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Zwei Drittel der Jugendlichen engagieren sich politisch

08.09.2014 - (idw) Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Nationale und internationale Politik interessiert die Jugendlichen am meisten. Die politischen Diskussionen finden vor allem auf WhatsApp, in den sozialen Medien und in der Familie statt. Minderjährige Jugendliche sind für die Senkung des Stimmrechtsalters und möchten vor allem mehr Angebote und Räume für eigene Aktivitäten. Insgesamt zwei Drittel der Jugendlichen engagieren sich politisch. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie «Scoop-it 2.0». Immer wieder wird der jungen Generation vorgeworfen, sich nicht für Politik zu interessieren, sich nicht aktiv am Gemeindeleben zu beteiligen und der Urne fernzubleiben. Ob Jugendliche tatsächlich so desinteressiert und einer politischen Partizipation abgeneigt sind, wurde in der Studie «Scoop-it 2.0» untersucht, die von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und dem Dachverband Schweizer Jugendparlamente DSJ herausgegeben wurde. Im Zentrum der Studie steht das Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen sowie ihre Interessen und ihre Bedürfnisse bei der politischen Partizipation.

Jugendliche sind laut der Studie nicht nur an politischen Themen interessiert, sondern diskutieren auch darüber, engagieren sich politisch und möchten selber aktiv etwas in ihrem Lebensum-feld verändern. Viele Erwachsene gerade auch Politikerinnen und Politiker sowie Behörden politisieren aber mit den gewählten Diskussions- und Informationskanälen an den Jugendlichen vorbei. Sie schenken den bevorzugten Medien der Digital-Native-Generation und ihren politischen Partizipationsbedürfnissen zu wenig Beachtung.

Hier ist ein grosses ungenutztes Potential vorhanden. Kinder und Jugendliche benötigen für sie geeignete Beteiligungsformen, um bei politischen und gesellschaftlichen Planungs- und Entscheidungsprozessen mitwirken zu können. Dies soll durch eine neue Online-Plattform möglich werden, die auf der Grundlage dieser Studie in Zusammenarbeit mit Jugendparla-menten entwickelt und im März 2015 online gehen wird. Jugendliche sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, eigene politische Ideen und Anliegen einzubringen.

Weitere Auskünfte:

Ovcina Cajacob Amina, Dr. phil.
Tel. +41 (0)81 286 37 24
amina.cajacob@htwchur.ch

Maurus Blumenthal, Geschäftsleiter Dachverband Schweizer Jugendparlamente
Tel. +41 79 394 52 86
maurus.blumenthal@dsj.ch

Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur mit ihren rund 1600 Studierenden ist eine regional verankerte Hochschule mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Sie bietet Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge in den Disziplinen «Ingenieurbau/Architektur», «Informationswissenschaft», «Management», «Multimedia Production», «Technik» sowie «Tourismus» an. Die HTW Chur betreibt in allen Fachbereichen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen an. Die gesamte Hochschule ist ISO 9001:2008 zertifiziert. Die HTW Chur ist seit dem Jahr 2000 Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz. Doch die Geschichte der Hochschule begann bereits 1963 mit der Gründung des Abendtechnikums Chur.

Die Wichtigsten Aussagen der Studie zusammengefasst:

Nationale und internationale Politik interessiert am meisten
Allgemein interessieren sich die Jugendlichen vor allem für die nationale und internationale Politik. Mit steigendem Alter nimmt das politische Interesse stark zu. Wenn Jugendliche sich über politische Themen informieren, dann konsumieren sie neben den Online-Newsportalen die klassischen Medien wie Fernsehen, Zeitungen und Radio. Die Teilnehmenden der Studie bevorzugen dabei kurze Texte (68%) und Erklärungsvideos (49%). Dies entspricht der Art und Weise, wie das Projekt easyvote Abstimmungsvorlagen aufarbeitet und vertreibt.

Politische Diskussionen via WhatsApp und in der Familie
Diskutiert wird bei den Jungen allgemein, aber auch über politische Themen mehrheitlich über Instant-Messaging-Gruppen wie WhatsApp oder über Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter. 80% der Jugendlichen verwenden Instant-Messaging-Applikationen täglich, 57% sind es bei den Social Media. Vor allem multimediale Plattformen werden von Minderjährigen viel häufiger genutzt als von den Volljährigen. Nicht nur die Medien, sondern auch das soziale Umfeld spielt bei politischen Diskussionen eine grosse Rolle. 80% aller Jugendlichen diskutieren innerhalb ihrer Familie über politische Themen. Ebenfalls diskutieren mehr als die Hälfe aller Jugendlichen mit Freunden über Politik.

