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Hochschule Koblenz forscht zur Wohnungslosigkeit in Rheinland-Pfalz Finale Ergebnisse vorgestellt

25.06.2014 - (idw) Hochschule Koblenz - University of Applied Sciences

In Deutschland leben nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ca. 284.000 wohnungslose Menschen. Ein vom Forschungszentrum der Hochschule Koblenz gefördertes Projekt hat die aktuellen Lebenssituationen von Wohnungslosen in Rheinland-Pfalz untersucht. Nachdem erste Zwischenergebnisse bereits für großes Interesse gesorgt hatten, konnten die Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Robert Frietsch, Dirk Holbach M.A. sowie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Link vom Institut für Forschung und Weiterbildung (IFW) der Hochschule Koblenz nun die finalen Ergebnisse der umfangreichen Untersuchung im Rahmen der Landesdrogenkonferenz in Mainz vorstellen und diskutieren. Wie alt sind die Wohnungslosen? Über welche Schul- und Ausbildungsabschlüsse verfügen sie? Welche Probleme belasten sie? Wie gesund oder krank sind sie? Wie stark leiden sie unter Suchtverhalten sowie psychischen und psychiatrischen Auffälligkeiten? Mit diesen und vielen weiteren Fragestellungen beschäftigte sich diese Studie. In sehr ausführlichen persönlichen Gesprächen wurden 161 Wohnungslose bis Ende Mai 2014 befragt. Hinzu kamen Interviews mit 58 Expertinnen und Experten, die in sozialen Hilfeeinrichtungen und Jobcentern tätig sind. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, den Wohnungslosen rechtzeitig und nachhaltig bei ihren vielfältigen Problemlagen fachlich koordiniert helfen zu können, um letztlich zu erreichen, dass sie wieder sozial integriert werden, so Frietsch.

Die mit der Unterstützung der Wohnungslosen- und Suchtkrankenhilfe in Rheinland-Pfalz durchgeführte Befragung von Wohnungslosen in Rheinland-Pfalz bestätigt den bundesweit festgestellten Trend. Die Probleme mit der Wohnungslosigkeit haben sich verschärft: Immer mehr jüngere Menschen sind betroffen. Die Ergebnisse zeichnen vielschichtige Bilder der Lebensumstände von wohnungslosen Menschen, erklärt Dirk Holbach. Auch in Rheinland-Pfalz liegt das Durchschnittsalter inzwischen schon bei 35 Jahren, gar jeder Vierte ist jünger als 25 Jahre. Besorgnis erregend ist auch der kontinuierlich steigende Anteil der Frauen, der jetzt schon 25 Prozent beträgt, ergänzt Sabine Link.

Geeigneten Wohnraum zu finden ist hier nicht der erste Schritt auf dem Lösungsweg. Vielfältig und verwoben sind die Problemlagen, in denen die Wohnungslosen stecken: Alkoholsucht, langjährige Arbeitslosigkeit, niedriger Schulabschluss, Überschuldung, Tod enger Bezugspersonen, traumatisierende Gewalterfahrungen vor allem bei Frauen. Gerade bei den Jüngeren liegt häufig nur ein niedriger Schulabschluss vor. Dazu kommen oft Hafterfahrungen, auch wegen Bagatelldelikten wie zum Beispiel Schwarzfahren. Neuerdings stellen psychische Verhaltensauffälligkeiten und psychiatrische Störungsbilder weitere Problembereiche dar, die ohne fachlich-medizinische Unterstützung nicht mehr bewältigt werden können. Zusammenfassend muss daher von gravierend-komplexen Problemlagen gesprochen werden, die die Symptomatik Wohnungslosigkeit kennzeichnen.

Angesichts der vielschichtigen Problemlagen der Betroffenen ist es nötig, dass Fachleute der verschiedenen sozialen, medizinischen Bereiche und vor allem auch der Jobcenter kooperieren und sich gemeinsam um die Lösung der einzelnen Probleme kümmern, weiß Frietsch, nur so ist eine Rückkehr der Betroffenen in die Gesellschaft mit gesichertem Wohnraum möglich. Für diese Zusammenarbeit gelte es fachliche Standards zu entwickeln und verbindlich im Rahmen eines Modellprojekts umzusetzen.


Kontakt für Rückfragen zu den Ergebnissen des Forschungsprojekts:

frietsch@hs-koblenz.de
holbach@hs-koblenz.de Weitere Informationen:http://www.hs-koblenz.de/rmc/fachbereiche/sozialwissenschaften/forschung-projekt...
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