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Buntbarsche bestrafen «faule» Helfer

02.07.2014 - (idw) Universität Bern

Buntbarsche zahlen «Miete», um im Schutz einer Gruppe leben zu dürfen. Sie leisten Hilfe bei der Aufzucht von Jungen des dominanten Brutpaars oder bei der Revierverteidigung. Wenn sie ihren Aufgaben aber nicht nachkommen, droht ihnen eine Strafe oder gar der Rauswurf. Buntbarsche nehmen bei der Aufzucht ihrer Jungen die Hilfe von Bruthelfern in Anspruch. Dabei helfen untergeordnete Tiere einem dominanten Brutpaar. Dieses sogenannte kooperative Brüten ist im Tierreich weitverbreitet. Noch ist aber weitgehend unbekannt, warum einzelne Tiere ihre eigene Fortpflanzung aufgeben, um anderen bei der Aufzucht zu helfen.

«Da für die Evolution nur zählt, wieviele Gene in die nächste Generation weitergegeben werden, bedeutet dies einen grossen Nachteil für die helfenden Tiere. Deswegen muss es andere Vorteile für dieses Verhalten geben», sagt Stefan Fischer vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Fischer, der nun an der University of Cambdrige forscht, hat dieses Verhalten am Beispiel der Buntbarsch-Art «Prinzessin vom Tanganyikasee» (Neolamprologus pulcher) in einem Feldexperiment in Sambia, Afrika, untersucht. Dabei fanden er und sein Team heraus, dass Bruthelfer dafür bestraft werden, wenn sie ihre Hilfe nicht leisten. Die Ergebnisse wurden im Journal «Proceedings of the Royal Society B» publiziert.

Faulen Helfern droht der Rauswurf

Eine Hypothese besagt, dass untergeordnete Helfer in der Gruppe bleiben, da sie dadurch besser geschützt sind. Für diese Präsenz bezahlen sie dem dominanten Brutpaar eine «Miete» in Form von Brutpflege oder Hilfe bei der Verteidigung des Reviers. Diese Hypothese besagt weiter, dass dominante Tiere untergeordnete Individuen bestrafen können, wenn diese ihren Unterhalt nicht «bezahlen». Fischer und sein Team haben untersucht, ob «faule» Helfer von dominanten Tieren bestraft werden und wie sich die Gruppengrösse auf die Bestrafung auswirkt.

Die Forschenden hielten die Helfer von der Brutpflege ab, indem sie sie in einen Glaszylinder setzten, oder entfernten sie ganz von der Gruppe. Nach 24 Stunden gaben sie die Test-Helfer wieder frei und beobachteten, was danach in der Gruppe geschah, als die Tiere ihren Aufgaben wieder nachkommen konnten. Dabei versuchten die Helfer ihren «Ausfall» entweder mit besonders unterwürfigem Verhalten zu kompensieren, wenn sie in einer grossen Gruppe waren, oder mit vermehrter Helfertätigkeit, wenn sie einer kleinen Gruppe angehörten. Vor allem in kleinen Gruppen bestrafte daraufhin das dominante Brutpaar die Test-Helfer mit Bissen und Schwanzschlägen. Tiere, die ganz abwesend waren, wurden häufig sogar aus dem Territorium verjagt.

«Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass die Bestrafung eine wichtige Rolle spielt bei der Evolution von kooperativem Brutpflegeverhalten», sagt Fischer. Ob eine Strafe erfolgt, entscheidet die Gruppengrösse. «Dass die Kontrolle von Gruppenmitgliedern in grossen Gruppen schwierig, manchmal unmöglich ist, haben auch schon Experimente mit Menschen gezeigt», sagt Fischer. Dies wiederum zeige laut den Forschenden, dass es sich um ein evolutionär tief verwurzeltes und somit weitverbreitetes Phänomen handelt. Weitere Informationen:http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2014/bu...
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