Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 19. Oktober 2017 

Klassik Stiftung lädt zu Vortragsreihe mit Philipp Blom, Gangolf Hübinger und Ulrich Sieg ein

12.09.2014 - (idw) Klassik Stiftung Weimar

Im Rahmen der Ausstellung »Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914« lädt die Klassik Stiftung zu einer Vortragsreihe mit Philipp Blom, Gangolf Hübinger und Ulrich Sieg im Neuen Museum Weimar ein. Ausgehend von der Rolle Weimars als Hort der deutschen Kultur am Vorabend und während des Ersten Weltkrieges setzen sich die renommierten Wissenschaftler und Publizisten in drei Vorträgen mit den Wechselwirkungen von Krieg und Kultur auseinander. Das Vortragsprogramm wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Am Donnerstag, 25. September, um 18 Uhr spricht Philipp Blom zum Thema »Aufbruch und Umbruch 1914: Europäische Intellektuelle und die Moderne«. Die umfassenden Neuerungen der Industrialisierung und Urbanisierung Europas gaben einem alten Menschheitstraum ein anderes Gesicht: Sowohl vor als auch nach 1914 wurde der »Neue Mensch« zu einem wichtigen Topos der kulturellen und philosophischen Debatte. Das Kriegserlebnis war dabei ein entscheidender Wendepunkt, der den alten Traum vom neuen Menschen radikal veränderte von einem fast grenzenlosen Optimismus hin zu einer abgrundtiefen Ambivalenz.

Philipp Blom studierte in Wien und Oxford und wurde anschließend im Fach Geschichte promoviert. Zusätzlich zu seiner publizistischen Arbeit ist er journalistisch tätig und moderiert die Sendung »Von Tag zu Tag« im Radioprogramm Ö1 des Österreichischen Rundfunks. Sein Buch »Der taumelnde Kontinent. Europa 19101914« wurde vielfach ausgezeichnet, in zehn Sprachen übersetzt und als Fernseh-Dokumentarserie auch in Deutschland
ausgestrahlt.

Gangolf Hübinger widmet sich am Donnerstag, 2. Oktober, um 18 Uhr dem Thema »Die Intellektuellen und der Kulturkrieg«. Sofort nach Kriegsausbruch sind Wissenschaftler, Journalisten,
Schriftsteller und bildende Künstler aller kriegsführenden Nationen wortmächtig zur Stelle. Nur wenige bekämpfen den Krieg aus einer pazifistischen Werthaltung heraus. Die große Mehrheit
der Intellektuellen verschreibt sich dem »Kampf mit der Feder«, verleiht dem Krieg einen höheren Sinn, rechtfertigt die militärischen Zerstörungen und führt einen »Kulturkrieg« in markanten
Freund-Feind-Unterscheidungen. Der Vortrag widmet sich der Frage, wie sie dies an der Heimatfront tun, vornehmlich im Deutschen Reich, aber auch in Frankreich und England. Daneben spricht Hübinger einen dritten Intellektuellentypus an: die engagierten Beobachter, die die mobilisierende Kraft ihrer Rede mit distanzierter Kritik an den maßlosen Kriegszielen und an den innenpolitischen Verhältnissen verbinden. Als der Jenaer Verleger Eugen Diederichs 1917 auf Burg Lauenstein Kulturtagungen zur Neuordnung Deutschlands und Europas veranstaltet, treten diese gegensätzlichen Positionen unmittelbar aufeinander.

Gangolf Hübinger ist seit 1994 Professor für vergleichende Kulturgeschichte der Neuzeit an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Zu seinem Werk zählen zahlreiche Publikationen zur Intellektuellen-, Ideen- und Wissenschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Jüngst erschienen »Über die Aufgaben des Historikers« (2012) und »Europäische Wissenschaftskulturen und politische Ordnungen in der Moderne« (2014).

Am Donnerstag, 30. Oktober, um 18 Uhr widmet sich der Historiker und Publizist Ulrich Sieg unter dem Titel »Geist und Gewalt« der Frage, wie sich der »Krieg der Geister« in die deutsche Ideengeschichte einordnen und deuten lässt. Der Erste Weltkrieg wurde lange primär als Ende des durch bürgerliche Sicherheit geprägten 19. Jahrhunderts interpretiert. Mittlerweile hat diese Deutungsperspektive jedoch viel von ihrer Überzeugungskraft eingebüßt. Schon 1914 begannen neue Entwicklungen, die auf das anbrechende Zeitalter der Ideologien verwiesen. Viele Intellektuelle spürten den Umbruch, konnten ihn aber noch nicht hinreichend auf den Begriff bringen. Ihre Haltung zum Krieg und vor allem die rasante Verschärfung der weltanschaulichen Auseinandersetzungen sind Gegenstand des Vortrags.

Schwerpunkte der Forschungen Ulrich Siegs sind die Universitäts und Wissenschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, die Politische Ideengeschichte seit 1800, die Geschichte des deutschen Judentums im Kaiserreich und der Weimarer Republik sowie die Geschichte des Antisemitismus. »Geist und Gewalt. Deutsche Philosophen zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus« erschien 2013 bei Hanser.

Noch bis zum 9. November beleuchtet die Ausstellung »Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914« im Neuen Museum den Erste Weltkrieg als »Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts« (George Kennan) und die ihm vorausgehenden ideologischen Kontroversen. Im Fokus stehen Weimar in der Zeit von 1900 bis 1918 und seine besondere Rolle als Identifikationsort der deutschen Kultur. Ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Lesungen, Sonderführungen und Vorträgen flankiert die Ausstellung.

Veranstaltungsdaten
»Aufbruch und Umbruch 1914: Europäische Intellektuelle und die Moderne«
Vortrag von Philipp Blom
Donnerstag, 25. September 2014 | 18 Uhr

»Die Intellektuellen und der Kulturkrieg«
Vortrag von Gangolf Hübinger
Donnerstag, 2. Oktober 2014 | 18 Uhr

»Geist und Gewalt«
Vortrag von Ulrich Sieg
Donnerstag, 30. Oktober 2014 | 18 Uhr

Ort:
Neues Museum Weimar | Weimarplatz 5 | 99423 Weimar

Ausstellungsdaten
»Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914«
1. August bis 9. November 2014 | MiMo 1018 Uhr
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 | 99423 Weimar Weitere Informationen:http://www.klassik-stiftung.de/2014http://www.blog.klassik-stiftung.dehttp://www.klassik-stiftung.de/uploads/tx_lombkswmargcontent/KSW_KDG_PROG_web_01...
uniprotokolle > Nachrichten > Klassik Stiftung lädt zu Vortragsreihe mit Philipp Blom, Gangolf Hübinger und Ulrich Sieg ein
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/284229/">Klassik Stiftung lädt zu Vortragsreihe mit Philipp Blom, Gangolf Hübinger und Ulrich Sieg ein </a>