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Vogelschutz lohnt sich! Vogelbestände in Osteuropa profitieren von neuer Gesetzgebung

25.06.2014 - (idw) Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Cambridge / Brno / Frankfurt, 25. Juni 2014. Die Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre etablierte Gesetzgebung zum Vogelschutz in Osteuropa hat dazu beigetragen, den Rückgang der Bestände geschützter Vogelarten zu verringern. Das traf insbesondere in den Ländern zu, in denen die Ressourcen für den Schutz für ausgewählte seltene oder stark bedrohte Arten verwendet wurden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vor kurzem im Fachjournal Biological Conservation veröffentlicht wurde. Beteiligt waren Forschende der Universität Brno, des Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) sowie weitere Experten, z.B. die internationale Vogelschutz-Organisation BirdLife. Vogelschutz ist eine internationale Aufgabe, nicht zuletzt, weil für Vögel nationale Grenzen bedeutungslos sind. Jedoch fußt der Schutz vor Ort auf nationaler Gesetzgebung. Während frühere Studien bereits den Nutzen des legislativen Vogelschutzes in Westeuropa und den Vereinigten Staaten untersucht haben, stellt eine neue Studie nun den Nutzen der Vogelschutz-Gesetzgebung in Osteuropa auf den Prüfstand.

Vergleich von Langzeitenreihen von Vögeln in zehn Ländern
Für die Untersuchung wurden Daten der Bestände geschützter und ungeschützter Vogelarten in zehn osteuropäischen Ländern Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Weißrussland, Litauen, Moldawien und Estland sowie Ungarn und Kroatien ausgewertet. Allen Ländern ist gemein, dass die den Vogelschutz betreffende Gesetzgebung in den späten 80er oder frühen 90er Jahren verabschiedet wurde. Ein Team der Universität Brno, des Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und weiterer Universitäten verglich, wie sich die Bestände einzelner Vogelarten in diesen Ländern in den Zeiträumen 1970 bis 1990 und 1990 bis 2000 entwickelt haben. Die Daten lieferte die Vogelschutzorganisation BirdLife, die regelmäßig großräumig Populationsdaten von Vögeln in Europa zusammenträgt.

Geschützte Vögel profitierten vom politischen Umbruch in Osteuropa
Die beiden Untersuchungszeiträume fallen mit der Zeit vor und nach dem politischen Umbruch und der Einführung moderner Umweltgesetzgebung in vielen Ländern in Osteuropa zusammen. Der Zustand der Populationen im ersten Zeitraum (d.h. 'vor' der Schutzgesetzgebung) konnte daher direkt mit der Anzahl der Vögel im zweiten Zeitraum, also nach Etablierung der Schutzgesetzgebung, verglichen werden. Es zeigte sich, dass sich die Bestände geschützter Arten nach 1990 besser entwickelt haben als die der nicht-geschützten Arten. Das deutet darauf hin, dass nationale Regelungen tatsächlich dazu beigetragen haben, den Rückgang geschützter Arten aufzuhalten. Insbesondere hat sich der Bestand geschützter Vogelarten in den Ländern positiv entwickelt, die mit großem Aufwand ausgewählte seltene oder charakteristische Vogelarten schützen, so Prof. Katrin Böhning-Gaese, BiK-F.

Kombination unterschiedlicher Schutzkonzepte am effektivsten
Dieses Konzept kommt in Weißrussland, der Tschechischen Republik, Litauen, Moldawien und der Ukraine zum Tragen, die per Gesetzgebung für weniger als 50 % der Vogelarten einen solchen tiefgreifenden Schutzansatz anwenden. Kroatien, Estland, Ungarn, Polen und die Slowakei schützen über 80 % ihrer Vogelarten, auch solche die nicht akut bedroht sind, jedoch mit vergleichsweise oberflächlichen Maßnahmen. Obwohl es sich zunächst nur um eine Korrelation handelt, deutet der positive Zusammenhang zwischen Schutz und Bestandsentwicklung darauf hin, dass Artenschutz per Gesetz funktioniert. Insgesamt scheint es am effektivsten, viele Arten unter Schutz zu stellen und gleichzeitig besondere Maßnahmen zu ergreifen, um seltene oder bedrohte Arten zu erhalten.

Gesetzgebung konnte allgemeinen Negativtrend aber nicht aufhalten
Dass die Bestände geschützter Arten nach Beginn des Schutzes durchschnittlich nur noch halb so stark zurückgingen wie vorher, klingt zunächst gut. Aber wir haben auch gesehen, dass in den Jahren 1990-2000 die Vogelbestände unabhängig vom Schutzstatus im Mittel noch immer rückläufig waren, so der Ko-Autor der Studie, Dr. Matthias Schleuning, BiK-F. Ein dritter Statusbericht von BirdLife zum Zustand europäischer Vogelarten, in den auch im Auftrag der Europäischen Kommission zusammengestellte neue Daten einfließen, wird deshalb mit Spannung erwartet: Er wird zeigen, ob die in der vorliegenden Studie aufgezeigten Trends weiterhin gelten, und ob Europa sein Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt und den Rückgang der Ökosystemleistungen bis 2020 zu stoppen, erreichen kann. Die auf dem neuen Statusbericht basierende Rote Liste der Vögel Europas wird 2015 veröffentlicht.

Publikation:
Koleek, J et al.: Birds protected by national legislation show improved population trends in Eastern Europe. -Biological Conservation. DOI: /10.1016/j.biocon.2014.02.029

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Tel. + 49 (0)69 7542 1890
katrin.boehning-gaese@senckenberg.de

oder

Dr. Matthias Schleuning
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel. + 49 (0)69 7542 1892
matthias.schleuning@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Pressereferentin
Tel. +49 (0)69 7542 1838
Sabine.wendler@senckenberg.de

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LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiKF) seit 2008 im Rahmen der hessischen LandesOffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter www.bikf.de

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