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Ehrung fürs Lebenswerk

21.08.2014 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Professor Wolfgang Kiefer (73), der den Lehrstuhl für Physikalische Chemie II an der Universität Würzburg 18 Jahre lang innehatte, ist für sein Lebenswerk geehrt worden. Auf einer internationalen Tagung in Jena erhielt er den Raman Lifetime Award. In Jena fand vom 10. bis 15. August 2014 die weltweit größte Raman-Konferenz statt, die XXIV. Internationale Konferenz über Raman-Spektroskopie (ICORS). Bei der Raman-Spektroskopie handelt es sich um eine Analysetechnik, bei der durch die spektrale Zerlegung von gestreutem Laserlicht detaillierte Informationen über Moleküle gewonnen werden können. Rund 900 Experten aus 47 Ländern nahmen an der Konferenz teil.

Mit dabei war auch der Würzburger Professor Wolfgang Kiefer (73). Die Raman-Spektroskopie hat ihn schon ab 1965 als Diplomanden und Doktoranden fasziniert, und sie war bei seiner weiteren wissenschaftlichen Karriere sein fester Begleiter. Kein Wunder also, dass Kiefer nun in Jena zum ersten Preisträger des neu geschaffenen Raman Lifetime Award gewählt wurde eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wurde vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT, Jena) ins Leben gerufen. Die Laudatio hielt der Konferenzvorsitzende Jürgen Popp, Vorstand des IPHT, Professor an der Universität Jena und Alumnus der Universität Würzburg. Ihm zufolge hat sich das international besetzte Auswahlkomitee mit überwältigender Mehrheit für Professor Kiefer entschieden.

Forschungsarbeit und Auszeichnungen

Kiefer hat mit der Raman-Spektroskopie daran gearbeitet, die Strukturen verschiedener Moleküle aufzuklären in der Gasphase, im flüssigen Zustand, auf Metalloberflächen und im Festkörperzustand. Auch die ultraschnelle Dynamik, die in diesen Systemen in und zwischen den Molekülen abläuft, stand im Mittelpunkt seiner Arbeiten. Während seiner Würzburger Zeit war er Mitglied von drei Sonderforschungsbereichen.

Für seine erfolgreiche Forschung wurde Kiefer mehrfach geehrt. Unter anderem erhielt er 2005 den Honorary Membership Award der amerikanischen Gesellschaft für Angewandte Spektroskopie, der damals erstmals nach Deutschland vergeben wurde. 2006 folgte der Pittsburgh Spectroscopy Award dieser Preis ist eigentlich nordamerikanischen Spektroskopikern vorbehalten und wurde in seiner fast sechzigjährigen Geschichte bislang nur zweimal nach außen vergeben: an einen schwedischen Nobelpreisträger und an Wolfgang Kiefer.

2008 erhielt der Professor dann den International Raman Award aus Indien. Kiefer ist zudem Ehrenprofessor zweier Universitäten in China (Peking und Wuhan) sowie Ehrendoktor der rumänischen Universität Cluj-Napoca.

Lebenslauf von Wolfgang Kiefer

Kiefer, Jahrgang 1941, wurde in Pforzheim geboren. Er studierte Physik an der LMU München, promovierte dort 1970 und ging danach für zwei Jahre ans National Research Council of Canada in Ottawa. Es folgten wissenschaftliche Tätigkeiten an der LMU und am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart.

Auf die Habilitation im Fach Experimentalphysik 1977 in München folgten Tätigkeiten als Professor an den Universitäten Bayreuth und Graz. Schließlich folgte er 1988 dem Ruf auf den Würzburger Lehrstuhl für Physikalische Chemie II. Diesen leitete er bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2006.

In Kiefers Forschungsgruppen wurden insgesamt 85 Doktoranden betreut, zwölf davon schlugen eine Laufbahn als Universitätsprofessoren ein. Kiefer ist Mitherausgeber von bislang fünf Büchern und Autor von 859 Publikationen für Fachblätter, Bücher und Konferenzen. Zehn Jahre lang, von 2000 bis 2009, war er Hauptherausgeber der internationalen Fachzeitschrift Journal of Raman Spectroscopy.

Raman-Konferenz in Würzburg

Anlässlich seiner Auszeichnung auf der ICORS in Jena erinnert Kiefer sich mit Freude ans Jahr 1992: Damals fand diese Konferenz mit ihm als Vorsitzenden an der Universität Würzburg statt mit 635 Teilnehmern. Weltweit bin ich der Einzige, der an allen bisherigen 24 ICORS-Tagungen teilgenommen hat, sagt er. Die erste dieser Tagungen fand 1969 in Ottawa in Kanada statt; die jüngsten vier vor Jena waren in Bangalore, Boston, London und Tokio.


Aufbau eines Labors in Eisingen

Seit er im Ruhestand ist, hat Kiefer in seinem Wohnort Eisingen bei Würzburg das ELARS aufgebaut, das Eisingen Laboratory for Applied Raman Spectroscopy. In diesem privaten, kleineren Raman-Labor führt er nun hobbymäßig Forschungsarbeiten durch, die er immer mal schon machen wollte, zu denen er aber bislang nie kam. Die ersten Publikationen aus dem ELARS sind bereits erschienen.
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