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Aufklärung auf Italienisch

08.09.2014 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Historiker der Uni Jena gibt Buch über die italienische Aufklärung mit heraus Die italienische Aufklärung hatte eine erhebliche Wirkung auf das politische Denken im Europa des 18. Jahrhunderts, sagt Prof. Dr. Thomas Kroll von der Universität Jena. Meist werde das Zentrum der Aufklärung in Frankreich verortet, hinzu kommen noch Deutschland oder auch England. Aber Italien?

Der Historiker Thomas Kroll und sein Münchner Kollege Frank Jung sehen in Italien ein wichtiges Experimentierfeld der europäischen Aufklärung. Hier wurde beispielsweise durch Cesare Beccaria erstmals in Europa die Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Heftig wurde zudem im Zuge der korsischen Revolution einer Erhebung der Korsen gegen die Fremdherrschaft der Genueser über Verfassungsmodelle und -entwürfe gestritten. Dabei ging es auch um die Frage des gerechten Widerstandes gegen die Tyrannei.

Kroll spricht von der Zirkulation der Ideen im Zeitalter der Aufklärung, eine These, die zugleich Untertitel des neuen Buches Italien in Europa ist, das gerade erschienen ist. Veröffentlicht wurde das Buch in der Schriftenreihe des Laboratoriums Aufklärung der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Gemeinsam mit Frank Jung hat Kroll namhafte Wissenschaftler versammelt, die zur Aufklärung in Italien forschen. Thematisch knüpfen die Aufsätze an die Arbeiten des italienischen Historikers Franco Venturi an, der bereits in den 1950er Jahren die Außenwirkung der italienischen Aufklärer in Europa erforscht hatte. Im Fokus stehen dabei Namen wie Cesare Beccaria, Pietro Giannone und Carlo Antonio Pilati, Aufklärer, die vornehmlich in Mailand, Florenz und Neapel wirkten. Wobei dieses Wirken durch die Zensur und staatliche Repressionen stark eingeschränkt war.

Grund für den restriktiven Umgang mit den Büchern war oftmals der Antiklerikalismus der Autoren. So traten Pilati und Giannone für die strikte Trennung von Staat und Kirche ein. Vermittler ihrer Ideen waren Verlage und Akademien und jene Zirkel von Gelehrten, die dem intellektuellen Austausch offen gegenüber standen. Auf diesem Wege entfalteten die Bücher dennoch erhebliche Wirkung. Einige wurden ins Französische übersetzt, wodurch der Austausch auch über Landesgrenzen erleichtert wurde. Leider gab es vergleichsweise wenige Übersetzungen ins Deutsche, weshalb die Rezeption der Ideen ihre Grenzen hatte, sagt Thomas Kroll. Eine Tatsache, die bis in die heutige Zeit gültig ist. So verstehen Jung und Kroll ihren Band selbst als Beitrag zur Zirkulation der Ideen: Das Buch enthält Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht nur aus Deutschland, sondern aus Italien, Frankreich, der Schweiz und den USA, alle auf Deutsch. Auch in Italien gebe es schon großes Interesse an dem Band, so Thomas Kroll. Auf dass die Ideen weiter zirkulieren mögen.

Bibliographische Angaben:
Frank Jung, Thomas Kroll (Hg.): Italien in Europa. Die Zirkulation der Ideen im Zeitalter der Aufklärung, (Laboratorium Aufklärung, Band 15), Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2014, 316 Seiten, 39,90 Euro, ISBN: 978-3-7705-5087-6

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Kroll
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944460
E-Mail: thomas.kroll[at]uni-jena.de Weitere Informationen:http://www.uni-jena.de
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