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Gender Pay Gap beim Berufseinstieg von Hochschulabsolventinnen und -absolventen

31.07.2014 - (idw) Universität des Saarlandes

Bereits beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zeichnen sich unter den Hochschulabsolventen ausgeprägte geschlechtsspezifische Lohnunterschiede ab. Diese Entgeltdifferenz zwischen Frauen und Männer bezeichnet man als Gender Pay Gap. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes das Ausmaß des Lohnunterschiedes von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen in ihrer ersten Vollzeitbeschäftigung detailliert untersucht. Dazu konnten sie anonymisierte Absolventendaten der Universität des Saarlandes nutzen. Laut Statistischem Bundesamt erhöhte sich die Frauenquote an den Hochschulabsolventen vom Jahr 1993 mit 38,9 Prozent bis zum Jahr 2012 auf 50,7 Prozent. Die Bildungsbeteiligung der Frauen hat sich zwar erheblich verbessert, aber diese positive Entwicklung schlägt sich nicht in besseren Verdienstaussichten nieder. In den letzten zwanzig Jahren stieg die Zahl der weiblichen Hochschulabsolventen bundesweit um 2,7 Prozent an. Im Vergleich dazu ist die Anzahl der männlichen Hochschulabsolventen um 1,7 Prozent gestiegen. Während ein Hochschulabsolvent im Durchschnitt 103 Euro brutto pro Tag verdient, liegt der Bruttoverdienst einer Frau bei 90 Euro und somit 21 Euro beziehungsweise 23 Prozent unter dem Einkommen der Männer mit 111 Euro.

Berücksichtigt man die bereinigte Lohnlücke, also den Lohnunterschied zwischen weiblichen und männlichen Hochschulabsolventen, die gleich alt sind, dasselbe Studienfach gewählt haben, den gleichen Abschluss erhalten haben, gleich lang für das Studium und die Arbeitsplatzsuche benötigt haben, ihr Studium mit derselben Note abgeschlossen haben und bei ihrer ersten Vollzeitbeschäftigung in derselben Branche tätig sind, beträgt der Lohnunterschied sieben Prozent. Weitere Einflussfaktoren auf Seite der Frauen, aber auch auf Seite der einstellenden Betriebe können für diesen Einkommensunterschied verantwortlich sein. Die Wahl des Studienfachs ist der wichtigste Einflussfaktor.

Absolventen von technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen, welche niedrigere Frauenquoten aufweisen, haben die höchsten Startgehälter. Demgegenüber verdienen die Absolventen der Fachrichtungen Erziehungswissenschaften oder Sprach-/Literatur- und Kulturwissenschaften, in denen die Frauenanteile sehr hoch sind, erheblich weniger. Eine Ausnahme bilden die Sportwissenschaften: in dieser Studienfachrichtung ist die Männerquote zwar sehr hoch, allerdings ist das durchschnittliche Einkommen in der ersten Beschäftigung unter allen Fächergruppen am geringsten.

Insbesondere in Kleinbetrieben, welche in erster Linie für Frauen wichtige Arbeitgeber sind, ist der Einkommensunterschied überdurchschnittlich hoch. Je kleiner der Betrieb, desto größer ist der Gender Pay Gap. In Großbetrieben verdienen die weiblichen Absolventen 18 Prozent weniger als die männlichen. Demgegenüber fällt dieser Lohnunterschied in den mittleren Betrieben mit minus 22 Prozent und in kleineren Betrieben mit minus 26 Prozent höher aus.

Die Spreizung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede ist in den Wirtschaftsbranchen sehr unterschiedlich. Der Entgeltunterschied ist im öffentlichen Dienst/Verwaltung (- 4 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (- 8 Prozent) am niedrigsten. Am höchsten fallen diese Entgeltunterscheide in den vier folgenden Branchen aus: Erziehung und Unterricht (- 29 Prozent), sonstige Dienstleistungen (- 29 Prozent), Kultur/Medien/Unterhaltung (- 28 Prozent) und wissenschaftliche Dienstleistungen (- 28 Prozent).

Gute Studienleistungen zahlen sich für alle Absolventen in besseren Startgehältern aus. Insbesondere die guten männlichen Absolventen profitieren in höherem Maße von Spitzengehältern. Haben diese das Studium mit der Abschlussnote mit Auszeichnung oder sehr gut beendet, wird durchschnittlich ein Tagesentgelt in Höhe von 113 Euro gezahlt. Die weibliche Absolventin mit derselben Abschlussnote erhält 22 Euro weniger (nämlich 91 Euro täglich).


An der wissenschaftlichen Studie zum Gender Pay Gap waren Anne Otto und Gabriele Wydra-Somaggio vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) beteiligt sowie Nathalie Neu und Manuel Schieler, beide wissenschaftliche Mitarbeiter von Professor Ashok Kaul am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Universität des Saarlandes.
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