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Premiere im Watt

24.09.2014 - (idw) Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Erste Stipendiaten feiern ihren Abschluss am Centre of Excellence in Observational Oceanography am Alfred-Wegener-Institut List/Sylt, den 24. September 2014. Zum ersten Mal feiern morgen am Alfred-Wegener-Institut (AWI) zehn junge Meereswissenschaftler ihren Abschluss am Centre of Excellence in Observational Oceanography, einem Stipendienprogramm der japanischen Nippon Foundation und dem Konsortium der großen ozeanographischen Forschungsinstitutionen (POGO - Partnership for Observation of the Global Oceans). Zehn Monate waren die Stipendiaten aus Afrika, Asien, Südamerika und der Karibik zu Gast an den AWI-Inselstandorten auf Helgoland und Sylt, um sich in verschiedenen Bereichen der Meereswissenschaften weiterzubilden. Drei von ihnen werden anschließend in Europa promovieren. Für sieben geht es zurück in die Heimat, um ihr neuerworbenes Wissen dort einzusetzen und weiterzugeben. Die feierliche Abschlusszeremonie findet morgen im Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt statt.

Bangladesch, Tansania, Trinidad und Tobago, das sind drei der zehn Schwellenländer aus denen die Stipendiaten kommen und die vor allem eines verbindet: Ihre Bewohner sind angewiesen auf das Meer als Arbeitsplatz, Existenzgrundlage und Lebensmittellieferant. Zu erforschen, wie sich das Leben vor den Küsten ihrer Heimatländer verändert, ist für die Nachwuchswissenschaftler deshalb nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive interessant: Ihre Ergebnisse können in Zukunft von großer gesellschaftlicher Relevanz sein.

Joeline Ezekiel aus Tansania beispielsweise will ihr neuerworbenes Wissen direkt an ihre Studenten weitergeben. Ich möchte vor allem Masterstudenten und Doktoranden helfen, die sich genauso wie ich dafür interessieren, mit Hilfe von Fernerkundung den Ozean zu erforschen. Aber ich plane auch Schüler für die Meeresforschung zu begeistern und eine Ozeankolumne für eine unserer nationalen Zeitungen zu schreiben, erzählt sie.

Die Nippon Foundation und POGO haben sich zum Ziel gesetzt, junge Meeresforscher wie Joeline Ezekiel zu fördern. Wir möchten lokalen, einheimischen Experten zum einen die Möglichkeit geben, sich international weiterzubilden und zum anderen dieses Wissen wieder in ihre Heimatländer zu tragen. Denn dort fehlt es oftmals an Mitteln, um den Lebensraum Ozean langfristig zu beobachten, zu erforschen und Veränderungen zu verstehen, erklärt Dr. Gerald Plumley, Koordinator des internationalen Stipendienprogrammes.

Das Centre of Excellence in Observational Oceanography (CofE) wurde im Jahr 2008 von der Nippon Foundation und POGO ins Leben gerufen. In den zurückliegenden zehn Monaten fand die Ausbildung jedoch zum ersten Mal am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) statt. Die Nippon Foundation hatte das AWI auf Grund seiner wissenschaftlichen Expertise und seiner logistischen Infrastruktur ausgewählt.

Um ein vielseitiges Weiterbildungsprogramm zu bieten, ermöglichte das AWI den Stipendiaten an den beiden Inselstandorten des Instituts, auf Helgoland und auf Sylt, zu forschen. Unterstützt von AWI-Wissenschaftlern und externen Fachleuten lernten die Nachwuchsforscher dort unter anderem die Grundlagen der Fernerkundung und Probennahme kennen, aber zum Lehrplan gehörte auch wie man gute Projektanträge schreibt oder Ergebnisse statistisch auswertet. Wichtig war uns, den Stipendiaten Methoden zu zeigen und kleine Forschungsprojekte zu ermöglichen, die sie auch in ihren Heimatländern umsetzen können. Sie sollten lernen wie man auch ohne großes Budget gründlich und effektiv arbeiten kann, erzählt Prof. Dr. Karen Wiltshire, stellvertretende Direktorin des AWIs und Leiterin der Biologischen Anstalt Helgoland und der Wattenmeerstation Sylt.

