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Sicher an der Ampel: Das Lern-T-Shirt hilft kleinen Fußgängern

08.07.2014 - (idw) HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Designerin Andrea Zimmermann macht sich mit Unterstützung von HAWK plus Gründung mit Kleinstein selbständig Finley ist vier und er liebt Ampeln. Deshalb hat ihm seine Mutter Sandra Brauers das Ampel-T-Shirt von Andrea Zimmermann geschenkt. Finley flitzt darin täglich mit seinem Bobbycar durchs Haus und spielt Ampel. Klar kennt der Vierjährige jetzt die Ampelfarben und das, was sie bedeuten.

Andrea Zimmermann hat Gestaltung an der HAWK studiert. Mit Unterstützung der Gründungsinitiative von HAWK plus hat sie sich jetzt selbstständig gemacht und das Unternehmen Kleinstein gegründet. Ihre Idee sind Lern-T-Shirts und Charakter-T-Shirts für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Vom Gründercampus Niedersachsen bekommt sie 18.000 Euro Startkapital.

T-Shirts von Kleinstein sind nicht nur bedruckter Stoff. Sie sind kommunikativ. Sie animieren Kinder über das, was auf dem T-Shirt zu sehen ist, nachzudenken und sich mit anderen auszutauschen. Lennart, Finleys Bruder, ist fünf Jahre als und hat das Mutig-T-Shirt. Sandra Brauers erzählt: Er läuft als Superheld durch die Gegend und wird im Kindergarten inzwischen eher auf seinen Namen als auf das Motiv angesprochen. Dann kämen die Größeren an und sagten, hey, da steht ja dein Namen auf dem T-Shirt weil sie eben schon lesen können

Spielerisch lernen, das ist die Idee von Kleinstein. Die T-Shirts können allerdings auch therapeutische Prozesse unterstützen. Ergotherapeutin Nora Garbrecht aus Hildesheim setzt die T-Shirts in ihrer Praxis ein. Sie benutzt zur Zeit vorwiegend das Richtungs-T-Shirt, mit oben, unten, links, rechts, außen, innen, vorne und hinten. Denn viele Kinder hätten Schwierigkeiten, die Richtungen überhaupt zu erlernen.

Durch das T-Shirt habe ich jetzt die Erfahrung gemacht, dass sie das doch relativ schnell begreifen, weil sie eine Unterstützung im Alltag haben. Ich habe es in aller Regel erst einmal selber an, weil dadurch die Kinder einen Anreiz haben zu fragen, was auf dem T-Shirt drauf ist. Dann sind sie natürlich auch stolz, wenn sie selber so ein T-Shirt tragen können. Es hat sich sehr bewährt, wenn Kinder eine Unterstützung haben, an der sie sich orientieren können.

Nora Garbrecht hofft, dass die Kinder dadurch eine Möglichkeit haben, verschiedene Dinge noch einmal anders zu begreifen, nicht nur durch erzählen und erklären lernen, sondern einfach auch durch physische Wahrnehmung auf dem eigenen T-Shirt.

Die Lern-T-Shirts beantworten alltägliche Fragen von Kindern spielerisch, kindgerecht und anfassbar. Anhand von Beobachtungen und aktiver Entdeckung des Motivs lernt das Kind, die abgebildeten Zusammenhänge zu verstehen. Es entsteht zudem ein Austausch mit anderen Kindern über das Thema auf dem T-Shirt, beschreibt die Jungunternehmerin Zimmermann ihr Konzept.

Mit der Charakter-Kollektion bietet Kleinstein zudem personalisierte T-Shirts mit wählbaren Motiven wie zum Beispiel kleine Monster, die eine Charaktereigenschaft, wie Mut, Kreativität oder Neugier darstellen. So kann zum Beispiel ein Mut-T-Shirt über so manche Hürde helfen. Zudem steht der eigene Name drauf, was zwei- bis sechsjährige Kindergartenkinder natürlich auch sehr stolz vorlesen. Durch viele Kombinationsmöglichkeiten und den wählbaren Begriff entsteht schließlich ein einmaliges T-Shirt.

