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Auf der Überholspur zur Entwicklung neuer Medikamente

11.08.2014 - (idw) Gemeinnützige Hertie-Stiftung

- Hertie-Stiftung kooperiert mit amerikanischer Myelin Repair Foundation (MRF)

- Neues internationales Forschungsmodell ist fokussiert auf die Behandlung der Multiplen Sklerose Medikamente zur Behandlung von Multiple Sklerose sollen künftig deutlich schneller entwickelt werden. Weltweit beträgt die Zeitspanne hierfür aktuell bis zu 40 Jahre. Dies zu beschleunigen, ist das Ziel einer neuen Kooperation, die jetzt in Frankfurt offiziell bekanntgegeben wurde. Hinter dem in Europa einmaligen Projekt stehen zwei Stiftungen: die Myelin Repair Foundation (MRF) aus Kalifornien, USA, sowie die Hertie-Stiftung mit Sitz in Frankfurt. Die beiden Stiftungen setzen auf ein neues Forschungsmodell, das sich in seiner Effizienz und Arbeitsweise an erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen orientiert und das als Novum in der Wissenschaft bezeichnet werden kann.

Bisherige Forschungen dienen üblicherweise eher dem Erkenntnisgewinn. Von Jahr zu Jahr bringt die Medizinforschung immer mehr neue Ergebnisse hervor, die in Hunderttausenden von Fachartikeln veröffentlicht werden. Gleichzeitig werden jährlich gerade einmal rund dreißig neue Substanzen als Medikament zugelassen. Gründe für diese Diskrepanz gibt es mehrere. Die Wissenschaft ist eine eigene Welt, in der die meisten Forscher das Ziel verfolgen müssen, Neues zu entdecken und darüber in den wichtigsten Fachmagazinen zu berichten, erklärt Dr. h.c. Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung. Solche Veröffentlichungen sind häufig ausschlaggebend für ihren beruflichen Erfolg. Die Übertragung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in vorklinische und klinische Studien werde eher selten angestrebt.

Zudem müssen erfolgversprechende Ergebnisse zunächst mehrfach und unter höchsten Standards bestätigt werden, um wirklich als aussichtsreich für die weitere Medikamenten-Entwicklung zu gelten. Dies geschieht bislang in unabhängigen Auftragsforschungsinstituten oder der Pharmaindustrie selbst. Leider aber zu selten und nicht systematisch, bedauert Scott Johnson, Gründer der amerikanischen Myelin Repair Foundation (MRF). Verschiedene Studien haben außerdem ergeben, dass eine Bestätigung der Forschungsergebnisse in bis zu 89 Prozent nicht unter den Bedingungen möglich ist, welche für die Medikamentenentwicklung notwendig sind.

Schlanke Strukturen und schnelle Prozesse sind gefragt

Jetzt bringt die Hertie-Stiftung, die selbst auf 40 Jahre Erfahrung in der Förderung von Multiple-Sklerose-Projekten zurückgreifen kann, das Forschungsmodell der MRF nach Europa. Führende Wissenschaftler, die sich auf MS spezialisiert haben, bündeln ihr Fachwissen und arbeiten von Anfang an besonders eng zusammen. Gegenseitige konkrete Vorgaben, klare Ziele mit Deadlines und ein ständiger Austausch über Ideen und Ergebnisse gehören zu den Rahmenbedingungen, die auch in Unternehmen für Effizienz sorgen, im derzeitigen Wissenschaftsbetrieb aber nur selten so stringent gelebt werden. Schritt für Schritt werden so parallel verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt. Ein weiteres Novum: Vielversprechende Ergebnisse werden in einem eigenen Labor der MRF unter industriellen Bedingungen repliziert. Und nicht zuletzt sorgt der von Beginn an intensive Kontakt der Wissenschaftler zu Kollegen der Pharmaindustrie dafür, die Medikamenten-Entwicklung zu beschleunigen. So gelangen replizierte Ergebnisse schneller in die Phase der klinischen Studien und damit letztlich rascher zum Patienten.

In den USA engagiert sich die Myelin Repair Foundation mit diesem Ansatz schon seit 2004 in der MS-Forschung. Erste Resultate zeigen, dass die Stiftung den wissenschaftlichen Weg vom ersten Forschungsergebnis bis zur konkreten Medikamenten-Entwicklung revolutionieren könnte. MRF-Gründer Scott Johnson, der selbst vor 36 Jahren an MS erkrankte, erhält in Amerika für seine Stiftung beachtliche Unterstützung aus Wirtschaft, Politik und Bevölkerung. Ich freue mich, gemeinsam mit der Hertie-Stiftung diese Idee nun auch in Deutschland und später in ganz Europa verbreiten zu können, erklärt der 58-Jährige. Mein Wunsch ist es, Mittel zur Regeneration beschädigter Nervenschutzhüllen (Myelinscheiden) zu finden, damit auch bereits an MS erkrankten Menschen geholfen werden kann.

Im Rahmen des langfristig angelegten Projekts werden nun zunächst in Deutschland ausgewählte Wissenschaftler für das Konzept gewonnen. Für die Aufbauphase 2014 starten MRF und Hertie-Stiftung mit einem Budget von 500.000 Euro. Neben der finanziellen Förderung bringen wir vor allem unser engmaschiges Experten-Netzwerk, in das Ärzte, Wissenschaftler und MS-Ver¬bände eingebunden sind, sowie unser gewachsenes Wissen über die MS-Forschung ein, so Weise und ergänzt: Wir beschreiten mit der Kooperation ein neues Projektfeld, in das wir sehr große Hoffnungen setzen. Nicht zuletzt auch die Hoffnung, die Medikamenten-Entwicklung künftig über das Gebiet der Multiplen Sklerose hinaus grundsätzlich zu beschleunigen.

Pressekontakt:
Carmen Jacobi
Kommunikation
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Tel.: 069 - 660 756 155
E-Mail: jacobic@ghst.de
www.ghst.de

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Als eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland verfügt die Hertie-Stiftung über ein Anlagevolumen von mehr als 959 Millionen Euro (per 31.12.2013), dessen Erträge dem Allgemeinwohl gewidmet sind.
Dem Willen ihres Stifters Georg Karg folgend, orientiert sich die Hertie-Stiftung an den Lebenssituationen der Menschen und den Herausforderungen der zukünftigen Gesellschaft in den Arbeitsgebieten Vorschule und Schule, Hochschule, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Neurowissenschaften.

Die Hertie-Stiftung ist der größte Förderer der Hirnforschung in Deutschland. Die Autoimmun-erkrankung Multiple Sklerose gehört zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit. In einer Vielzahl von Projekten geht es zum einen darum, die Erforschung ihrer Ursachen voranzutreiben. Zum anderen sollen die Menschen unterstützt werden, die mit MS leben. Weitere Informationen:http://www.ghst.de Anhang
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