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DFG fördert historische Theatertanzforschung mit rund 1,2 Millionen Euro

02.07.2014 - (idw) Universität Leipzig

Mit rund 1,2 Millionen Euro Drittmitteln im Gepäck wechselt Dr. Hanna Walsdorf in diesem Semester von der Universität Heidelberg an die Universität Leipzig. Die beachtliche Fördersumme stammt aus dem renommierten Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). In den kommenden fünf Jahren wird Walsdorf als Nachwuchsgruppenleiterin am Institut für Theaterwissenschaft arbeiten. Ihr Projekt "Ritualdesign für die Ballettbühne: Konstruktionen von Volkskultur im europäischen Theatertanz (1650-1760)" reihe sich hervorragend in das Forschungsspektrum des Instituts ein, sagt die Musik- und Tanzwissenschaftlerin. Insgesamt vier Nachwuchswissenschaftler erhalten in der neuen Emmy Noether-Forschergruppe die Möglichkeit, in einem "für das Projekt idealen Forschungsumfeld interdisziplinär vernetzt auf dem Gebiet der historischen Theatertanzforschung zu arbeiten", sagt die 32-Jährige. Zum ersten Mal überhaupt finanziert die DFG mit ihrem Emmy Noether-Programm ein tanzwissenschaftliches Forschungsprojekt.

"Wir werden aus theater-, tanz-, musik- und kostümwissenschaftlicher Perspektive untersuchen, wie sich Spuren von Volkskultur einerseits und konstruierte Rituale andererseits im höfisch geprägten europäischen Theatertanz des 17. und 18. Jahrhunderts manifestiert haben", erläutert Walsdorf. Über die Ballettbühnen Europas seien zwischen 1650 und 1760 etliche Figurentypen getanzt, die außerhalb der Grenzen jener höfisch geprägten Gesellschaftsschicht angesiedelt waren, die sie hervorbrachte - wie etwa historische und mythologische Charaktere oder Figuren, die Provinzen, Nationen und Erdteile oder auch die Künste und Berufsstände repräsentierten.

"Musik, Choreografie und Kostüme haben sich in dieser Zeit zu einem Theatertanzstil verbunden, der vom Austausch zwischen eigenen und fremden Kulturerscheinungen lebte", sagt die Wissenschaftlerin. Nicht nur in Konzeption und Aufführung, sondern gerade auch in der Gestaltung der Kostüme hätten sich so die sozialen und nationalen Grenzmarkierungen offenbart. Offenkundig sei auch sein Ritualbezug: "Bei der tänzerischen Darstellung des Anderen - seien es bäuerliche Feste, edle Wilde oder antike Zeremonien - wurden wie selbstverständlich Raum- und Bewegungsmuster bedient, die dem Publikum den rituellen Rahmen der abgebildeten Handlung verdeutlichten."

Auf einer breiten Materialbasis möchte Walsdorf mit ihrem Nachwuchsforscherteam, das sie derzeit aufbaut, vorgenannte Befunde anhand von Fallbeispielen aus Paris, London, Mailand und Stuttgart in vier Teilprojekten systematisch untersuchen und auswerten. Bis zu ihrem Wechsel an die Universität Leipzig war die junge Wissenschaftlerin vier Jahre lang bei Prof. Dr. Silke Leopold im musikwissenschaftlichen Teilprojekt des SFB 619 "Ritualdynamik" an der Universität Heidelberg tätig, aus dem die Idee für das Emmy-Noether-Projekt hervorgegangen ist. 2009 promovierte sie am Lehrstuhl für Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg bei Prof. Dr. Claudia Jeschke; 2011 wurden ihre Forschungsarbeiten mit dem Tanzwissenschaftspreis NRW ausgezeichnet.

Hintergrund Emmy Noether-Programm:

Ziel der fünfjährigen Förderung der DFG ist es, herausragenden Nachwuchswissenschaftlern mit einem exzellenten Forschungsprojekt die Möglichkeit zu geben, sich durch eigenverantwortliche Leitung einer Nachwuchsgruppe, verbunden mit qualifikationsspezifischen Lehraufgaben, auf direktem Wege für eine wissenschaftliche Leitungsaufgabe, insbesondere als Hochschullehrer, zu qualifizieren. Die Leitung beinhaltet auch, Mitarbeiter zur Promotion zu führen.


Weitere Informationen:

Dr. Hanna Walsdorf
Institut für Theaterwissenschaft
Telefon: +49 341 97-30400
E-Mail: hanna.walsdorf@uni-leipzig.de
Internet: http://www.uni-leipzig.de/~thea/
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