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Judit: Mehr als eine femme fatale

21.08.2014 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die schöne Judit umgarnt den Kriegsherrn Holofernes, der ihr Volk bedroht, und schlägt ihm dann den Kopf ab: Diese Sex-and-crime-Geschichte ist weithin bekannt, bildet aber nicht den Kern des Buches Judit. Das zeigen die Theologen Barbara Schmitz und Helmut Engel in einer neuen Publikation. Der assyrische König Nebukadnezar schickt den General Holofernes mit einem riesigen Heer auf einen Vernichtungsfeldzug Richtung Westen. An der Bergfestung Betulia, die das Einfallstor ins nördliche Palästina bildet, treffen die Krieger auf Widerstand und belagern darum die Festung. Nach und nach schwindet bei den Einwohnern die Zuversicht: Die Stadtältesten beschließen zu kapitulieren, falls nicht innerhalb von fünf Tagen Rettung kommt.

In dieser Lage setzt die Witwe Judit einen gewagten Plan um. Sie verlässt Betulia und geht ins Heerlager der Feinde. Dort erregt sie durch ihre Schönheit so viel Aufsehen, dass sie Zugang zu Holofernes bekommt und ihn erfolgreich betört. Nach einem Festmahl zu ihren Ehren gelingt es Judit, den betrunkenen General in seinem Zelt mit seinem eigenen Schwert zu enthaupten. Mit dem Kopf flüchtet sie zurück nach Betulia, dessen Einwohner daraufhin einen Ausfall wagen und die Belagerer vertreiben.

So erzählt es das alttestamentliche Buch Judit. Bis heute findet diese Geschichte breiten Widerhall in Kunst, Musik, Film und Literatur nicht zufällig trägt eine deutsche Sängerin den Künstlernamen Judith Holofernes. Immer wenn es um Judits Geschichte geht, steht die Tötung des Holofernes im Vordergrund.

Neuer Blick auf die Judit-Erzählung

Es ist aber gerade nicht die Sex-and-crime-Geschichte, die im Mittelpunkt der Erzählung steht, und es ist auch nicht die femme fatale, die in der Gestalt von Judit inszeniert wird, sagt Professorin Barbara Schmitz, Alttestamentlerin von der Universität Würzburg.

Vielmehr gehe es in dem Buch um eine theologisch denkende, umsichtige, wortgewandte und tatkräftige Frau: Judit stellt angesichts der Bedrohung durch die Assyrer den Stadtältesten und deren Kapitulationsabsichten erst eine überzeugende Rede entgegen. Dann trägt sie ihren Plan zur Rettung ihres Volkes im Gebet vor Gott und setzt ihn schließlich um. So gelingt es ihr als Einzelperson, ihre Stadt, Israel und die ganze Welt zu retten.

Diese neue Perspektive auf das Buch Judit zeichnet Barbara Schmitz mit ihrem Fachkollegen Helmut Engel (Frankfurt/Main) in einem Kommentar nach, der jetzt beim Herder-Verlag erschienen ist. Neu daran ist vor allem die besondere Berücksichtigung der Reden und Gebete als theologische Kerntexte der Erzählung. Die Autoren beachten außerdem durchgängig, dass es sich beim Buch Judit nicht um erzählte Historie handelt, sondern um eine fiktionale Erzählung um einen Roman. Die Eindeutigkeit der fiktionalen Merkmale dieser Erzählung ist unter allen biblischen Büchern einmalig.

Griechisch als Originalsprache des Buches Judit

Schmitz und Engel beweisen zudem am auffallenden Sprachstil, dass die Judit-Erzählung in einem die älteren Texte der Septuaginta nachahmenden Griechisch verfasst ist. Nach einer wiederholten Überprüfung aller Argumente liefern die Autoren von neuem den Beweis, dass die Originalsprache der Judit-Erzählung Griechisch ist. Daher legen sie dem Kommentar durchgängig die Septuaginta, die griechische Übersetzung des (hebräischen) Alten Testaments, als biblischen Bezugstext zu Grunde.


Barbara Schmitz / Helmut Engel: Judit (HThK AT), Herder-Verlag Freiburg / Basel / Wien 2014, 432 Seiten, 75 Euro, ISBN 978-3-451-26820-5

Kontakt

Prof. Dr. Barbara Schmitz, Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg, T (0931) 31-86089, barbara.schmitz@uni-wuerzburg.de Weitere Informationen:http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/institutelehrstuehle/bibl/lehrstuhl_fuer_a... Zur Homepage von Prof. Dr. Barbara Schmitz
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