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Ein Label für mehr Transparenz

01.09.2014 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Drückende Hitze, beißender Chemikaliengeruch und extrem staubige Luft. Dazu ein sechzehn bis achtzehn Stunden Arbeitstag im Akkord. Betriebsärzte, Gesundheitskontrollen oder Gewerkschaften, die sich für die Arbeitnehmer einsetzen könnten Fehlanzeige. Landwirte, die ihre Erzeugnisse unter enormer körperlicher Arbeitskraft ernten und letztlich sich und ihre Familien von dem Erlös kaum ernähren können. Die Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern wie China, Bangladesch, Indien oder Kambodscha sind häufig katastrophal. TV-Berichte und Reportagen über die systematische Ausbeutung von Arbeitskräften in diesen und vielen anderen Ländern sowie die dazugehörigen Einzelschicksale bereiten den Konsumenten oft mehr als nur ein schlechtes Gefühl. Die Medienpräsenz jedoch zahlt sich aus, denn immer mehr deutsche Verbraucher geben deutlich mehr Geld für fair gehandelte Produkte aus. So ist der Absatz von 2012 auf 2013 um 21 Prozent auf 784 Millionen Euro gestiegen, teilte das Forum Fairer Handel in Berlin mit. Doch auch wenn die Kunden sensibler werden, ein verlässliches und überschaubares Bewertungssystem mit einem prägnanten Label für den Verbraucher gibt es nicht. Auf Grund eines undurchsichtigen Sub-Unternehmertums scheinen selbst die Händler nicht immer den Überblick zu haben, wo genau von wem unter welchen Bedingungen die von ihnen vertriebenen Produkte gefertigt wurden.

Als ein normativer Begriff gilt in diesem Zusammenhang die Nachhaltigkeit eines Produktes beziehungsweise dessen nachhaltige Entwicklung. Erstmals in der deutschsprachigen Forstwirtschaft verwendet, avancierte der Ausdruck zum Mode- und Werbewort. Für viele Unternehmen ist der Begriff »nachhaltig« lediglich zum Bestandteil ihrer Produktkampagne geworden. Tatsächlich steht hinter dem Attribut aber ein Konzept, das unternehmerischen Erfolg mit der Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte verbindet. Kursieren auch verschiedene Definitionsmöglichkeiten von Nachhaltigkeit, so ist ihnen doch eines gemein: es geht um den »Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generation«, erklärt Prof. Dr. Bernd Klauer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in seinem Buch »Was ist Nachhaltigkeit« (1999).

Unter diesen Gesichtspunkten beschäftigt sich die Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP bereits seit 25 Jahren mit Bewertungsmethoden der Nachhaltigkeit. Die Forscher haben es sich zur Aufgabe gemacht, verlässliche und allgemein anwendbare Bewertungssysteme zu entwickeln. »Für die ökologische und ökonomische Betrachtung von Produkten unter Berücksichtig ihrer Wertschöpfungskette haben sich die Methoden der produktbezogenen Ökobilanz LCA (Life Cycle Assessment) und der Lebenszyklusrechnung LCC (Life Cycle Costing) längst etabliert«, erklärt Sarah Schneider aus der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung. Diese international standardisierten Methoden finden sowohl in der Industrie als auch in der Forschung Anwendung. Die Ökobilanz ist eine nach ISO 14040 und 14044 international standardisierte Methode zur Beschreibung der potentiellen Umweltwirkungen, die durch ein Produkt oder Produktsystem über den Lebenszyklus verursacht werden. Dabei werden sämtliche Emissionen und Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette eines Produktes erfasst und die potentiellen Umweltwirkungen in verschiedenen Wirkungskategorien wie beispielsweise dem Treibhauspotential berechnet. Im Rahmen der Lebenszykluskostenrechnung werden hingegen Zahlungsströme während des gesamten Lebenszyklus eines Produktsystems oder einer Dienstleistung betrachtet und entsprechend ihrem zeitlichen Auftreten diskontiert. Im Baubereich werden anhand von Umweltdeklarationen (engl. EPD Environmental Product Declaration , Typ-III-Deklaration) nach ISO 14025 Angaben zum Lebenszyklus eines Bauprodukts, Ökobilanzkennwerte sowie Prüfergebnisse für eine Detailbewertung, zum Beispiel von Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (volatile organic compounds, kurz VOC) im Innenraum erstellt.
Mit Hilfe der Methode der LCA und der LCC wird somit der Begriff der Nachhaltigkeit quantifizierbar.

