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Abschluss der Nobelpreisträgertagung

04.07.2014 - (idw) Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau e.V.

Auf der Bodenseeinsel Mainau endete heute die 64. Nobelpreisträgertagung mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Wissenschaft zum Wohle der Menschheit. 37 Laureaten und über 600 ausgewählte Nachwuchswissenschaftler aus rund 80 Ländern hatten seit vergangenem Sonntag an der einwöchigen Tagung im bayerischen Lindau teilgenommen. Eine Schiffsfahrt zur Mainau auf Einladung des Landes Baden-Württemberg bildete den Abschluss des Programms, das dieses Jahr der Medizin und Physiologie gewidmet war. Alfred Nobel hatte 1895 in seinem Testament verfügt, dass die Nobelpreise an jene Wissenschaftler vergeben werden sollen, deren Errungenschaften der Menschheit den größten Nutzen bringen. Die Lindauer Tagung verdeutlichte, dass zahlreiche medizinische Erfolge bei der Prävention und Therapie von Krankheiten auf Nobelpreis-prämierte Forschung zurückzuführen sind. Insbesondere die Abschlussdiskussion zeigte jedoch auch, dass Wissenschaftler heute steigenden Erwartungen der Gesellschaft ausgesetzt sind. Ungeachtet der langwierigen Prozesse der Grundlagenforschung und der Vielzahl an Hindernissen bei der weltweiten Umsetzung der angewandten Wissenschaft waren insbesondere die Vertreter der jungen Generation zuversichtlich, dass die Spitzenforschung auch weiterhin Lösungen für die Probleme unserer Zeit findet.

Ein Problem der Vermittlung sei, dass der Nutzen von Forschungsergebnissen nicht stets unmittelbar zu erkennen sei. Entsprechend äußerte sich der deutsche Biophysiker Erwin Neher: Für die medizinische Anwendung schienen die Forschungsergebnisse, für die Bert Sakmann und ich 1991 den Nobelpreis erhielten, zunächst nicht besonders relevant. Inzwischen aber ist klar, dass viele Erbkrankheiten auf Mutationen in den von uns untersuchten Ionenkanälen in Zellmembranen beruhen. Eine Vielzahl von Medikamenten setzen dort an, um beispielsweise Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Mukoviszidose und sogar die Symptome von Alzheimer zu therapieren.

Dass Grundlagenforschung die unerlässliche Basis für angewandte Wissenschaft bilde und daher gleichermaßen wie translationale Forschung gefördert werden müsse, wurde im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema Forschung zum Wohl der Menschheit mehrfach betont. Die Französin Françoise Barré-Sinoussi, die 2008 für die Entdeckung des HI-Virus den Medizin-Nobelpreis erhielt, und der in Australien lebende US-Amerikaner Brian Schmidt, der 2011 für die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, gehörten ebenso zu den Podiumsgästen wie Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Mit ihnen diskutierte außerdem der gebürtige Tansanier Charles Mgone, Direktor der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP), der Organisation zur Koordinierung der Partnerschaftsinitiative Europas und der Entwicklungsländer zur Durchführung klinischer Versuche. Einig waren sich alle darin, dass die Aufgabe Weltgesundheit angesichts struktureller Unterschiede zwischen den Industrienationen und den entwickelnden Ländern eine Vielzahl an innovativen passgenauen Ansätzen und Maßnahmen seitens der Wissenschaft, der Industrie und Politik erfordere.

Françoise Barré-Sinoussi warnte vor einer zu starken Fokussierung auf die angewandte Forschung: Wir müssen auch weiterhin die Grundlagenforschung unterstützen, sonst gibt es bald keine Basis mehr für die angewandte Forschung. Brian Schmidt sprach sich deutlich dafür aus, dass Wissenschaftler auch die Freiheit haben müssten, einen Forschungsgegenstand zu wählen, dessen Nutzen nicht auf der Hand liege. Moderiert wurde die Diskussion von Geoffrey Carr, Wissenschaftsredakteur der britischen Wochenzeitschrift The Economist.

Mit der Ägypterin Ghada Bassioni, die 2012 als Postdoktorandin an der Nobelpreisträgertagung teilgenommen hat und heute die Abteilung für Chemie der Ingenieurswissenschaftlichen Fakultät an der Ain Shams Universität in Kairo leitet, kam auch eine Vertreterin der jungen Generation als Podiumsgast zu Wort. Ihr Appell, deutlich mehr in junge Forscherinnen und Forscher zu investieren und in deren Potential bei der Suche nach Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu vertrauen, fand unter den im Publikum versammelten Tagungsteilnehmern und Gästen einhelligen Beifall und großen Zuspruch. Vielversprechende Nachwuchswissenschaftler zu inspirieren, motivieren und miteinander zu vernetzen, ist das Kernanliegen der Lindauer Nobelpreisträgertagungen, sagte Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg, Präsidentin des Kuratoriums. In ihrer Abschlussrede hob sie hervor, dass der generationenübergreifende und interkulturelle Dialog ein Schlüssel zum globalen Wissenstransfer zum Wohl aller Menschen sei.

Der Abschlusstag der Lindauer Tagung findet traditionell auf der Insel Mainau statt. Im Namen der baden-württembergischen Landesregierung hatten Staatssekretär Klaus-Peter Murawski und die Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Simone Schwanitz die Tagungsteilnehmer am Morgen auf dem Bodenseeschiff MS Sonnenkönigin zur Fahrt von Lindau zur Insel Mainau begrüßt. Die Lindauer Nobelpreisträgertagung am Bodensee bietet ein bedeutendes Forum für den internationalen Dialog etablierter Forscher und junger Nachwuchswissenschaftler, hatte der Chef der Staatskanzlei betont.

Die 1951 gegründeten Lindauer Nobelpreisträgertagungen bringen jedes Jahr Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler zum Austausch zusammen. Organisiert wird die Tagung vom Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen. Weitere Informationen:http://www.flickr.com/photos/nobellaureatemeeting/ - Fotoshttp://www.mediatheque.lindau-nobel.org/ - Videos & Hintergrundinformationen mutimedialhttp://www.lindau-nobel.org - Pressematerial ("Communications")http://www.blog.lindau-nobel.org - Blog

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