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Demografischer Wandel: Hochkarätige Experten erläutern ganzheitliche Strategien

26.06.2014 - (idw) Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

Im Licht der demografischen Entwicklung müssen wir uns fragen, wer zukünftig wen, wo und wie willkommen heißt, betonen Prof. Dr. Jens Cordes und Prof. Dr. Uwe Manschwetus. Die beiden Marketing-Experten an der Hochschule Harz hatten am 13. Juni 2014 zur Fachtagung Bausteine der Willkommenskultur: Personal, Unternehmen, Standort auf den Wernigeröder Campus eingeladen. Über 70 Vertreter von Kommunen, Unternehmen unterschiedlichster Branchen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen waren gekommen, um in Vorträgen, Impulsreferaten und Workshops insbesondere die Themen Personalmarketing und Arbeitgeberattraktivität zu ergründen.

Wenn es um Fachkräftemangel geht, muss sehr stark differenziert werden zwischen Stadt und Land, großen und kleinen Betrieben, einzelnen Branchen. Am schwersten trifft es Kleinunternehmen im ländlichen Raum, gerade diese tun sich jedoch oft schwer, Menschen mit Migrationshintergrund einzustellen, so die beiden Professoren. Bei den hochqualifizierten Berufen gäbe es besonders einen Mangel im MINT-Bereich; außerdem sei die Nachfrage im Pflege-Sektor groß. Im Rahmen der Fachtagung hat sich bestätigt, dass große Herausforderungen warten. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen langfristige, individuelle Strategien erarbeitet werden, das fehlt vielerorts noch. Firmen stehen vor einem Paradigmenwechsel, auf den sie nicht unbedingt vorbereitet sind: Es geht künftig nicht mehr um Personalauswahl sondern um Personalsuche und -anwerbung. Dafür benötigen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Kommunen und Unternehmen müssen an einem Strang ziehen und gleichermaßen attraktiv werden, so die Professoren, die sich über das positive Feedback der Teilnehmer freuten. Der Erfolg wurde durch eine wissenschaftliche Evaluation bestätigt. Eine vielfach gewünschte Fortsetzungsveranstaltung ist gut vorstellbar, so Cordes und Manschwetus.

Die Fachtagung konnte mit hochkarätigen Beiträgen aufwarten. Nach einem Grußwort von Heike Brehmer, MdB, die das Fachthema einst im Harzkreis forciert hatte, bevor die Hochschule Harz 2013 erstmals als Veranstalter fungierte, begrüßte Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann die Gäste und gab einen Einblick in die Facetten der Willkommenskultur an der Hochschule Harz und deren familiäre Atmosphäre. Im Anschluss sprach die ehemalige Landesministerin für Wissenschaft und Wirtschaft, Prof. Dr. Birgitta Wolff, über Rahmenbedingungen der Willkommenskultur - Glaubwürdige Institutionalisierung am Beispiel einer Wirtschaftsfakultät. Die Professorin für Internationales Management an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg betonte: Durch strukturelle Weichenstellungen können selbst auf den ersten Blick wenig einladende Standorte an Attraktivität gewinnen. Gerade dort, wo auch persönliche Verhaltensgewohnheiten in Frage gestellt werden, ist häufig Geduld erforderlich, aber: die Mühe lohnt sich.

Prof. Dr. Georg Felser, Hochschullehrer für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Harz, sprach im Anschluss über Personalmarketing für bisher vernachlässigte Zielgruppen - eine psychologische Herausforderung für die Zukunft. Er erläuterte, dass, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu behalten, Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv sein müssen. Heute stellen weibliche wie männliche Nachwuchskräfte deutlich höhere Ansprüche an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch andere Zielgruppen müssen verstärkt für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden, so etwa ausländische Fachkräfte oder ältere Arbeitnehmer. In diesem Rahmen muss sich Personalmarketing die Frage nach dem Umgang mit Beschwerdemanagement, kultureller Vielfalt und Geschlechtsidentität stellen, so der Experte.

Fortgesetzt wurde die Vortragsreihe von Andreas Schubert, Geschäftsführender Gesellschafter von Great Place to Work ® Deutschland, dem Marktführer bei der Gestaltung von Arbeitgeberattraktivität. Der Referent präsentierte die Ergebnisse seiner aktuellen Benchmarkstudie über Deutschlands Beste Arbeitgeber 2014. Dabei wurde deutlich, dass auch hier Schönheit von innen kommt. Am Arbeitsplatz müsse eine Vertrauenskultur geschaffen werden, aber um Personal zu finden und zu binden sollten Kommunen ebenso attraktiv sein.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmer in drei parallel stattfindenden Workshops Erfahrungen austauschen. Silko Pfeil von der HHL Leipzig Graduate School of Management betreute das Thema Profilierung von Employer Brands im regionalen Kontext - Eine lebensphasenspezifische Analyse der Arbeitgeberwahl. Bei Andrea Spring von der Volkswagen Financial Services AG erst kürzlich beim Arbeitgeberwettbewerb Great Place to Work erneut als Deutschlands bester Arbeitgeber ausgezeichnet - ging es um Attraktive Arbeitsplatzkulturen in Deutschland und mit Prof. Dr. Peter M. Wald, Experte für Personalmanagement an der HTWK Leipzig, konnten die Teilnehmer über das Thema Alles Social Media, oder was? diskutieren.

Teilnehmer Carsten Heitmann zeigte sich beeindruckt, dass Studierende die Veranstaltung im Rahmen des Fachs Event-Management organisiert hatten: Die Fachtagung kann sich mit den Angeboten professioneller Veranstalter messen lassen! Meine Erwartungen wurden weit übertroffen und ich freue mich sehr, an diesem Tag dabei gewesen zu sein, so der Mitarbeiter der Firma avanade, einem führenden Anbieter von Business-Technologie-Lösungen.


Einen Rückblick auf die erfolgreiche Tagung sowie mehr zu den hochkarätigen Referenten bietet der Webauftritt http://www.bausteine-der-willkommenskultur.de. Weitere Informationen:http://www.bausteine-der-willkommenskultur.de
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