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Prof. Joachim Zweynert: Sanktionen werden Russland empfindlich treffen

06.08.2014 - (idw) Universität Witten/Herdecke

Der Experte für Internationale Politische Ökonomie und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion erwartet wirtschaftlichen Teufelskreis aus Inflation, Importverteuerung und Kapitalflucht In der Sendung Kontrovers des Deutschlandfunks diskutierte Joachim Zweynert, Professor für Internationale Politische Ökonomie und Direktor des Wittener Instituts für institutionellen Wandel (WIWa) der Universität Witten/Herdecke, am 4. August mit dem CDU-Europaabgeordneten Michael Gahler und Dmitri Tultschinski, Deutschland-Korrespondent der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya (Russland heute), über die Wirkungen der EU-Sanktionen gegen Russland.

Bereits die Ankündigung möglicher Sanktionen habe die russische Wirtschaft empfindlich getroffen, so Zweynert. In der ersten Jahreshälfte habe die Kapitalflucht mit 75 Mrd. US-Dollar ein drastisches Ausmaß angenommen. Gleichzeitig habe der Rubel in diesem Zeitraum gegenüber dem Dollar rund zehn Prozent seines Werts eingebüßt. Das führe zu einem Teufelskreis, der sich nun noch beschleunigen dürfte: Durch den Kapitalabfluss sinke der Wechselkurs. Das mache Importe teurer und heize die Inflation an; Inflationserwartungen aber beschleunigten die Flucht aus dem Rubel und führten zu weiteren Kapitalabflüssen. Vor diesem Hintergrund sei auch zu verstehen, dass die russische Zentralbank vor wenigen Tagen den Leitzins von 7,5 auf acht Prozent erhöht hat, was sich spürbar negativ auf die Investitionen auswirken dürfe.

Die Sanktionen träfen Russland in einer Phase der ausgeprägten Wachstumsschwäche. Sie sei in erster Linie das Ergebnis der wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen der letzten zehn Jahre. Seit der Staat auf die wirtschaftlichen Kommandohöhen zurückgekehrt sei, habe sich das Geschäfts- und Investitionsklima in Russland massiv verschlechtert, während die Korruption ein nie gekanntes Ausmaß angenommen habe. Russland ist auf einen neo-sowjetischen Entwicklungspfad eingeschwenkt, und wo der endet, wissen wir aus der Geschichte der Sowjetunion, so Zweynert. Da sich nun die Auswirkungen der strukturellen Demodernisierung zeigten, wäre es auch ohne die Sanktionen in diesem Jahr zu einem Nullwachstum gekommen. Ein möglicher kontraproduktiver Effekt der Sanktionen, so der Wittener Russland-Experte, könne darin bestehen, dass Putin die hausgemachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten nun dem Westen in die Schuhe schieben könne.

Da rund 40 Prozent der russischen Exporte in die EU gingen, aber umgekehrt nur drei Prozent der EU-Exporte nach Russland, sei klar, dass Russland weit stärker unter den Sanktionen leiden werde als die EU. Gleichwohl könne es gerade bei den kleineren und mittleren deutschen Maschinenbauern durchaus zu Härtefällen kommen, so Zweynert. Was die europäische, gerade jedoch die deutsche Abhängigkeit von russischen Öl- und Gas-Exporten anbelangt, sei nun Solidarität innerhalb der EU gefragt. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass man in einer Übergangsphase vermehrt darauf angewiesen sein könnte, Atomstrom aus europäischen Nachbarländern zu importieren.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Joachim Zweynert, 02302 / 926-598 oder joachim.zweynert@uni-wh.de

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