Zwei Drittel der Jugendlichen engagieren sich politisch
Zwei Drittel der Jugendlichen engagieren sich politisch. Während die Minderjährigen in ihren Möglichkeiten des politischen Engagements eingeschränkt sind, bringen sie sich vor allem durch Diskussionen im Familien- und Freundeskreis ein. Für die Volljährigen ist Abstimmen/Wählen das politische Engagement, welches sie am meisten verwenden.

Zu wenig Zeit und zu kompliziert
Mehrheitlich geben diese Stimmenden/Wählenden ihre Stimme ab, um die direkte Demokratie zu nutzen, ihre eigene Meinung einzubringen oder weil sie der Auffassung sind, dass jede Stimme zählt. Die Gründe für die Stimmenthaltung von Jugendlichen sind vor allem praktische Gründe wie Zeitmangel, Formalitäten und Kompliziertheit. Mit dem vermehrten Einsatz von zielgerichteten, auf Jugendliche abgestimmte Medien und Kommunikationsmittel, könnte dieser Prozentsatz verkleinert werden. Hier setzt das Projekt easyvote vom DSJ an. Bei keiner der befragten Altersgruppen sind politische Ämter oder Mitgliedschaften in einer Partei beliebt.

Mehrheit der Jugendliche für Senkung des Stimmrechtsalters
Die Mehrheit der in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein befragten minderjährigen Jugendlichen begrüsst eine Senkung des Stimmalters. Mehr Mitbestimmung möchten alle Jugendlichen vor allem auf Gemeindeebene (45%) und auf nationaler Ebene (CH: 48%, FL: 54%) erhalten.

Mehr Angebote und Räume für eigene Aktivitäten
Die Hälfte aller Jugendlichen fühlt sich in ihrer Gemeinde wohl. Die andere Hälfte bringt Änderungswünsche an, wobei etwas mehr Jugendliche dieser Gruppe auch selber etwas verändern möchten. Wenn Jugendliche etwas in ihrer Wohngemeinde verändern möchten, dann bevorzugen sie vor allem mehr Angebote und Räume, bei denen sie selber aktiv werden können. Dagegen stören sich wenig Jugendliche an Verboten.

Potenzial für Online-Plattform vorhanden
Die Studie zeigt, dass das Bedürfnis nach einer solchen Online-Plattform vorhanden ist und rund ein Drittel der Jugendlichen sie nutzen würde. Die Hälfte der Jugendlichen ist unentschlossen, ob sie das Angebot verwenden würde. Das Potenzial für eine Online-Plattform ist somit vorhanden. Insbesondere dann, wenn sie für mobile Endgeräte konzipiert ist, das Lebensumfeld der Jugendlichen wie Freunde und Freundinnen sowie Familie integriert wird und auf Instant-Messaging-Applikationen setzt, zeigen sich Jugendliche bereit, die Plattform zu nutzen.

Zur Studie
Für diese Studie wurden im Zeitraum vom 25. März bis 20. April 2014 3398 Jugendliche vorwiegend im Alter zwischen 14 und 25 Jahren in Form einer Online-Umfrage befragt. Für die Umfrage wurden gesamte Schulklassen angefragt, damit nicht nur interessierte Jugendliche an der Umfrage teilnehmen. Obwohl die meisten Umfrageteilnehmer/innen aus vier Kantonen (GL, GR, SG, ZH) sowie aus dem Fürstentum Liechtenstein befragt wurden, haben die meisten Befunde wohl auch Gültigkeit für die gesamte Schweiz, da der Ausbildungshintergrund der Teilnehmer/innen dem Schweizer Durchschnitt entspricht. Ein grosser Teil der Umfrageteilnehmer/innen sind Schüler/innen der Oberstufe und der Berufsschule sowie von Gymnasien. Um einige Ergebnisse dieser Studie vertieft zu erforschen, findet eine qualitative Folgestudie statt, welche zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht wird.


Zum Projekt «Scoop-it 2.0»
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