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Große Ehre für Neurobiologin

16.09.2014 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Für ihr herausragendes Lebenswerk hat Charlotte Helfrich-Förster die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille der Deutschen Zoologischen Gesellschaft verliehen bekommen. Die Professorin für Neurobiologie an der Universität Würzburg erforscht Innere Uhren. Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Die Deutsche Zoologische Gesellschaft vergibt die Auszeichnung alle zwei Jahre. Sie ist für herausragende wissenschaftliche Lebenswerke bestimmt, die mehrere biologische Disziplinen integrieren und von breiter Bedeutung sind.

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und gestiftet vom Inter-Research-Wissenschaftsverlag (Oldendorf / Luhe) und dessen Inhaber, Professor Otto Kinne. Er wurde in diesem Jahr zum 17. Mal verliehen; Preisträgerin ist die Neurobiologin Charlotte Helfrich-Förster (57). Die Professorin am Biozentrum der Universität Würzburg bekam die Auszeichnung am 13. September verliehen, bei einem Festakt auf der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Göttingen.

Herausragende Erkenntnisse zur Chronobiologie

Charlotte Helfrich-Förster erhält den Preis für ihre herausragenden Arbeiten zur Chronobiologie. In diesem Fachgebiet geht es um die zeitliche Organisation von Lebensvorgängen. Die Professorin untersucht hauptsächlich bei Tieren und vor allem an der Taufliege (Drosophila melanogaster), wie Innere Uhren auf molekularer und neuronaler Ebene tagesrhythmische Prozesse steuern. Die Erkenntnisse, die sie an der Taufliege gewann, scheinen allgemein für alle Tiere zu gelten.

Im Gehirn der Insekten wies die Würzburger Forscherin ein Netzwerk aus einer Vielzahl von Uhrneuronen nach. Diese spezialisierten Nervenzellen erzeugen Oszillationen, die einem 24-Stunden-Rhythmus folgen, mit dem Tag-Nachtrhythmus der Außenwelt abgestimmt werden und so rhythmisches Verhalten steuern.

Die bahnbrechende Entdeckung war, dass das neuronales Uhrnetzwerk im Fliegengehirn nicht nur nachgewiesen und neurochemisch charakterisiert wurde, sondern auch in verschiedene Uhrneurone mit spezifischer Funktion zerlegt werden konnte, heißt es in der Laudatio der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. Eine Gruppe von Uhrneuronen steuert zum Beispiel die Aktivitätsphase am Morgen, während eine andere für die Aktivität am Abend zuständig ist.

Zusätzlich unterscheiden sich die Morgen- und Abend-Oszillatorzellen in ihrer Reaktion auf Licht, das als wichtigster Zeitgeber der Umwelt die Innere Uhr auf den 24-Stunden-Tag synchronisiert. Dadurch können sich die Schlaf- und Wachrhythmen an die Jahreszeiten anpassen: Im Frühling und im Herbst rücken die Morgen- und Abendaktivitäten der Fliege näher zusammen, während sie im Sommer durch eine lange Siesta getrennt bleiben.

Weitere Auszeichnungen der Neurobiologin

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt Charlotte Helfrich-Förster bereits mehrere Auszeichnungen: 1986 den Attempto-Preis für Neurobiologische Forschung der Universität Tübingen; 2003 den ,,Aschoffs Ruler"-Pokal; 2005 den Aschoff-Honma-Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Biologischen Rhythmusforschung, 2011 die J. Ariens-Kappers-Medaille der European Biological Rhythms Society. Ihre erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn zeugt von großer Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin und Leidenschaft für ihr Fach und ist ein Beispiel für den wissenschaftlichen Nachwuchs, unbeirrt seinen Weg zu verfolgen, wie es in der Laudatio heißt.

Wissenschaftlicher Werdegang der Preisträgerin

Charlotte Helfrich-Förster begann ihre wissenschaftliche Laufbahn mit dem Studium an den Universitäten Stuttgart und Tübingen. Inspiriert von ihrem Mentor Wolfgang Engelmann, wurde die Chronobiologie bereits zum zentralen Thema ihrer Diplom- und Doktorarbeit (1985).

Trotz einer mehrjährigen Auszeit zu Gunsten ihrer Familie gelang es der Biologin, Kontakt zur Wissenschaft zu halten und, allen Widrigkeiten zum Trotz, in der Wissenschaft auch wieder Fuß zu fassen. Wegbereiter dafür waren mehrere Stipendien: ein Wiedereinstiegsstipendium aus dem Hochschulsonderprogramm ll, ein Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), ein Margarete-von-Wrangell-Habilitationsstipendium des Landes Baden-Württemberg.

Im Jahr 2000 habilitierte sich Helfrich-Förster im Fach Zoologie an der Universität Tübingen. Gleich im Anschluss übernahm sie eine Vertretungsprofessur in Regensburg, die dann aufgrund ihrer herausragenden Arbeiten in eine dauerhafte C3-Professur umgewandelt wurde (2001-2009).

2009 folgte sie dem Ruf auf den Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik am Biozentrum der Universität Würzburg. Hier setzte sie 2012 mit der Etablierung des DFG-Sonderforschungsbereichs Insect timing: mechanisms, plasticity and interactions einen neuen Schwerpunkt in der Forschung über die Neurobiologie der lnsekten.


Weitere Würzburger Preisträger

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft vergibt die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille seit 1980. Charlotte Helfrich-Förster ist die mittlerweile vierte Persönlichkeit der Universität Würzburg, die ihn erhält. Die weiteren Würzburger Preisträger sind die Professoren Martin Heisenberg (2006), Bert Hölldobler (1996) und Martin Lindauer (1986).

Kontakt

Prof. Dr. Charlotte Helfrich-Förster, Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik, Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 31-88823, charlotte.foerster@biozentrum.uni-wuerzburg.de
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