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Für Andrew Demshuk wurde der Traum vom Humboldt-Stipendium wahr

18.09.2014 - (idw) Universität Leipzig

"Ein Humboldt-Stipendium zu bekommen war immer mein großer Traum." Für Dr. Andrew Demshuk ist er in Erfüllung gegangen. Unterstützt durch die Alexander von Humboldt-Stiftung kann der Amerikaner nun ein Jahr lang seinem Forschungsprojekt nachgehen: Ein Vergleich des Wiederaufbaus und der Stadtplanung in Leipzig, Frankfurt am Main und Wrocaw, dem früheren Breslau, nach 1945. "Alle drei Städte waren Teil des vereinten Deutschlands vor 1945 und haben nach dem Krieg unterschiedliche Entwicklungen genommen", berichtet Demshuk in nahezu akzentfreiem Deutsch. Der Historiker untersucht, wie sich die Erinnerung an die Vorkriegsgeschichte im Städtebau in den unterschiedlichen politischen Systemen und Gesellschaften darstellte und wie die Menschen mit der Vergangenheit des Naziregimes umgingen, welche Spannungen herrschten und wie Flucht und Vertreibung erfahren wurden.

Es ist nicht sein erster Aufenthalt in Leipzig. Bereits 2006 konnte er mit Unterstützung des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig ein Projekt bearbeiten, bei dem es um die Geschichte von Menschen ging, die als Deutsche nach dem Krieg Schlesien verlassen mussten. Damals habe er zahlreiche Gespräche mit Vertriebenen geführt. "Dabei haben mir viele gesagt, dass die Polen die vom Krieg zerstörten Städte schöner restauriert hätten als dies in Deutschland oftmals der Fall gewesen sei", erinnert sich Demshuk, der an der University of Alabama in Birmingham als Juniorprofessor für Geschichte tätig ist. "In Amerika ist die Geschichte von Flucht und Vertreibung kaum bekannt", fügt er hinzu. So sei ihm die Idee zu dem neuen Forschungsansatz gekommen.

Bei dem derzeitigen Projekt ist Demshuk in erster Linie in den Archiven zu finden. "Die Deutsche Nationalbibliothek, das Sächsische Staatsarchiv, das Stadtarchiv und die Bestände des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig sind reiche Quellen." Die Zeit seines Aufenthalts in Deutschland will er aber auch dazu nutzen, um unter anderem ins Bundesarchiv nach Koblenz und Berlin zu fahren sowie dem Evangelischen Zentralarchiv in Berlin einen Besuch abzustatten. Bis Ende Juni kommenden Jahres will er in Leipzig bleiben - "Und unbedingt das Bachfest erleben!" - Anschließend möchte er noch einen Monat in Marburg verbringen, um auch im dortigen Archiv zu recherchieren. "Ende August muss ich wieder in Birmingham sein, weil die Lehrveranstaltungen dann wieder losgehen."

Bedenkt man die viele Zeit, die Andrew Demshuk in Archiven verbringt, könnte man ihn leicht für einen durchgeistigten Stubenhocker halten. Doch das wäre weit gefehlt: Bei früheren Aufenthalten in Deutschland ist er mit dem Rad an Neckar, Rhein, Donau und Lahn entlanggefahren, Wanderungen führten ihn unter anderem in den Harz und die Alpen. Vom luxemburgischen Schengen aus ging er zu Fuß bis nach Koblenz - über 200 Kilometer. Und auch jetzt will er freie Zeit zu Ausflügen per pedes oder mit dem Fahrrad nutzen. "Was ich wirklich gerne machen würde: den Oder-Neiße-Radweg bis nach Stettin fahren", sagt er.

Erstmals außerhalb der USA und Kanadas war Demshuk 2001 auf Reisen. "Innerhalb von dreieinhalb Wochen war ich mit Freunden in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und der Tschechischen Republik", sagt er. Inzwischen stehen Polen, die Russische Föderation, die baltischen Staaten, Ungarn, England und Finnland ebenfalls auf seiner persönlichen Landkarte.

Gemeinsam mit seiner Frau Rebecca Mitchell, die Abschlüsse sowohl als Musikwissenschaftlerin als auch als Historikerin in Geschichte Russlands und der Sowjetunion hat, würde er gerne einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren. Nicht nur die Liebe zum Reisen, auch die Liebe zur Musik teilt er mit seiner Frau, die er während der gemeinsamen Studienzeit in Illinois kennengelernt hat. "Bach, Beethoven, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy, aber auch die großen russischen Komponisten wie Schostakowitsch, Tschaikowski oder Mussorgski sowie Mieczysaw Weinberg, der Schöpfer der Holocaust-Oper 'Die Passagierin'", zählt er seine Favoriten auf. Kein Wunder also, dass man ihn nicht nur im Archiv, sondern auch immer wieder mal am Samstag in der Thomaskirche treffen kann, wenn die Thomaner die Motetten singen.


Jörg Aberger

Weitere Informationen:

Dr. Andre Demshuk
Humboldt-Stipendiat
Telefon: +49 341 97 35588
E-Mail: demshuk@uab.edu
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