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Frankfurter Pilotstudie: Psychologen nehmen Albträumen den Schrecken

22.07.2014 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT. Albträume bringen schätzungsweise fünf Prozent der Menschen regelmäßig um ihre Nachtruhe. Wie kann man belastenden, häufig wiederkehrenden Träumen, die nicht selten den Tag danach negativ beeinflussen, eine neue positive Richtung geben? Psychologen der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität vergleichen jetzt in einer Studie zwei Behandlungsansätze. Für die Studie werden weitere Betroffene gesucht. Bislang beteiligen sich 50 Patienten, 90 streben die Wissenschaftler an. Ergebnisse einer Pilotstudie stimmen die Frankfurter Psychologen optimistisch, dass die angewandte Methode Erfolg zeigt: Der Traum wird imaginativ umgeschrieben, sein Inhalt verändert und das umgewandelte Bild aufgeschrieben, erläutert die Studienkoordinatorin Carolin Schmid kurz den Therapie-Ansatz. Wie man das Traum-Drehbuch umschreibt, zeigen die Psychologen ihren Patienten in nur einer von vier Sitzungen, die anderen dienen der Diagnostik und Überprüfung des Therapieerfolgs. Zusätzlich erhalten die Studienteilnehmer ein Programm mit Übungen für Zuhause. Dazu Schmid: Sie imaginieren die zweite Geschichte, bis ihr Gehirn den neuen Traumpfad automatisch geht. So stellte sich eine Frau, die in ihrem Albtraum immer wieder ins Wasser fiel und nicht schwimmen konnte, im Rahmen der Frankfurter Pilotstudie zur Imagery Rehearsal Therapy (IRT) vor, wie ein Fisch zu schwimmen. Sie genoss es, zu tauchen und schwerelos zu sein. Die beängstigenden Gefühle verschwanden.

Für die Studie werden Teilnehmer gesucht, die unter chronischen Albträumen leiden. Albträume gelten als chronisch, wenn sie innerhalb von sechs Monaten mindestens einmal pro Woche wiederkehren. Im Laufe der Zeit beeinträchtigen sie den Alltag: Der gestörte Schlaf macht unkonzentriert, Depressionen können auftreten, Ängste auch tagsüber das Leben belasten. Auslöser können zum Beispiel starker Stress, psychische Krankheiten oder traumatische Erlebnissen sein. Warum einige Menschen mit Albträume zu kämpfen haben und andere nicht, ist wenig erforscht. Die Psychologen vermuten, dass Menschen, die häufig von Albträumen heimgesucht werden, Unangenehmes verdrängen: Je mehr ich etwas unterdrücke, desto eher kommt es hoch, so Schmid.
Angst ist charakteristisch für einen Albtraum. Oft träumen die Betroffenen, ihr Leben sei bedroht, sie würden verfolgt oder aus größer Höhe in die Tiefe stürzen. Furcht, zur Zielscheibe von Spott zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren, einem Gefühl oder einer Situation ausgeliefert zu sein, lässt Menschen ebenfalls schlecht träumen. Sie schrecken auf und spüren die körperlichen Folgen: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, beschreibt Schmid die Symptome. Ein anderes Kriterium für einen Albtraum ist die lebhafte Erinnerung an den Inhalt. Daran knüpft die Ende der 1980er Jahre ursprünglich zur Behandlung von Albträumen im Rahmen von Posttraumatischen Belastungsstörungen entwickelte Imagery Rehearsal Therapy (IRT) an.

In ihrer Studie konfrontieren die Frankfurter Psychologen eine Vergleichsgruppe mit ihren belastenden Träumen. Die Patienten halten sie detailliert in einem Traum-Tagebuch fest und setzen sich solange damit auseinander, bis der Gedanke daran keine Angst mehr auslöst und ein Gewöhnungseffekt eintritt. Konfrontation hat eine lange Tradition in der Verhaltenstherapie und wird erfolgreich zur Behandlung verschiedenster Angststörungen eingesetzt. In allen Bedingungen wurden die Albträume weniger, Depression und Angst ebenfalls, die Belastungen insgesamt haben sich reduziert, bilanzieren die Wissenschaftler. Von der Behandlungsstudie erhoffen sie sich weitere Aufschlüsse darüber, welcher Weg den Menschen wirkungsvoller hilft, und wie das geschieht.


Informationen: Für diese Studie werden noch Teilnehmer gesucht. Interessenten können sich unter alptraumstudiefrankfurt@gmail.com oder unter (069) 798-25107 (Anrufbeantworter) melden.

Dr. Dipl. Psych. Regina Steil, Verhaltenstherapieambulanz der Goethe-Universität, Institut für Psychologie, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie; Tel. (069) 798-23379, steil@psych.uni-frankfurt.de
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