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Austausch übers Essen bringt neue Genuss-Kultur im Internet hervor

20.08.2014 - (idw) Universität des Saarlandes

Sprachwissenschaftler der Saar-Uni erforschen eine neue Genuss-Kultur im Internet: Das Essen bringt über Landesgrenzen hinweg eine Genuss-Community zusammen, die sich schnell über mehr austauscht, als nur über das Kochen. Dabei wenden sich typischerweise Nicht-Experten an Nicht-Experten. Das Essen nimmt dabei eine kulturelle Brückenfunktion ein. Das sind erste Ergebnisse des Forscher-Teams von Stefan Diemer, Professor für Englische Sprachwissenschaft, das untersucht, wie der Austausch über Essen auch den Austausch der Kulturen fördert. Hierzu analysieren die Forscher englischsprachige Food-Blogs und Gespräche von Probanden aus verschiedenen Ländern mit Englisch als Zweitsprache. Bei der internationalen Konferenz Food and Culture in Translation in Bologna erhielten zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen aus Diemers Team für ihre Forschung den CuiZine Award des gleichnamigen kanadischen Food-Magazins.

Engländer kochen schlecht, Franzosen gut, Deutsche essen Sauerkraut. Auf solche Klischees stoßen wir bei unserer Forschung zuhauf. Es gibt in Europa tatsächlich auf diesem Gebiet Vorurteile, die wie einzementiert sind, sagt Stefan Diemer. Der Professor für Englische Sprachwissenschaft erstellt gemeinsam mit bulgarischen, spanischen und italienischen Forschern im EU-Projekt CASE ein Textkorpus, also eine Sammlung der international gesprochenen englischen Sprache, die Grundlage für weitere Forschung sein soll. In diesem Rahmen beleuchten die Linguisten auch den Austausch über das Essen im Internet.

Hierzu nehmen sie zum einen englischsprachige Koch-Blogs unter die Lupe. Solche Blogs kennzeichnen sich dadurch, dass sie zum Treffpunkt von Gleichgesinnten werden wenn man so will, einer Art Genuss-Community. Hier tauschen sich Experten, aber vor allem auch Nicht-Experten aus, die Rezepte rangieren von innovativ bis alt-erprobt und es wird viel Persönliches diskutiert, resümiert Diemer. Da meist keine Profis am Werk sind, ist typisch, dass auch wenige Vorkenntnisse vorausgesetzt werden. So kommt es, dass auch viel Selbstverständliches erklärt wird. Zum anderen untersuchen die Sprachwissenschaftler Gespräche, die Probanden aus Deutschland, Bulgarien, Italien und Spanien in englischer Sprache übers Internet führen. Diese Gespräche werden vertextet und analysiert. Hierbei erforschen wir unter anderem, wie die Leute mit Verständigungsproblemen umgehen. Einem Italiener zum Beispiel das Spaghetti-Eis zu erklären, ist eine echte Herausforderung, sagt Diemer. Interessant ist auch, wie bei der Unterhaltung etwa ein Thema gewechselt wird. Hier nimmt das Lachen eine wichtige Rolle ein. Linguistisch ist nachweisbar, dass vor einem Themenwechsel meist ausgiebig und etwas nervös gelacht wird.

Das Projekt CASE wird mit 30.000 Euro Drittmitteln gefördert.
Bei der von der Universität Bologna veranstalteten ersten internationalen Konferenz Food and Culture in Translation erhielten die Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen Marie-Louise Brunner und Selina Schmidt aus Diemers Team im Juni den erstmals vergebenen CuiZine Award des gleichnamigen kanadischen Food-Magazins: Ausgezeichnet wurden sie für den Vortrag Besser als die Realität? Wenn es online ums Essen geht. Das Preiskomitee würdigte mit der Verleihung die wissenschaftliche Stärke und Originalität der Ergebnisse und die Qualität der Präsentation sowie das bemerkenswerte weitergehende Forschungspotenzial.

Mehr zum CASE-Projekt:
http://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/engling/case.html
http://prezi.com/rfnsbllcgzur/case/


Kontakt: Stefan Diemer Tel.: 0681 302-3309, -3009
E-Mail: s.diemer@mx.uni-saarland.de

Ein Pressefoto für den kostenlosen Gebrauch finden Sie unter
http://www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601).
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