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Future Security in Berlin: Status quo der zivilen Sicherheitsforschung in Deutschland und in Europa

15.09.2014 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Wie sich Naturkatastrophen, Großunfälle oder Cyber-Attacken erfolgreich bewältigen lassen und sich Notfallplaner auf unvorhersehbare Ereignisse vorbereiten können, diskutieren führende internationale Experten aus Forschung, Industrie und Politik auf der Sicherheitsforschungskonferenz »Future Security« vom 16. bis 18. September 2014 in Berlin. Die zivile Sicherheitsforschung in Deutschland und Europa hat in ihrer noch jungen Geschichte viele Wissenschaftsdisziplinen integriert, die in Forschungsverbünden technologische und konzeptionelle Lösungen entwickeln. Die Konferenz bietet einen Überblick über das gesamte Spektrum: von der urbanen Sicherheit über die Luftfahrt bis hin zur Cyber Security.

Die Sicherheitsforschungskonferenz »Future Security«, die zum neunten Mal stattfindet, entwickelt sich zu einer internationalen Plattform. Hier tauschen sich hochrangige Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft sowie aus den relevanten Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden zu den aktuell wichtigsten Themen, Fragen und Lösungen im Bereich der zivilen Sicherheit aus: Wie können wir in Zukunft unsere Gesellschaft vor Bedrohungen durch Klimaveränderungen, Naturkatastrophen, Terrorismus und Großunfälle schützen? Wie sorgen wir dafür, dass unsere hochentwickelten Technologien selbst bei Störungen jedweder Art schnell wieder funktionieren? Auch in welchen weiteren Themenfeldern hoher Forschungsbedarf besteht, diskutieren 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 18 Nationen. Die Schirmherren der Konferenz sind das Bundesministerium der Verteidigung BMVg gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF.

Wichtige Impulse für die Forschung kommen in diesem Jahr aus den USA. Es geht den Experten nicht nur darum, Bedrohungen zu verhindern, sondern vor allem darum besser vorbereitet zu sein. »Wir nehmen einen neuen Blickwinkel auf das Thema Sicherheit ein. Unser Motto ist: Biegen statt brechen, anpassen statt abschotten. Dieser Ansatz unter dem Begriff »Resilienz« soll uns in Zukunft dazu anleiten, mögliche Gefahren einzuplanen, um im Notfall vorbereitet zu sein. »Resilienz« bedeutet die Resistenz von Systemen gegen Angriffe, aber auch ihre Fähigkeit, diese einzukalkulieren, sie zu verkraften und möglichst schnell wieder in den Urzustand zurückzukehren,« sagt der Chairman der Konferenz Prof. Dr. Klaus Thoma, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI und Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS.

Ein Highlight der diesjährigen Konferenz sind die beiden Keynote-Redner aus den USA: Der ehemalige Vize-Chef der Federal Emergency Management Agency, Mr. Richard Serino hat den gesamten Einsatz zur Bewältigung der Auswirkungen des Hurricane Sandy 2012 verantwortet, die im Großraum New York entstanden sind. Er berichtet über das enge Zusammenwirken von Akteuren und Netzwerken, das eine resiliente Gesellschaft auszeichnet. Für erfolgreiche Rettungsaktionen war die effiziente Koordination der Einsatzkräfte entscheidend. Wie sich verschiedene Regierungsinitiativen und Strategien zu Krisenmanagement sowie Resilienz auf allen politischen Ebenen Bund, Staaten, Kommunen umsetzen lassen, erklärt Caitlin Durkovich. Sie wurde 2012 von Präsident Obama zur Assistant Secretary for Infrastructure Protection im Department of Homeland Security (DHS) ernannt.