Der Foodprint für nachhaltige Lebensmittel
Qualität und Herkunft von Lebensmitteln rücken beim Einkauf zunehmend in den Fokus der sensibilisierten Verbraucher. Durch Umweltlabels wie Biokreis, Bioland, Demeter, Naturland, Naturkind und viele andere sollen den Konsumenten Orientierungshilfen an die Hand gegeben werden. Durch das Schaffen eigener Labels versuchen Supermarktketten auf die gestiegene Anfrage der Verbraucher zu reagieren. Doch immer wieder wird das Vertrauen durch den einen oder anderen Lebensmittelskandal erschüttert. Zudem wird »Greenwashing«, also der Missbrauch eines Labels, beispielsweise immer wieder von Umweltorganisationen aufgedeckt. Der Kunde reibt sich verdutzt die Augen und fragt sich, worauf er sich eigentlich noch verlassen kann.
Die Wissenschaftler der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung verfolgen das Ziel, eine Datenbank mit umweltrelevanten Kriterien für Lebensmittel ins Leben zu rufen. Diese Datenbank soll es einerseits Supermärkten und ihren Zulieferern ermöglichen, ihr Sortiment auf wissenschaftlich fundierten Berechnungen zusammenzustellen. Andererseits kann diese Datenbank als Basis für die neutrale, transparente Kaufentscheidung von Kunden dienen. Hierbei sind eine verständliche, einheitliche Aufarbeitung der Ökobilanzergebnisse von Lebensmitteln und ihre vereinfachte, verständliche Präsentation unabdingbar.

In einem ersten Schritt werden, basierend auf der Methode der Ökobilanzierung , Datensätze für eine Vielzahl der wichtigsten Lebensmittel erstellt. Diese Datensätze zeigen die ökologischen Auswirkungen, beispielsweise Emissionen, der jeweiligen Lebensmittel inklusive der gesamten Vorkette auf. Dadurch werden alle beteiligten Stakeholder, vom Landwirt über die Logistik, Verarbeitung, Verpackung und dem Handel bis hin zum Kunden mit einbezogen. Diese rein umweltlichen Informationen erweitern die Wissenschaftler bei Bedarf um weitere, auch qualitative Bewertungseigenschaften oder soziale sowie ökonomische Kriterien. Aufbauend auf diesen Informationen erhalten Supermärkte und Kunden hilfreiche Entscheidungsgrundlagen, um das Zusammenführen von Konsument und Supermarkt samt Vorkette zu ermöglichen.
Um diese Ziele zu erreichen, wurde eine Bestandsaufnahme bestehender nationaler sowie internationaler Datenbanken und Applikationen durchgeführt. Die Bestandsaufnahme ergab, dass Datenbanken und Applikationen bereits für ausgewählte Länder und Lebensmittel vorhanden und auch momentaner Forschungsgegenstand sind. Die Datenbanken sind allerdings nicht ohne weiteren Aufwand ineinander überführbar, da die Datenerhebung und Verwaltung der verschiedenen Datenbanken inhomogen und inkonsistent erfolgt. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen führten die Wissenschaftler eine »Marktanalyse« via Interviews mit nationalen und internationalen Stakeholdern durch. Dabei kam heraus, dass sich wegen der intransparenten, uneinheitlichen und ungenügenden Datenaufarbeitung der deutliche Wunsch nach Verbesserung ergibt. Nur durch eine adressatenspezifische und bedarfsgerechte Aufbereitung und differenzierte Darstellung der gewonnenen LCA-Informationen können die verschiedenen Stakeholder vom Nutzen der Bewertung überzeugt werden.


»Diese Marktbetrachtung, ein Schnittstellenaufbau zwischen allen Beteiligten, sowie der Aufbau einer Datenbank mit LCA relevanten Informationen zu Lebensmitteln sind die nächsten, anvisierten Schritte«, so Christian Peter Brandstetter aus der Gruppe Werkstoffe und Produktsysteme. Im Endeffekt stünde dann eine Datenbank für die Umwelteinwirkungen von verschiedenen Lebensmitteln zur Verfügung, die Supermärkten und Kunden eine erste Kauforientierung bietet. Ähnlich wie bei den Umweltproduktdeklarationen im Baubereich durch Envir
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