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Neue Ambulanz bietet in seelische Not geratenen Gewaltopfern zeitnah Hilfe an

11.07.2014 - (idw) Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Mit der offiziellen Eröffnung der Trauma-Ambulanz Seelische Gesundheit des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden durch Andrea Fischer, Staatssekretärin im sächsischen Ministerium für Verbraucherschutz und Soziales, verbessert sich im Großraum Dresden die Akutversorgung von in seelische Not geratenen Gewaltopfern deutlich. Im Ärztehaus Lukasstraße steht den traumatisierten Kindern und Erwachsenen ab sofort ein aus vier Therapeuten bestehendes Team zur Seite, dem Mitarbeiterinnen der Kliniken für Psychotherapie und Psychosomatik sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie angehören. Die neue interdisziplinäre Ambulanz sorgt dafür, dass Betroffene die im Opferentschädigungsgesetz geregelte Möglichkeit einer schnellen Akutversorgung auch bei seelischen Nöten schnell und unkompliziert in Anspruch nehmen können. Der Freistaat finanziert diese Leistungen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Opfer zeitnah Hilfe durch einen speziell ausgebildeten Trauma-Therapeuten bekommen können.

Durch diese Ambulanz vereinfacht sich der Zugang zu schneller Hilfe für die Betroffenen deutlich. Zusätzlich fördert das Sozialministerium ein Projekt, das den Aufbau derartiger Trauma-Ambulanzen in ganz Sachsen begleitet. Mit der neuen Ambulanz fällt der Startschuss für derartige Angebote in weiteren Städten Sachsens. In der Dresdner Trauma-Ambulanz kann neben der Akutversorgung auch chronisch Traumatisierten eine spezialisierte, multiprofessionell angelegte ambulante Traumatherapie angeboten werden. Das Angebot richtet sich dabei an alle von extrem belastenden Erlebnissen Betroffene, die unter den seelischen Folgen des Geschehenen leiden.

Wer Gewalt am eigenen Leib erfährt, ist oft für Wochen, Monate oder sogar sein ganzes Leben davon beeinflusst: Betroffene leiden beispielsweise unter extremer Reizbarkeit, Alpträumen oder immer wiederkehrenden Bildern der Gewaltsituation. Diese seelisch bedingten Symptome können den Alltag stark beeinträchtigen und sich zu einer chronischen Erkrankung wie der Posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln. Um diese Folgen von Gewalttaten möglichst zu verhindern, ist eine frühe Intervention durch einen speziell ausgebildeten Psychotherapeuten wichtig. Auch deshalb hat der Gesetzgeber das Recht auf eine psychotherapeutische Akutversorgung über das Opferentschädigungsgesetz festgeschrieben. Doch diese Möglichkeit wurde bisher in Sachsen kaum in Anspruch genommen. Denn viele Opfer von Straftaten wussten nicht genug über eine solche Option. Außerdem war es sehr aufwendig, einen entsprechenden Antrag zur Übernahme der Kosten zu stellen.

Mit dem Start der neuen Trauma-Ambulanz am Dresdner Uniklinikum ändert sich diese Situation grundlegend. Opfer von Gewalttaten können nun unbürokratisch zumindest fünf erste Sitzungen in einer Trauma-Ambulanz in Anspruch nehmen. Reicht dies nicht aus, können weitere zehn Sitzungen Kurzzeittherapie in Anspruch genommen werden. Die Kosten übernimmt die Versorgungsverwaltung des Freistaats. Dazu sind im sächsischen Landeshaushalt extra Gelder bereitgestellt worden. Die Trauma-Ambulanz Seelische Gesundheit am Universitätsklinikum ist dabei die erste Einrichtung, die Menschen in Sachsen nach dieser Konstellation versorgen kann. Es werden in den kommenden Monaten weitere Anlaufpunkte in mehreren sächsischen Städten folgen.

Wenn die Seele weint, sieht man keine Tränen. Scham und Schuldgefühle bestimmen das Handeln. Dass Hilfe so schnell und unkompliziert wie möglich erfolgt, ist besonders wichtig für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch. Umso wichtiger sind Einrichtungen wie unsere Trauma-Ambulanzen. Die schnelle und unbürokratische Versorgung von Gewaltopfern steht für uns im Mittelpunkt erklärte Gesundheitsministerin Christine Clauß.

