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Screening und Isolation überdenken - Neue wissenschaftliche Positionen zum Umgang mit MRSA

22.08.2014 - (idw) Uniklinik Köln

Die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien ist aktuell eine der großen Herausforderungen der Medizin. Der Prototyp eines multiresistenten Erregers ist MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Durch eine Reihe von Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren versucht, die weitere Ausbreitung dieses Bakteriums zu verhindern. Ein heute (22.08.2014) im renommierten Wissenschaftsjournal The Lancet veröffentlichter Artikel, an dem Experten der Uniklinik Köln beteiligt waren, überprüft die bisherige Praxis im Umgang mit MRSA kritisch. Die Übertragung von MRSA in Krankenhäusern sollte unbedingt verhindert werden. Bisher versucht man zum Beispiel durch Screening und Isolierung betroffener Patienten die Ausbreitung dieses Bakteriums zu unterbinden. Die Maßnahmen, die Krankenhäuser hierbei beachten müssen, werden in Deutschland vom Robert Koch Institut vorgegeben

Wir haben uns in unserem Artikel die Frage gestellt: Was von der aktuellen Praxis ist sinnvoll, was nicht, und was ist eventuell sogar schädlich?, so Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln. Die Infektionsspezialisten haben dazu große, aussagekräftige Studien unter die Lupe genommen und einer kritischen Bewertung unterzogen.

Mit Ihrer Analyse kommen sie zu dem Ergebnis, dass eine sorgfältige Hände-Desinfektion und die sogenannte Dekolonisierungsbehandlung von Risikopatienten (zum Beispiel Patienten auf Intensivstationen) die wirksamsten Methoden zur Eindämmung von MRSA sind. Die Dekolonisierungsbehandlung soll nicht nur MRSA-Bakterien, sondern auch die viel häufigeren anderen Staphylokokken Bakterien aus dem Körper beseitigen. Dies geschieht durch Behandlung der Nasenschleimhaut mit Antibiotika-haltigen Salben und durch Waschungen der gesamten Haut mit antiseptischen Mitteln.
Die Effektivität eines Screenings, das heißt der Untersuchung aller Patienten auf MRSA-Bakterien sowie der Isolation von MRSA Trägern ist dagegen viel weniger effektiv. Die Isolierung von Patienten mit MRSA habe möglicherweise sogar negative Auswirkungen auf die medizinische Versorgung. Studien hätten gezeigt, dass Patienten in Isolation deutlich weniger Zuwendung durch medizinisches Personal erhielten als andere Patienten.

Die Autoren stellen damit die gegenwärtigen Empfehlungen infrage und fordern ein Vorgehen, das nicht nur einen einzelnen Erreger in den Vordergrund rückt, sondern Hygienemaßnahmen allgemein verbessert und damit auch vor weiteren gefährlichen Bakterien schützt.

Außerdem sollten auch Maßnahmen zum Infektionsschutz viel stärker daran gemessen werden, wie gut ihr Nutzen belegt ist. Für andere medizinische Bereiche wie die Arzneimitteltherapie ist das seit langem eine Selbstverständlichkeit , so Prof. Fätkenheuer.

Für Erstautor Prof. Fätkenheuer ist die wichtigste Konsequenz aus dieser Analyse, dass die hygienische Händedesinfektion von medizinischem Personal vor und nach allen Patientenkontakten verbessert werden muss: Diese Maßnahme ist einfach, schnell, effektiv, billig und unschädlich. Aber wir müssen sie in deutschen Krankenhäusern noch viel intensiver propagieren, einsetzen und ihre Anwendung überprüfen.





Originalarbeit:
The Lancet: Gerd Fätkenheuer, Bernard Hirschel, Stephan Harbarth, Screening and isolation to control meticillin-resistant Staphylococcus aureus: sense, nonsense, and evidence, DOI:10.1016/S0140-6736(14)60660-7


Für Rückfragen:
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de
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