt:
Dr. Klaus-Peter Buss
Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)
Friedländer Weg 31
D-37085 Göttingen
Telefon: (0551) 52205-0
Mail: klaus-peter.buss@sofi.uni-goettingen.de Weitere Informationen:http://www.sofi.uni-goettingen.de
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