Für ihre T-Shirts verwendet Andrea Zimmermann nur Materialien mit ökologischen und sozialen Siegeln. Die Motive trägt sie per Flockdruck auf. Schon früh hatte sie das Bedürfnis, etwas zu gestalten. Ihre Fachhochschulreife hat sie an der Hildesheimer Walter-Gropius-Schule gemacht, danach eine Ausbildung zur Mediengestalterin, anschließend einige Jahre gearbeitet und dann das Design-Studium gewagt. An der HAWK-Fakultät Gestaltung hat sie sich in den Bereichen Grafik-Design und Advertising-Design spezialisiert und den fachübergreifenden Master angeschlossen. Zudem hat sie Kurse bei HAWK plus belegt und sich dabei mit dem Thema Gründung beschäftigt. Weitere Kurse festigten bei ihr den Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen und auch die Geschäftsidee schärfte sich so langsam.

Die Suche nach einem Geschenk für ihren Neffen hatte bei Andrea Zimmermann den Ausschlag gegeben. Sie wollte ihm ein ganz besonderes T-Shirt schenken. Und obwohl die Auswahl im Internet immens war, wollte ihr als Designerin so gar kein Modell gefallen. Schließlich entwarf sie ein eigenes, das in der Familie und im Freundeskreis super gut ankam. Die Idee war geboren, sie wollte außergewöhnliche T-Shirts entwerfen, herstellen und verkaufen.

Doch damit gab sich HAWK-Gründercoach Dr. Stephanie Rabbe noch nicht zufrieden. T-Shirts von billig bis teuer, gibt es wie Sand am Meer. Es müsse ein Mehrwert für die Käufer/innen her, sonst könne sich das Unternehmen bei der riesigen Konkurrenz vermutlich nicht durchsetzen, war sie sich sicher. Andrea Zimmermann dachte und entwickelte weiter, bis das Konzept der Lern-T-Shirts stand und sowohl bei Stephanie Rabbe als auch beim Gründercampus Niedersachsen durchkam. Das Startkapital war gesichert.

Sehr erfolgreich begleitet HAWK plus Gründung Studierende bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee, coacht sie, ermutigt sie, holt sie aber durchaus auch schon mal aus einer Einbahnstraße heraus. Die unterschiedlichsten Kurse zum Thema, aber auch Erfahrungsberichte von erfolgreichen Unternehmern oder Unternehmerinnen gehören zum Programm. So hat sich parallel zu Andrea Zimmermann zum Beispiel Daniel Busche, ein Produktgestalter, mit einem neuartigen Kaffeebereiter auf den Weg in die Selbständigkeit gemacht. Die beiden Architekturstudenten Joscha Rademacher und Paul Welzel sind mit ihrer Idee des Umbaus von Seefrachtcontainern zu fünf Sterne-Wohneinheiten an den Start gegangen. Das Gestalterinnen-Trio Julia Hauck, Laura Armbrust und Stephanie Bitter gründete ein eigenes Designstudio und ein Team aus den beiden Ingenieuren Philipp Möller und Felix Bauer will eine Vertriebsgesellschaft für ein Patent aus dem Hydraulikbereich aufbauen.

Eine Erfahrung jedenfalls machen sie alle: Man braucht Durchhaltevermögen, gute Nerven und eine große Portion Optimismus. Deshalb empfiehlt Andrea Zimmermann denjenigen, die auch eine eigene Geschäftsidee vorantreiben: Nicht aufgeben, an die eigene Idee zu glauben, egal, was andere Leute dazu sagen. Und sich auch der Tatsache bewusst zu sein, dass es sehr viel Arbeit ist. Andrea Zimmermann arbeitet gefühlt rund um die Uhr. An der HAWK hat sie zudem zunächst noch Lehraufträge übernommen. Aber sie bleibt dran. Der Traum ihres eigenen Unternehmens hat gerade erst angefangen.


Video-Clip zum Thema auf HAWK TV Weitere Informationen:http://www.hawk-hhg.dehttp://www.hawk-hhg.de/pressestelle/155219_203014.phphttp://www.kleinstein-shop.de
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