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Rhein-Ruhr-Region läuft bei Unternehmensgründungen Berlin, Hamburg und München meist noch hinterher

19.09.2014 - (idw) Universität Witten/Herdecke

Dr. Thilo Pukall fordert mehr Engagement von regionaler Wirtschaft, Banken und Landespolitik Der Deutsche Startup Monitor analysiert einmal im Jahr verschiedene Daten rund um das Thema Unternehmensgründungen. Erstmals wurde in den Bericht für das Jahr 2014 neben den etablierten Gründungszentren Berlin, Hamburg und München auch die Metropolregion Rhein-Ruhr aufgenommen. Die Analyse zeigt: Wir haben an einigen Stellen noch deutlichen Nachholbedarf, sagt Dr. Thilo Pukall vom Entrepreneurship Zentrum Witten (EZW) der Uni Witten/Herdecke. Allerdings ist es ein Erfolg, dass wir mittlerweile überhaupt als Gründungsregion wahrgenommen werden. Ziel des erst in diesem Jahr gegründeten EZW ist es, im Ruhrgebiet ein tragfähiges Netzwerk sowie die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um innovationsorientierte Unternehmensgründungen aus dem Kontext der Hochschulen zu erleichtern und ihre Anzahl und Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Dass derartige Anstrengungen notwendig sind, zeigt ein Blick in den Startup Monitor, der alljährlich vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk KPMG herausgegeben wird. So landeten Startups aus der Rhein-Ruhr-Region beim durchschnittlichen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr im Vergleich der vier Regionen hinter Berlin, München und Hamburg nur auf dem letzten Platz. Allerdings gaben 5,1 Prozent der hiesigen Neugründungen an, in diesem Zeitraum einen Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro erzielt zu haben. Nur in Berlin schafften das mehr junge Unternehmen (9,4 Prozent), in Hamburg und München waren es 4,9 beziehungsweise 2,8 Prozent. Der größte Teil der Startups an Rhein und Ruhr (56 Prozent) erzielte jedoch einen vergleichsweise geringen Umsatz zwischen einem und 250.000 Euro. Auch bei der durchschnittlichen Anzahl der von 12-Months-Startups (Unternehmen, die jünger als ein Jahr sind) beschäftigten Mitarbeiter landete die Region mit 1,7 hinter Berlin (5,5), Hamburg (3,3) und München (1,8) auf dem letzten Platz. Die Statistik zeigt aber auch Lichtblicke, sagt Dr. Thilo Pukall. Nur 2,6 Prozent der hiesigen Startups haben im vergangenen Geschäftsjahr gar keinen Gewinn gemacht. Damit liegen wir in dieser Kategorie deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10 Prozent, aber auch vor Berlin mit 10 Prozent, Hamburg mit 9,8 Prozent und München mit 5,6 Prozent.

Die Tendenz zu Teamgründungen, die Startups in der Regel erfolgreicher macht, ist in der Rhein-Ruhr-Metropole nicht so ausgeprägt wie in den klassischen Gründungsregionen. Bei den 12-Months-Startups gründeten in der Region lediglich knapp 63 Prozent im Team, fast 37 Prozent versuchten es allein. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (77 Prozent Teamgründungen). Spitzenreiter bei den Gründungen im Team ist Hamburg (94 Prozent) vor Berlin (82 Prozent) und München (78 Prozent). Statistisch gesehen erhöht sich die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups, wenn sie von mehr als einer Person gegründet werden, erläutert Dr. Thilo Pukall. Durch die geschickte Kombination der Gründer-Kompetenzen wird nicht nur der Markteintritt einfacher, sondern auch der durchschnittlich erzielte Umsatz höher. Ein Grund für die vergleichsweise geringe Anzahl der Teamgründungen an Rhein und Ruhr könne die oftmals noch unzureichende Vernetzung der beteiligten Akteure sein. Dr. Pukall: Unter anderem aus diesem Grund haben wir das EZW gegründet. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Verbesserung der Gründungsbedingungen vor Ort, brauchen dabei aber trotzdem auch einen langen Atem.

Problematisch ist für junge Unternehmen der Region vor allem die Beschaffung der notwendigen Finanzmittel. Während sich im Bundesdurchschnitt 21,4 Prozent der Startups unter anderem mit Hilfe von Risikokapitalgebern finanzierten, waren es an Rhein und Ruhr nur 20,6 Prozent (Berlin 27,9 Prozent, München 24,3 Prozent, Hamburg 16,7 Prozent). Auch die Politik der Landesregierung im Hinblick auf die Förderung des Bundeslandes als Gründerstandort bewerteten die hiesigen Unternehmen kritisch in dieser Statistik landete NRW lediglich auf dem 13. Platz. Bundesweit stellte auch der schwierige Zugang zu Bankkrediten für rund 44 Prozent der befragten Startups ein schwerwiegendes Hemmnis dar. Dr. Pukall: Es ist sehr wichtig, dass sich regionale Wirtschaft, Banken, Landespolitik und Hochschulen für ihre Startups engagieren. Sie alle profitieren letztendlich von ihrer Innovationskraft.

Zum Hintergrund:
Im Deutschen Startup Monitor (DSM) werden nicht alle Unternehmensgründungen in Deutschland, sondern lediglich Startups analysiert. Laut dieser Definition sind Startups jünger als zehn Jahre und mit ihrer Technologie oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ, zudem haben oder streben sie ein signifikantes Mitarbeiter- oder Umsatzwachstum an. Mit dieser Definition grenzt der DSM den Startup-Begriff deutlich von Bezeichnungen wie Existenzgründung, klassische Gründung und KMU ab. Im Bericht heißt es: Startup-Gründer sind keine Existenzgründer, die aus der Not heraus oder aufgrund fehlender Erwerbsalternativen gründen. Startup-Gründer sind Entrepreneure. Sie suchen nach Marktlücken, entwickeln neue Technologien, kreieren neue Geschäftsmodelle und optimieren Wertschöpfungsketten.


Weitere Informationen: Dr. Thilo Pukall, 02302 / 915-169 oder thilo.pukall@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.825 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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