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Urkunde aus der Gründungszeit der Universität ist nach Heidelberg zurückgekehrt

07.08.2014 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Eine verschollen geglaubte Papstbulle aus der Gründungszeit der Universität Heidelberg, die bei einem privaten Zufallsfund in den USA wieder entdeckt wurde, ist nunmehr an die Ruperto Carola zurückgekehrt. Mit Diplomatenkurier und einem Spezialtransport wurde das mittelalterliche Dokument, das in der Nachkriegszeit aus dem Universitätsarchiv verschwunden war, nach Heidelberg gebracht und von dort aus zunächst an die Restaurierungswerkstatt des Landesarchivs in Ludwigsburg übergeben. Nun befindet sich die Bulle von Papst Urban VI., die aus dem Jahr 1387 stammt, wieder in den Beständen des Universitätsarchivs. Sie wurde jetzt in einer Pressepräsentation erstmals öffentlich gezeigt. Pressemitteilung
Heidelberg, 7. August 2014

Urkunde aus der Gründungszeit der Universität ist nach Heidelberg zurückgekehrt
Mittelalterliches Dokument wurde auf einem Dachboden in den USA entdeckt

Eine verschollen geglaubte Papstbulle aus der Gründungszeit der Universität Heidelberg, die bei einem privaten Zufallsfund in den USA wieder entdeckt wurde, ist nunmehr an die Ruperto Carola zurückgekehrt. Mit Diplomatenkurier und einem Spezialtransport wurde das mittelalterliche Dokument, das in der Nachkriegszeit aus dem Universitätsarchiv verschwunden war, nach Heidelberg gebracht und von dort aus zunächst an die Restaurierungswerkstatt des Landesarchivs in Ludwigsburg übergeben. Nun befindet sich die Bulle von Papst Urban VI., die aus dem Jahr 1387 stammt, wieder in den Beständen des Universitätsarchivs. Sie wurde jetzt in einer Pressepräsentation erstmals öffentlich gezeigt.

Die Urkunde ist komplett original, inklusive der Hanfschnur, an der das päpstliche Siegel hängt, erläutert der Direktor des Universitätsarchivs, Dr. Ingo Runde. Obwohl das Dokument über Jahrzehnte vermutlich nicht fachgerecht gelagert wurde, befand es sich bei seiner Rückkehr aus den USA in einem relativ guten Zustand, wie die stellvertretende Leiterin des Instituts für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut des Landesarchivs Baden-Württemberg, Dr. Anna Haberditzl, betont. Für die Restaurierung mussten die Experten das Dokument aus den Verklebungen eines früheren Bilderrahmens lösen und plan legen, um die Spannung aus dem Pergament zu nehmen. Die Papstbulle wurde gereinigt und anschließend über einen längeren Zeitraum getrocknet. Ein durch die Lagerung im Rahmen entstandener Spannungsriss in der Mitte der Urkunde konnte geschlossen werden, so Dr. Haberditzl.

Wie das Dokument in den Nachkriegswirren von Heidelberg in die USA gelangt ist, bleibt nach den Worten von Dr. Runde auch weiterhin unklar. Bei einer Revision des Archivs in den Monaten Dezember 1947 und Januar 1948 war entdeckt worden, dass insgesamt acht mittelalterliche Urkunden in den Beständen fehlten. Neben der wieder aufgefundenen Papstbulle handelte es sich um zwei weitere päpstliche sowie fünf pfalzgräfliche Urkunden aus der Gründungszeit der Universität Heidelberg, die aus den Jahren 1386 bis 1389 stammen. Von diesen verschwundenen Stücken ist vor dem Fund in den USA bisher nur ein einziges Dokument wieder aufgetaucht: Dabei handelt es sich um die Gründungsurkunde des Pfalzgrafen Ruprecht I. von 1386, die während des Zweiten Weltkrieges früher als die anderen Archivalien ausgelagert worden war. Sie kehrte bereits im Laufe des Jahres 1945 nach Heidelberg zurück und wurde 1955 wieder vom Universitätsarchiv in Verwahrung genommen. Nun nährt die Rückkehr der päpstlichen Bulle die Hoffnung, dass wir aufgrund der großen medialen Aufmerksamkeit Hinweise auf die anderen verschwundenen Dokumente der Verlustliste erhalten, sagt der Archivdirektor. Der zeitliche Zusammenhang spricht dafür, dass sie unmittelbar zusammen aufbewahrt wurden und damit möglicherweise auch gemeinsam den Weg über den Atlantik genommen haben.

Die Papstbulle lagerte auf dem Dachboden eines Hauses in St. Louis. Die Finder hatten sich über das Internet an das Universitätsarchiv Heidelberg gewandt. Von dort aus gelang es, mit Unterstützung des Instituts für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut unter dem damaligen Leiter Frieder Kuhn eine Übergabe an den deutschen Generalkonsul Dr. Christian Brecht zu vermitteln. Überbracht wurde die mittelalterliche Urkunde von der Schwester der Finderin, die diese in den Besitztümern der Mutter auf dem Dachboden entdeckt hatte. Sie war überrascht, im Haus ihrer Mutter ein Dokument in lateinischer Sprache zu finden. Um Näheres darüber herauszufinden, wandte sie sich an das Institute of Jesuit Sources in St. Louis. Dort konnte die Universität Heidelberg als Bezugsort der Bulle ausgemacht werden. Wie die Urkunde in den Besitz der Mutter gelangt ist, bleibt für die Schwestern ein Rätsel. Vom deutschen Generalkonsulat in Chicago aus wurde das mittelalterliche Dokument über das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin nach Heidelberg zurückgebracht.

In der Urkunde vom August 1387 erteilt Papst Urban VI. den an der Heidelberger Universität weilenden Geistlichen das Privileg, auf fünf Jahre von der Präsenz am Ort ihrer Pfründe befreit zu sein. Das Dokument hat nach den Worten von Dr. Runde einen hohen ideellen Wert. Das Universitätsarchiv verfügt über 23 weitere Papsturkunden aus der Zeit von 1234 bis 1816, von denen die wichtigsten Stücke zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden sollen.


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