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Interdisziplinäre Stammzelltransplantation an der MHH erfolgreich akkreditiert

01.09.2014 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Externe Prüfer vergeben Qualitätssiegel für komplexe Behandlungsabläufe bei Knochenmark- und Blutstammzelltransplantationen Ein großer Erfolg für die Interdisziplinäre Stammzelltransplantation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Der Bereich wurde vom Joint Accreditation Committee ISCT-EBMT (JACIE) nach europaweit gültigen Standards akkreditiert. JACIE ist eine Kooperation der Internationalen Gesellschaft für Zelltherapie (ISCT) und der Europäischen Gesellschaft für Blut- und Knochenmarktransplantationen (EBMT) das sind die beiden führenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur Qualitätssicherung der hämatopoetischen Stammzelltransplantation. An der MHH werden seit mehr als 25 Jahren Stammzelltransplantationen durchgeführt. Die Hochschule gehört zu den größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Sie bietet als einziges Zentrum in Niedersachsen alle Arten der Stammzelltransplantation bei Erwachsenen und Kindern.

Interdisziplinär zum Erfolg

Die Stammzelltransplantation ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem viele Disziplinen eng zusammenarbeiten müssen. Die Akkreditierung hat gezeigt, dass das bei uns sehr gut funktioniert und wir die hohen Qualitätsansprüche erfüllen können. Über die Auszeichnung freut sich das ganze Team, sagt Professor Dr. Martin Sauer von der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, der das JACIE-Programm leitet. Die Interdisziplinäre Stammzelltransplantation der MHH wird von den Kliniken für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation und für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, sowie dem Institut für Transfusionsmedizin und dem Cellular Therapy Centre des Instituts für Zelltherapeutika gemeinsam gebildet. Diese vier Einrichtungen sind akkreditiert.

Qualität wird begutachtet

Bei der JACIE-Akkreditierung wird von den Prüfern vor allem auf ein gut funktionierendes Qualitätsmanagement Wert gelegt. Während einer zweitägigen Begutachtung stellten sie anhand einer umfangreichen Checkliste fest, ob alle international definierten Kriterien erfüllt werden. Dazu gehören zum Beispiel die personelle und räumliche Ausstattung, die Qualifikation der Ärzte und Pflegekräfte sowie die Standardisierung der Abläufe rund um die Transplantation und deren Dokumentation. Zweieinhalb Jahre hatte sich die Interdisziplinäre Stammzelltransplantation der MHH auf die Akkreditierung vorbereitet. Es war für alle Beteiligten eine große Anstrengung, aber es hat sich gelohnt, sagt Professor Martin Sauer. Bei der Stammzelltransplantation arbeiten nicht nur die vier akkreditierten Einrichtungen zusammen. Darüber hinaus kooperiert die Interdisziplinäre Stammzelltransplantation mit vielen Partnern innerhalb und außerhalb der MHH, dazu gehören beispielsweise die Klink für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie, die Institute für Pathologie, Virologie, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, die MHH-Apotheke, das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register, das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Gesellschaft für Blut- und Knochenmarktransplantationen.

Hilfe bei vielen Erkrankungen

Stammzelltransplantationen werden vor allem bei Patienten durchgeführt, die an verschiedenen Formen von Leukämien und Lymphdrüsenkrebs sowie an Defekten der Blutbildung oder des Immunsystems leiden. Dabei wird zwischen der autologen und der allogenen Stammzelltransplantation unterschieden. Bei dem autologen Verfahren, das hauptsächlich bei Lymphdrüsenkrebs und bei Plasmozytomen einer Form von Lymphdrüsenkrebs, die das Knochenmark befällt angewendet wird, ist der Patient sein eigener Stammzellspender. Die Stammzellen werden mittels einer sogenannten Leukapherese aus seinem Blut gewonnen, eingefroren und später, nach einer Hochdosischemotherapie, dem Patienten wieder rückübertragen.

Für Patienten mit Hochrisikoleukämien ist das allogene Verfahren meist die einzige Heilungsmöglichkeit. Hierbei werden die gesunden Stammzellen von fremden Spendern, beispielsweise von Schwester, Bruder oder einem unverwandten Spender übertragen. Die Eignung eines Spenders wird zuvor durch Untersuchung von Gewebemerkmalen überprüft. Allogene Stammzellen können dann bei Gewebsverträglichkeit aus dem Knochenmark oder dem peripheren Blut oder auch aus Nabelschnurblut gewonnen werden. Die allogene Transplantation vom unverwandten Spender ist die häufigste Transplantationsart an der MHH. Vor jeder Stammzelltransplantation steht für den Patienten eine Chemo- und/oder Strahlentherapie, um die Krebszellen zu vernichten und das Anwachsen der fremden Stammzellen zu ermöglichen. Da hierunter auch das blutbildende System leidet oder zerstört wird, wird es durch die neuen, fremden oder eigenen Stammzellen ersetzt.

Jährlich etwa 180 Stammzelltransplantationen an der MHH

An der MHH werden pro Jahr etwa 90 erwachsene Patienten und 40 Kinder mit einer allogenen und etwa 50 Patienten mit einer autologen Stammzelltransplantation behandelt. Gerade bei Patienten mit akuten Leukämien und myelodysplastischen Syndromen haben wir an der MHH weit überdurchschnittliche Therapieerfolge mit der allogenen Stammzelltransplantation, erklärt Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation.


Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Martin Sauer, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Telefon (0511) 532- 6716, sauer.martin@mh-hannover.de, oder bei Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, Telefon (0511) 532-3020, ganser.arnold@mh-hannover.de.
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