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Religionen ordnen die Frau dem Mann unter

23.06.2014 - (idw) Exzellenzcluster Religion und Politik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger gibt Buch über umstrittene Geschlechterfragen heraus Burka-Verbote, Frauen in der Kirche, Sexualnormen, Feminismus im Judentum Die monotheistischen Weltreligionen haben in der Vergangenheit Frauen traditionell den Männern untergeordnet. Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger vom Exzellenzcluster Religion und Politik der Uni Münster erläutert, das geht auf die patriarchalischen Gesellschaften zurück, in denen Judentum, Christentum und Islam entstanden sind und die sich in Torah, Bibel und Koran niedergeschlagen haben. Die Wissenschaftlerin hat unter dem Titel Als Mann und Frau schuf er sie ein Buch zum Verhältnis von Religion und Geschlecht herausgegeben. Besonders die katholische Kirche und der Islam konservieren vormoderne, patriarchalische Geschlechterrollen. So dürfen Frauen bis heute bekanntlich nicht Priester oder Imam werden. Der Einfluss der Religionen sei heute nirgendwo so sichtbar wie im Geschlechterverhältnis, so die Forscherin, die zuletzt mit dem deutschen Historikerpreis ausgezeichnet wurde.

Wenn öffentlich von Religion die Rede ist, geht es selten um Glaubensbotschaften, sondern vielmehr um Sexualität und Geschlechterrollen, schreibt die Herausgeberin. Als Beispiele nennt sie fundamentalistische Sexualnormen, feministische Religionskritik und kirchliche Äußerungen zu Verhütungsmitteln. Wohl jedes religiöse Sinnsystem enthält Aussagen über die Ordnung der Geschlechter. Die Rollen von Mann und Frau seien in religiösen Mythen verankert, würden in liturgischen Praktiken stets neu reproduziert und durch kirchliche Organisationsstrukturen auf Dauer gestellt. Die Publikation aus dem Exzellenzcluster behandelt umstrittene Themen wie das Burka-Verbot, feministische Aufbrüche in Judentum, im Islam und in der katholischen Kirche sowie das Verhältnis von Fundamentalismus und Sexualität.

Um das Verhältnis von Religion und Geschlecht angemessen bewerten zu können, reicht es nach Einschätzung der Wissenschaftlerin nicht aus, sich auf aktuelle Problemlagen zu beschränken. Vielmehr bedürfe es einer historisch vergleichenden Perspektive. Nur aus historischer Distanz lässt sich zeigen, wann und warum Religion und Geschlechterordnung einander stützen oder miteinander kollidieren und inwiefern sie etwa durch eine religionsneutrale Rechtsordnung entkoppelt werden können.

Gleichsetzung von religiöser und sexueller Reinheit

Die elf Beiträge des Sammelbandes gehen aus der Sicht verschiedener Fächer und Epochen der Frage nach, wie Religionen die Geschlechterordnung beeinflusst haben und noch immer beeinflussen. Unter den Autorinnen und Autoren sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Münster und weiterer Hochschulen in Deutschland und den Niederlanden, darunter die Juristin Titia Loenen aus Utrecht und die Berliner Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun sowie die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck und Publizistin Khola Maryam Hübsch. Vom Exzellenzcluster beteiligt sind die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins, der Historiker Werner Freitag, der Jurist Bijan Fateh-Moghadam und die Historikerin Sita Steckel. Das Buch versammelt Beiträge der Ringvorlesung Religion und Geschlecht von 2011 und 2012. Es ist als siebter Band in der Reihe Religion und Politik im Würzburger Ergon-Verlag erschienen.

Mann und Frau sind in den meisten Religionen höchstens im Jenseits gleich vor Gott, aber nicht auf Erden, unterstreicht die Historikerin. Fundamentalisten aller Religionen sei die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen bis heute ein zentrales Anliegen. Sie sähen in der Gleichberechtigung der Frauen all das, was sie an der Moderne beunruhige. Fundamentalisten definieren sich oft über besonders strenge Geschlechternormen. Sie gründen die Identität ihrer Gruppe auf der Keuschheit vor allem der Frauen, um sich von der sündhaften Umwelt abzugrenzen. Religiöse Reinheit wird mit sexueller Reinheit, der Glaube der Anderen mit sexueller Zügellosigkeit gleichgesetzt.

Umgekehrt können Glaubensvorstellungen nach den Worten von Barbara Stollberg-Rilinger dazu beitragen, eine herrschende Geschlechterordnung in Frage zu stellen, indem man sich etwa auf die spirituelle Gleichheit vor Gott oder auf individuelle prophetische Inspiration beruft. Dass die evangelische Kirche und das Judentum Frauen nicht mehr von geistlichen Ämtern ausschließen, zeigt nach Einschätzung der Historikerin, dass religiöse Institutionen sich auf den historischen Wandel der Geschlechterordnung einstellen können. Heilige Texte sind auslegungsfähig. (ska/vvm)


Hinweis: Stollberg-Rilinger, Barbara (Hg.): Als Mann und Frau schuf er sie. Religion und Geschlecht (Religion und Politik, Band 7), Würzburg: Ergon-Verlag 2014, 298 Seiten, ISBN 978-3-95650-011-4, 44 Euro.

Rezensionsexemplare können angefordert werden bei service@ergon-verlag.de. Weitere Informationen:http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2014/jun/PM_Frauen_in_...
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