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Agrarpolitisches Forum 2004: Fortführung der Agrarreformen liegt im Interesse der EU

28.01.2004 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Dieses Fazit zog Prof. Stefan Tangermann, Direktor für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei bei der OECD, auf dem "Agrarpolitischen Forum", das das Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) gemeinsam mit der InWEnt gGmbH und der Arbeitsgemeinschaft Tropische und Subtropische Agrarforschung e.V. (ATSAF) am Vortag des 11. Ost-West-Agrarforums auf der Grünen Woche in Berlin veranstaltet hatte.


Internationale Gäste am Stand des IAMO
Bundesministerin Künast im Gespräch mit dem Direktorium des IAMO Zu dem Thema "Die erweiterte EU und ihre neuen Nachbarn - Herausforderung für Agrarproduktion und Agrarhandel" diskutierten mehr als 100 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft am 16. Januar 2004 auf der Grünen Woche. Als Einstieg erläuterte Dr. Wolfgang Häßel (Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft) grundlegende Fragen der institutionellen Ausgestaltung und Organisation der WTO. Prof. Stefan Tangermann betonte in seinem Vortrag, dass die im letzten Sommer beschlossene Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU mehr Flexibilität bei den laufenden WTO-Verhandlungen ermöglicht hat, aber auch im ureigenen binnenwirtschaftlichen Interesse der Union liegt.
Dr. Tomas Doucha, Direktor des Agrarökonomischen Forschungsinstitutes in Prag, erörterte Prioritäten der tschechischen Agrarpolitik und unterstrich den hohen Stellenwert einer umweltfreundlichen landwirtschaftlichen Produktion. Beispielhaft hob er hierbei das Speichervermögen landwirtschaftlicher Böden für den Hochwasserschutz hervor.
Prof. Eugenia Serova, Direktorin des Analytical Center in Moskau, und Prof. Sergej Kisilev, Lomonossov Universität Moskau, betrachteten in ihren Beiträgen die Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den Agrar- und Ernährungssektor Russlands. Diese sind nach Ansicht von Prof. Serova auf Sektorebene vernachlässigbar gering. Wie Prof. Sergej Kisilev zeigte, ist die Bedeutung der zehn EU-Beitrittsländer als Handelspartner für Russland in den letzten Jahren stark zurückgegangen. So betrug der Anteil der Agrarimporte Russlands aus den zehn EU-Beitrittsländern 2002 nur noch 5 % der russischen Gesamtagrarimporte. Bei den Agrarexporten machten diese Länder nur 7 % der gesamten Agrarexporte aus.
Prof. Martina Brockmeier, Institutsleiterin an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode, untersuchte die Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Agrarhandelsströme in Mittel- und Osteuropa. Aus Sicht der neuen Mitglieder werden positive Entwicklungen der Handelsbilanzen insbesondere bei Rindfleisch und Milchprodukten eintreten, also bei den Produkten, die in den Beitrittsländern derzeit weniger protektioniert werden als in der EU. Umgekehrt sieht dies bei solchen Erzeugnissen aus, bei denen die Übernahme der EU-Agrarpolitik zu einem Abbau des Protektionsniveaus führt, wie Obst und Gemüse, Schweine- und Geflügelfleisch.
Die Beitrittsländer haben die Möglichkeit, die EU-Direktzahlungen um bis zu 35 Prozentpunkte aufzustocken. Nach Dr. Martin Banse, Universität Göttingen, wird eine solche Aufstockung jedoch insbesondere nach 2006 zu erheblichen finanziellen Belastungen für die nationalen Haushalte führen. Damit einher geht eine deutliche Einkommensumverteilung zugunsten der Landwirtschaft.
Prof. Jens-Peter Loy, Universität Kiel, analysierte für ausgewählte Produkte Handelsspannen innerhalb der Wertschöpfungskette. Im Vergleich zu Deutschland sind die Spannen in der Ukraine bei Kartoffeln sowie Rind- und Schweinefleisch gering. Bei Eiern und Milch liegen sie dagegen in einer ähnlichen Größenordnung wie in Deutschland, während sie bei Geflügel höher sind. Allerdings schwanken die Margen zwischen verschiedenen Regionen in der Ukraine stark.
Die Vortragsfolien der Referenten können von der Homepage des IAMO heruntergeladen werden.
Ansprechpartner: Dr. Heinrich Hockmann, Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), Tel.: 0345-29 28 225, E-mail: hockmann@iamo.de

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