Dieses neue Angebot einer fachübergreifenden Versorgung von traumatisierten Menschen ist ein weiteres gutes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Dresdner Hochschulmedizin: Im konstruktiven Zusammenspiel mit dem Sozialministerium entstand eine zukunftsweisende Institution, mit der Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Dabei ist es für alle Beteiligten selbstverständlich, Wissen und Know-how zu teilen. Erst dadurch ist es möglich, Opfern von Gewalttaten unabhängig von ihrem Wohnort schnell und unbürokratisch eine Trauma-Therapie anzubieten, sagt Wilfried Winzer, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums.

Die erweiterten Kapazitäten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung von Gewaltopfern ergänzen aus Sicht der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik die in den vergangenen Jahren etablierten Strukturen in den Kommunen und im Freistaat. Jeweils gefördert vom sächsischen Sozialministerium waren das Uniklinikum und unsere Klinik maßgeblich an den Projekten Hinsehen-Erkennen-Handeln und Psychisch gesund für zwei beteiligt. In diesen Initiativen ging es um die Früherkennung von häuslicher Gewalt und Kindeswohlgefährdung durch medizinische Fachkräfte beziehungsweise um die Früherkennung von psychosomatischen Schwangerschaftsrisiken und früher Mutter-Kind-Beziehungsstörungen auch bei traumatisierten Frauen. Diese Initiativen haben zweifellos dazu beigetragen, die Relevanz einer frühzeitigen und qualifizierten psychotherapeutischen Versorgung von Traumatisierten stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Allen an diesen Initiativen Beteiligten ist jedoch klar, dass nur konkret verfügbare therapeutische Angebote die Situation der Betroffenen verbessern können. Die heute eröffnete Ambulanz ist deshalb ein Meilenstein in der Versorgung seelisch traumatisierter Menschen, sagt Prof. Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Dresden

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den 420 Außenstellen des Weissen Rings werden häufig mit den psychischen Belastungen von Gewaltopfern konfrontiert. Diese behindern die Verarbeitung der Tat, Arbeitsunfähigkeit und Vereinsamung können die Folgen sein. Nach unseren Erfahrungen sind Trauma-Ambulanzen ein ganz entscheidendes Element, um dem berechtigen Wunsch von Gewaltopfern, nicht en Leben lang Opfer zu sein, zu entsprechen", sagt Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des Weissen Ring e.V..

Kinder und Jugendliche befinden sich noch im Reifungsprozess des Gehirns. Dies macht sie sehr verletzlich für traumatische Erfahrungen. Die Symptomatik einer Traumafolgestörung ist bei ihnen sehr viel unspezifischer als bei Erwachsenen, stellt aber eine massive Beeinträchtigung des weiteren Entwicklungsverlaufes des Kindes dar. Andererseits gibt es viele Faktoren, die ein Kind stärken können, schwerwiegende Erfahrungen gut zu verarbeiten. Deshalb ist es bei jungen Menschen so wichtig, zeitnah niedrigschwellige Hilfe anzubieten. Dass mit der neuen Trauma-Ambulanz dafür eine neue Struktur geschaffen werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle Betroffenen. Für uns war es von Anfang an selbstverständlich, dass wir uns an dieser Ambulanz beteiligen werden, sagt Prof. Veit Rößner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

In der Dresdner Ambulanz arbeiten in der Startphase vier psychotherapeutisch tätige Mitarbeiter und eine Schwester in einem fachübergreifenden Team zusammen. Im Erdgeschoss des Ärztehauses Lukasstraße wurden dazu vier neue Behandlungs- und ein Studienzimmer eingerichtet. Geleitet wird die Ambulanz von Dr. Julia Schellong. Die Ärztin und Psychotherapeutin hat sich auf die Behandlung von Menschen mit seelischen Traumata spezialisiert und genießt bundesweit einen hervorragenden Ruf. So ist sie unter anderem stellvertretende Vorsitzende der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Zudem initiierte Dr. Schellong das Traumanetz Sachsen, das Betroffenen eine webbasierte Informationsplattform zu traumtherapeutischen und beraterischen Angeboten bereitstellt.


Die neuen Räumlichkeiten der Trauma-Ambulanz machen de
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