Mehr Sicherheit bei Fußballspielen

In Deutschland besuchten 2012/13 über dreizehn Millionen Menschen die Fußballspiele der Bundesliga. Für die An- und Abreise zum Stadion nutzen die Fans stark vernetzte urbane Infrastrukturen. Die Sicherheit auf Veranstaltungen dieser Größenordnung gewährleisten öffentliche und private Sicherheitsakteure. Ziel des Projekts ist es, ihre Kommunikationsstrukturen und -strategien zu verbessern. Um die Abstimmung zwischen Fußballklubs, Polizeibehörden, privaten Sicherheitskräften und städtischer Verwaltung zu optimieren, entwickeln Wissenschaftler unter anderem eine Kommunikationsplattform. Damit sollen künftig alle Beteiligten notwendige Informationen erhalten und auch aus ihrem jeweiligen Bereich zur Verfügung stellen. An dem Projekt arbeiten die Fraunhofer-Institute für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Deutsche Hochschule der Polizei sowie Airbus Defence and Space. Das Projekt SiKomFan wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF finanziert (http://www.sikomfan.de/).

EU-Projekt DRIVER: Krisen in Europa managen

Hochwasser, Schneestürme oder Tsunamis können weite Flächen betreffen. Schnelle Hilfe ist nur möglich, wenn die Rettungskräfte grenzüberschreitend wissen, was passiert ist, wie die Gesamtsituation einzuschätzen ist und wie eine geeignete Koordination aussehen kann. Im EU-Projekt »Driving Innovation in Crisis Management für European Resilience DRIVER« entwickeln Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen und Bürgern neue Technologien für das Krisenmanagement im Katastrophenfall. An dem Projekt mit einem Gesamtbudget von 46,2 Mio Euro sind 37 europäische Partner beteiligt. Das Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich technische Trendanalysen INT übernahm verschiedene inhaltliche Aufgaben sowie die wissenschaftliche Gesamtkoordination des Projekts.

Die Kollegen am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO leiten das Teilprojekt zum Thema »Zivile Resilienz«. Dabei geht es zum einen darum, die Bevölkerung besser über Krisensituationen zu informieren und sie ins Krisenmanagement einzubeziehen, zum anderen sollen städtische Institutionen ihre Fähigkeiten in Krisensituationen umfassender einbringen können.

Ziel der Kooperationspartner ist es, Effektivität und Zusammenarbeit im europäischen Krisenmanagement zu verbessern. Dazu bauen sie eine europaweit verteilte Testumgebung auf, in der neue Lösungsansätze in den verschiedensten Szenarien auf ihren Mehrwert und ihre Kosteneffizienz experimentell getestet und an den Bedarf angepasst werden. Die Testumgebung umfasst Krisenübungsgelände, Modellierung- und Simulationsanteile sowie eine angepasste Methodik.

Containersicherheit erhöhen durch berührungslose 3D-Inspektion im Hafenterminal

Nicht nur der weltweite Warenverkehr ist stark gestiegen, auch die Bedrohung durch Terrorismus und organisierte Kriminalität. Gefährliche Güter und Schmuggelware müssen schnell und zuverlässig aufgespürt werden. Eine besondere Herausforderung für Häfen auf der ganzen Welt ist das H.R.1 Gesetz, auch bekannt als »100%-Scanning-Gesetz« der USA. Dieses schreibt vor, dass alle Container mit dem Transportziel USA im Ausgangshafen mit bildgebender Technologie untersucht und auf Radioaktivität überprüft werden müssen. Wie eine mögliche Umsetzung dieses Gesetzes aussehen kann, wurde beispielhaft am Containerterminal Bremerhaven untersucht. Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderten Projekts ECSIT »Erhöhung der Containersicherheit durch berührungslose Inspektion im Hafenterminal« entwickelten Forscher gemeinsam mit Industriepartnern ganzheitliche Konzepte für die großen Umschlagplätze von Waren aus aller Welt. Die Experten berücksichtigten dabei sämtliche Zuständigkeiten, Beteiligte, Verantwortlichkeiten, die nationale und internationale Gesetzgebung, Abläufe sowie Kosten und Technologien. Forscherteams vom Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT, einem Bereich des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, und vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI untersuchten beispielsweise, inwieweit die 3D-Röntgenbildgebung bei Seefrachtcontainern eingesetzt werden kann. Ein Folgeprojekt, in dem unterschiedliche Methoden zur Inspektion von Containern bis zur Marktreife entwickelt werden, wurde im Rahmen von Horizon 2020 beantragt. Ein zentraler Bestandteil des

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