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Herzforscher Prof. Ernst-Georg Krause wird 80

07.07.2014 - (idw) Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Der Herzforscher Prof. Ernst-Georg Krause vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch wird am 10. Juli dieses Jahres 80 Jahre alt. Schwerpunkt seiner Forschungen waren die biochemischen und physikalischen Vorgänge, die das Herz regulieren. Er hat dazu in Zusammenarbeit mit Forschern aus Großbritannien und Australien grundlegende Erkenntnisse gewonnen, die für die Behandlung von Herzpatienten mit Beta-Blockern von großer Bedeutung sind. Darüber hinaus entwickelte der Biochemiker zusammen mit Forschern am damaligen Akademieinstitut für Herz-Kreislaufforschung in Berlin-Buch einen Bluttest zur Früherkennung des Herzinfarkts. Prof. Walter Rosenthal, Vorsitzender des Stiftungsvorstands und wissenschaftlicher Vorstand des MDC, würdigte die wissenschaftlichen Arbeiten des Herzforschers und sagte: Seine Arbeiten aus der Grundlagenforschung waren auch für die klinische Forschung von Bedeutung. Insbesondere die Zusammenarbeit mit klinischen Partnern war ihm wichtig. So hatte Prof. Krause im Jahr 2000 zusammen mit Dr. Peter Molenaar (Universität Melbourne, Australien) und Dr. Alberto Kaumann (Universität Cambridge, Großbritannien) eine wichtige Teilsequenz einer Signalkette aufgeklärt, die die Leistung des menschlichen Herzens bei erhöhter körperlicher Belastung oder bei unzureichender Blutversorgung sicherstellt.

Ein gesundes Herz passt sich unterschiedlichen Belastungen an und kann, so erforderlich, seine Leistung steigern. Gesteuert wird diese Leistungssteigerung von zwei Stresshormonen, dem Adrenalin und dem Noradrenalin. Das Herz besitzt für diese beiden Hormone zwei Empfangsstationen, die Beta-1- und Beta-2 Adrenorezeptoren, die sich in der Muskulatur der Herzkammern und den Vorhöfen des Herzens befinden.

Prof. Krause konnte mit seinen australischen und britischen Kollegen im Jahr 2000 in Gewebeproben von Kindern mit angeborener Fehlbildung des Herzens (Fallot-Trilogie) und in Herzgewebe von Patienten, die eine Organtransplantation erhalten hatten, nachweisen, dass beide Adrenorezeptoren (Beta 1 und 2) sowohl in den Herzkammermuskeln als auch in den Vorhöfen über spezifische Signalmoleküle zu Proteinmodifikationen führen. Dreh- und Angelpunkte dabei sind das sogenannte zyklische Adenosinmonophosphat (cAMP), durch cAMP-aktivierbare Enzyme (Proteinkinase A) sowie regulatorische Proteine in Membransystemen, die für die Kontraktions- und Erschlaffungsvorgänge während eines Herzschlags wichtig sind. Einige Jahre zuvor war es Prof. Krause zusammen mit dem Herz-Kreislaufforscher Dr. Georg Rabitzsch aus Berlin Buch gelungen, einen Bluttest zur Früherkennung des Herzinfarkts zu entwickeln.

Ernst-Georg Krause wurde am 10. Juli in Oschatz/Sachsen geboren. Von 1952-1954 studierte er an der Universität Leipzig und danach bis 1958 an der Humboldt-Universität zu Berlin Biochemie. Als Diplom-Biologe ging er 1958 an die Arbeitsstelle für Kreislaufforschung, Arbeitsgruppe für Biochemie, der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR nach Berlin-Buch. Nach Promotion (1963) und Habilitation (1968) erhielt er eine Professur für Biochemie an der Akademie der Wissenschaften der DDR (1979).

Lehrer von Ernst-Georg Krause waren der Arzt und Biochemiker Prof. Samuel Mitja Rapoport und der Pharmakologe Albert Wollenberger, die beide nach dem Krieg aus dem Exil in den USA nach Berlin gegangen waren. Weitere Impulse für seine wissenschaftliche Entwicklung erhielt er vor dem Bau der Mauer durch Forschungsaufenthalte bei Prof. Theodor Bücher (Marburg, 1959) und bei Prof. Albrecht Fleckenstein (Freiburg, 1959), dem Entdecker der Kalzium-Antagonisten. Darüber hinaus war er 1962 im Labor des Biochemikers Prof. Brunó Ferenc Straub in Budapest, Ungarn, dem Entdecker des Strukturproteins Aktin.

In den Umbruchzeiten der Wende war Prof. Krause erster Sprecher des Wissenschaftlichen Rats und stellvertretender Direktor des Instituts für Herz-Kreislaufforschung. Als 1992 aus den insgesamt drei Akademieinstituten in Berlin-Buch das MDC gegründet wurde, erhielt er eine C4-Professur und wurde Forschungsgruppenleiter am MDC. Die Expertise seiner Forschungsgruppe führte unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer zur Zusammenarbeit mit Herzforschern und Medizinern in Berlin (West), Hamburg, Köln und Münster, sowie mit dem National Institute on Aging in Baltimore, USA und den Universitäten in Cambridge, Großbritannien und Melbourne, Australien. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2000 blieb Prof. Krause dem MDC weiter mit seiner Expertise verbunden.

Prof. Krause hat mehr als 170 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, sowie 60 Monographien und Lehrbuchbeiträge und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So konnte er noch zu Zeiten der DDR 1981 mit einer Förderung des Welcome Trusts an der Universitäten von Bristol bei Dr. Paul England in Großbritannien arbeiten. 1984 erhielt Ernst-Georg Krause die Robert-Koch-Medaille der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1990 den Preis der Fritz-Acker-Stiftung der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung. 1988 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale (heute Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften) gewählt und 2002 zum Fellow der International Academy of Cardiovascular Sciences (FIACS), der Medizinischen Fakultät der Universität Manitoba, in Winnipeg, Kanada. Darüber hinaus war er seit 1990 Mitglied der Gesellschaft für Biologische Chemie e. V. der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung (1990) und der International Society for Heart Research (1978).

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat sich Prof. Krause zusammen mit MDC-Gründungsdirektor Prof. Detlev Ganten auch sehr für Kunst und Wissenschaft engagiert und war maßgeblich am Aufbau eines Skulpturenparks auf dem Forschungscampus in Berlin-Buch mit Arbeiten national und international renommierter Künstlerinnen und Künstler beteiligt.


Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
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