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Asthma und Allergien bei Kindern

28.01.2004 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Immer mehr Kinder leiden unter Asthma und Allergien. Wie die vor allem in der westlichen Welt zu beobachtende stetige Zunahme zu erklären ist, welche Rolle etwa Lebensstil, Umwelt, Genetik und medizinische Versorgung bei der Entwicklung solcher Erkrankungen spielen und wie ihnen künftig gezielt vorgebeugt werden kann, wird seit Mitte der 90er Jahre im Rahmen einer großen bevölkerungsbezogenen Studie, der "International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC)" untersucht. Dass es sich bei dieser Studie, die seinerzeit vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM) mit initiiert wurde, um die umfangreichste epidemiologische Untersuchung aller Zeiten handelt, wird jetzt auch an der Aufnahme ins Guinness-Buch der Rekorde deutlich.

Phase I dieser weltweiten Studie wurde 1995 an 463.801 13- bis 14-Jährigen in 155 Kollaborationszentren in 56 Ländern auf fünf Kontinenten durchgeführt. Inzwischen ist die Datenerhebung der Phase III der ISAAC Studie abgeschlossen, die weltweite Auswertung läuft zur Zeit. Insgesamt haben seit 1995 mehr als eine Million Schulkinder in 260 Zentren in 99 Ländern am ISAAC Projekt teilgenommen. Als eines dieser Zentren war das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin des UKM von Anfang an maßgeblich an der Untersuchung beteiligt.

Ziel der Phase III ist es, eine neue zeitnahe Weltkarte zum Thema "Häufigkeit von Asthma und Allergien bei Kindern" zu erstellen. Die Weltkarte aus dem Jahre 1995 hatte gezeigt, dass bei den verschiedenen allergischen Erkrankungen weltweit 20- bis 60fache Unterschiede in der Häufigkeit dieser Erkrankungen bei Jugendlichen aufgetreten waren.

Ein weiteres Ziel der Phase III der ISAAC-Studie ist es, die zeitlichen Trends von 1995 bis heute zu erfassen. Diese Trendanalysen werden zur Zeit intensiv bearbeitet. Das ISAAC-Zentrum Münster gehört zu den wenigen Zentren, die schon heute über zeitliche Veränderungen bei der Häufigkeit allergischer Erkrankungen berichten können. In Münster ist der Anteil der Jugendlichen, die an Symptomen von Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis leiden, innerhalb von fünf Jahren auffällig gestiegen und zwar bei Mädchen mehr als bei Jungen, wie der münstersche Studienleiter und Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin des UKM, Prof. Ulrich Keil, betont.


Die Ursachen für diese Zunahme, die nicht nur in Münster, sondern auch in Zentren anderer westlicher Länder festzustellen ist, werden jetzt auf Grundlage der erhobenen Daten näher erforscht. Dabei geht es vor allem auch um eine Eingrenzung der Risikofaktoren. Von dem im Rahmen der ISAAC-Studie möglichen weltweiten Vergleich von Bevölkerungsgruppen, die unter ganz unterschiedlichen Bedingungen leben, erwarten die Experten wichtige Rückschlüsse auf mögliche Faktoren, die das Entstehen von Asthma und Allergien begünstigen. Diese Erkenntnisse wiederum sind eine wichtige Grundlage für eine gezielte Prävention.

Eine wichtige Handlungsempfehlung, die schon jetzt gegeben werden kann, ist eine möglichst rasche Reduktion des Rauchens. Denn während des Beobachtungszeitraums habe das Aktivrauchen bei den Jugendlichen weiter zugenommen, berichtet Keil von den Untersuchungen in Münster. Nachhaltig fordert er in diesem Zusammenhang eine Erschwerung des Zugangs zu Tabakprodukten und ein Verbot der Zigarettenwerbung. Auch dem zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen sollte entgegengewirkt werden. Genügend Sportunterricht in den Schulen sei hier besonders wichtig, betont der münstersche Epidemiologe und Sozialmediziner. Offenbar geht auch das Aufwachsen auf dem Lande oder gar auf dem Bauernhof mit einem geringeren Risiko für Asthma und Allergien bei Kindern und Jugendlichen einher.

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