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Der Cyborg Lech

27.07.2014 - (idw) Universität Augsburg

Die Biographie des einst wildesten bayerischen Alpenflusses, der im Laufe der Geschichte auf seinem Weg zur Donau zum "gefahrenen" Kraftwerk mutierte / Buchpräsentation "Der gezähmte Lech. Ein Fluss der Extreme" am 31. Juli 2014 in der Neuen Stadtbücherei Augsburg Augsburg/VV/KPP - Flüsse prägen Heimatgefühl und Heimatwahrnehmung in ganz besonderem Maße. Wie steht es damit beim Lech? In seinem Tiroler Oberlauf ungebändigter Wildfluss wie eh und je, durchquert er Bayern heute bis zu seiner Mündung in die Donau als eine Kette von 24 Stauseen. Unter dem Titel "Der gezähmte Lech" ist jetzt eine Art Biographie dieses "Flusses der Extreme" erschienen. Prof. Dr. Marita Krauss, Inhaberin des Augsburger Lehrstuhls für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte und gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Dr. Stefan Lindl sowie mit Dr. Jens Soentgen (Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg) Herausgeberin, wird den reich bebilderten Sammelband am 31. Juli 2014 in der Neuen Stadtbücherei Augsburg vorstellen. Die Präsentation beginnt um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Der Lech ist heute ein Cyborg, ein Mischwesen zwischen lebendigem Organismus und Maschine. Er wird wie ein Kraftwerk gefahren, seine Wassermenge bestimmt sich durch den Strompreis. Die Natur ist von der Technik völlig überformt, der Ingenieur triumphiert, der Fluss verschwindet.

Nutzung in Antike und Mittelalter

Einst war der Lech, der "Schnellfließende, der wildeste der bayerischen Gebirgsflüsse. Er entspringt in Vorarlberg und fließt durch Tirol nach Bayern. In Augsburg nimmt er die Wertach auf und in Rain am Lech mündet er in die Donau. Schon früh zog er Menschen an. Vermutlich war das wild- und fischreiche Lechtal bereits in der Mittelsteinzeit um 8000 vor Christus besiedelt. De Römer transportierten Holz und Waren auf dem Fluss, und die Stadt Augsburg nutzte seine Kräfte seit dem Mittelalter für Handwerk und Industrie.

Kraftlos durch 31 Kraftwerke

Schon seit dem 19. Jahrhundert wurde der Lech begradigt, eingeengt und zwischen Dämme gezwängt, Ab den 1940er Jahren wurde der Wildfluss dann systematisch reguliert zunächst für ein gigantisches Rüstungsprojekt, dann zur Energiegewinnung für die Industrialisierung Bayerns. Heute besteht er auf der bayerischen Seite aus einer Kette von 24 Stauseen mit Flussabschnitten: Betonmauern, Kanäle, Deiche und Sohlstufen so weit das Auge reicht. Der einstmals gewaltige Fluss ist still geworden, 31 Kraftwerke entziehen ihm seine Kraft. Auf der österreichischen Seite hingegen blieb der Wildflusscharakter erhalten und wird durch Renaturierung weiter gestärkt. Kaum ein Fluss in Mitteleuropa vereint in sich solche Extreme und verweist dabei auf die Konflikte zwischen Naturschutz und erneuerbaren Energien.

Konflikte und Konfliktlösungen

Auch nach diesen Konflikte und potentiellen Konfliktlösungen fragen die aus unterschiedlichen Disziplinen stammenden Autoren des Buches "Der gezähmte Lech". Auf 232 Seiten und mit umfangreichem Bildmaterial zeichnet der Band die Veränderungen der Flusslandschaft vom Mittelalter bis heute nach.
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Publikation:

Marita Krauss/Stefan Lindl/Jens Soentgen (Hg.), Der gezähmte Lech. Ein Fluss der Extreme, Volk Verlag, München 2014, 232 Seiten, Hardcover mit zahlreichen Abbildungen, 24.90 Euro, ISBN 978-3-86222-140-0
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Termin:

Buchpräsentation "Der gezähmte Lech"
Donnerstag, 31. Juli 2014, 19.00 Uhr
Neue Stadtbücherei Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg
Eintritt frei
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Weitere Informationen:

http://www.volkverlag.de/pressemitteilung/pi-gezaehmte-lech
http://www.volkverlag.de/shop/der-gezaehmte-lech

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Kontakt:

Prof. Dr. Marita Krauss
Lehrstuhl Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte
Universität Augsburg
marita.krauss@phil.uni-augsburg.de

Dr. Jens Soentgen
Wissenschaftszentrum Umwelt
Universität Augsburg
soentgen@wzu.uni-augsburg.de Weitere Informationen:http://www.volkverlag.de/pressemitteilung/pi-gezaehmte-lechhttp://www.volkverlag.de/shop/der-gezaehmte-lech
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