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Erstmals Fields-Medaille für Mathematikerin

13.08.2014 - (idw) Deutsche Mathematiker-Vereinigung

Die Internationale Mathematische Union (IMU) wählt einen neuen Präsidenten, vergibt erstmals eine Fields-Medaille an eine Frau und zeichnet einen argentinischen Showmaster aus. Und Martin Hairer ist der erste österreichische Mathematiker, der eine Fields-Medaille bekommt Berlin/Seoul. Auf dem Internationalen Mathematiker-Kongress (ICM), der vom 13. bis 21. August im südkoreanischen Seoul stattfindet, wurden heute zahlreiche Preise verliehen. Dabei gab es gleich mehrere Überraschungen. Mit Maryam Mirzakhani erhielt erstmals eine Frau eine von vier Fields-Medaillen. Die gebürtige Iranerin Mirzakhani (Jahrgang 1977) beschäftigt sich mit algebraischer Geometrie und Topologie und ist heute Professorin an der Stanford University in den USA.

Ich freue mich sehr, dass auch eine Mathematikerin eine Fields-Medaille bekommt, sagte Jürg Kramer, Professor für Mathematik und Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) am Rande des ICM in Seoul. Ich gratuliere der Preisträgerin und den anderen Preisträgern sehr herzlich zu der großen Ehre! Ein Mitglied der Jury für die Fields-Medaillen war auch Günter M. Ziegler, DMV-Präsidiumsmitglied und Professor für Mathematik an der Freien Universität Berlin.

Die Fields-Medaille ist neben dem Abel-Preis die höchste Auszeichnung, die es in der Mathematik für wissenschaftliches Arbeiten gibt. Nur alle vier Jahre werden zwei, höchstens vier, Medaillen dieser Art vergeben. Die Mathematikerinnen und Mathematiker müssen vor dem 1. Januar des Jahres, in dem sie ausgezeichnet werden, jünger als 40 Jahre gewesen sein. Zur Verleihung gehören eine geprägte Medaille aus Gold und ein Preisgeld von 15.000 Kanadischen Dollar.

Martin Hairer (Jahrgang 1975) ist der erste österreichische Mathematiker, der eine Fields-Medaille bekommt. Hairer lehrt in England an der University of Warwick und erforscht die Theorie stochastischer partieller und nicht-partieller Differentialgleichungen. Solche Differentialgleichungen kommen in der Physik an vielen Stellen vor, unter anderem zur Beschreibung von Flüssen und Strömungen.

Die dritte Fields-Medaille geht an Artur Ávila (Jahrgang 1977) und damit erstmals an einen Brasilianer. Er wird für seine grundlegenden Beiträge zur Theorie Dynamischer Systeme ausgezeichnet. Das sind Systeme, die sich aus einem Anfangszustand heraus entwickeln, wobei die Entwicklung nur vom Anfangszustand, nicht aber vom Anfangszeitpunkt abhängt. Physikalische Systeme wie schwingende Pendel oder die Bewegung von Planeten im Raum sind typische Beispiele.

Eine vierte Fields-Medaille bekommt der indischstämmige Kanadier Manjul Bhargava (Jahrgang 1974). Er ist ein Doktorsohn von Andrew Wiles, der seinerseits mit dem Beweis der Fermatschen Vermutung berühmt wurde. Bhargava ist auf dem Gebiet der Zahlentheorie tätig und wurde u. a. mit einer Serie von vier Arbeiten in der Fachzeitschrift Annals of Mathematics bekannt, in denen er unter anderem klassische Ergebnisse von Gauß über die Zerlegung binärer ganzzahliger quadratischer Formen verallgemeinerte.

Der neue Präsident, den die Generalversammlung der Internationalen Mathema-tischen Union (IMU) im Vorfeld des Kongresses wählte, ist auch ein ehemaliger Fields-Medaillist: der Japaner Shigefumi Mori von der Universität in Kyoto, der auf dem ICM 1990 für seine Arbeiten in algebraischer Geometrie die Fields-Medaille bekommen hatte. Er wird sein neues Amt zum 1. Januar 2015 antreten. Die neuen Vizepräsident(inn)en sind Alicia Dickenstein (Universität Buenos Aires) und Vaughan Jones (UC Berkeley), neuer Generalsekretär wird Helge Holden (NUST Oslo). Holden löst damit Martin Grötschel ab, den langjährigen Generalsekretär aus Berlin.

Auf dem ICM, der nur alle vier Jahre stattfindet, werden noch weitere prestigeträchtige Preise verliehen, darunter der Carl-Friedrich-Gauß-Preis. Diesen Preis für angewandte Mathematik vergibt die Internationale Mathematische Union gemeinsam mit der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Er besteht aus einer Medaille und einem Preisgeld von 10.000 Euro und geht dieses Jahr an Stanley Osher, Professor für Mathematik an der University of California, Los Angeles, USA.

Den Nevanlinna-Preis für theoretische Informatik 2014 bekommt Subhash Khot vom Courant Institute of Mathematical Sciences der New York University für seine wegweisenden Arbeiten im Bereich der Komplexitätstheorie, insbesondere für seine Definition und Bearbeitung des Unique Games-Problems. Der Preis ist nach dem finnischen Mathematiker Rolf Herman Nevanlinna benannt und besteht aus einer Goldmedaille und einem Preisgeld (10.000 Euro).

Chern-Medaille und -Preis gehen dieses Jahr an Phillipp A. Griffiths vom Institute for Advanced Study, Princeton, USA, für die Entwicklung transzendenter Methoden auf komplexen Mannifaltigkeiten. Der Preis besteht aus einer Medaille und ist mit 500.000 US-Dollar dotiert, wobei die Hälfte des Geldpreises einer Organisation zur Förderung der Mathematik gestiftet werden muss.

Last but not least wird auf dem ICM 2014 auch ein Preis für die Popularisierung von Mathematik vergeben. Der Leelavati-Preis, der zum ICM 2010 in Hyderabad (Indien) eingerichtet worden war, geht dieses Jahr an Adrián Paenza aus Buenos Aires, Argentinien. Der promovierte Mathematiker werde dafür ausgezeichnet, dass er mit seinen Büchern, seinen Fernsehsendungen und seinem Enthusiasmus die Wahrnehmung von Mathematik eines ganzen Landes zum Positiven verändert habe, so die Jury. Weitere Informationen:https://dmv.mathematik.de/index.php/aktuell-presse/internationale-preise/fields-... - Infos zu allen Preisträger/innen und Bilder in hoher Auflösung zum Download

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