Kernstück des Programms waren deshalb neben der Lehre auch eigenständige Forschungsprojekte, welche auf die Interessen und Bedürfnisse der Stipendiaten abgestimmt waren. Wilfried Essowe Panassa von der University of Lomé in Togo modellierte zum Beispiel wie sich Sturmfluten auf die Sedimente in der südlichen Nordsee auswirken was also passiert, wenn Sturmfluten Sedimente vom Meeresgrund mitreißen und an anderen Orten wieder ablagern. Für den Nachwuchsforscher eine Chance, mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Das Programm hat mir neue Perspektiven für meine zukünftige Forschung eröffnet und ich habe das Glück, als Doktorand drei weitere Jahre am Alfred-Wegener-Institut forschen zu können, erzählt der Physiker.

Wilfried Essowe Panassa ist einer von drei Stipendiaten, die vorerst für eine Doktorandenstelle in Europa bleiben werden. Die sieben anderen Teilnehmer gehen jedoch zurück in ihre Heimat. Es war eine fantastische Gruppe, die hart gearbeitet hat und es ist schwer, sich von den Stipendiaten zu verabschieden. Aber wir wissen auch, dass sie ihr Engagement jetzt in ihren Ländern fortsetzen werden, sagt Dr. Gerald Plumley.

Die Nippon Foundation und POGO unterstützen die ehemaligen Stipendiaten auch nach ihrem Abschluss von dem Centre of Excellence über das globale Netzwerk NANO. Dieses Alumni-Programm bietet seinen inzwischen 180 Mitgliedern aus 44 Ländern Trainings- und Austauschmöglichkeiten und eine Plattform, um sich weiter zu vernetzen. Und während die aktuellen Stipendiaten ihre Koffer packen, stehen die neuen Stipendiaten schon in den Startlöchern. Denn am 20. Oktober beginnen bereits die nächsten zehn ihr Training am Alfred-Wegener-Institut.

Zitate der Teilnehmer über ihre Erfahrung am CofE und ihre zukünftigen Pläne:

Widya Ratmaya aus Indonesien

Das CofE-Training hat mir ermöglicht, viele verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Ich habe tolle Studenten aus aller Welt kennengelernt und wir wurden von großartigen
AWI-Wissenschaftlern unterrichtet. Ich habe neues Wissen über den Ozean und die Meereswissenschaften gewonnen. Besonders wichtig war für mich auch die Möglichkeit, mit den Wissenschaftlern direkte Kontakte zu knüpfen. All dies ist sehr nützlich für meine weitere Forschung und Karriere. Nach meinem Abschluss am Centre of Excellence werde ich nach Frankreich gehen, um am französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER zu promovieren.

Shaazia Mohamed aus Trinidad und Tobago

Das CofE-Programm hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, alle Aspekte der Ozeanografie, also die physischen, chemischen und biologischen, zu berücksichtigen und sich darüber mit Experten anderer Fachgebiete auszutauschen. Nur dann bekommt man ein Gesamtbild von den Einflüssen, die auf das Ökosystem Meer einwirken. Dieser ganzheitliche Ansatz stärkt die Wissenschaft in vielen Disziplinen. Meine kurzfristigen Ziele sind es jetzt dieses neugewonnene Wissen anzuwenden und meine Ozeanografie-Forschung als Doktorandin fortzusetzen, wenn möglich in Europa. Langfristig möchte ich in meine Heimat zurückkehren, um dort die Aufmerksamkeit für die Meeresforschung zu steigern und zu zeigen, welchen Nutzen sie in der Karibik haben kann. Schließlich möchte ich die Regierung Trinidad und Tobagos und die University of the West Indies dazu ermutigen, einen Studiengang in Ozeanografie anzubieten.

Lobsang Tsering ursprünglich aus Tibet, aufgewachsen in Indien

Ich habe immer daran geglaubt, dass man aus verschiedenen Blickwinkeln auf eine Forschungsfrage blicken muss, um die Meereswelt zu verstehen. Das CofE hat mich in diesem Glauben gestärkt und gezeigt, wie wichtig andere Forschungsfelder der Ozeanografie sind. Als Meeresbiologe habe ich mich immer darauf konzentriert, Meerestiere zu untersuchen. Jetzt messe ich anderen Faktoren, die ihr Verhalten beeinflussen können, ebenfalls eine große Bedeutung zu. Das Programm hat uns deshalb immer dazu anregt, um die Ecke zu denken und einzelne Punkte miteinander zu verbinden. Anfangs war das schwierig, da wir nur ein sehr beschränktes Wissen über andere Forschungsbereiche hatten. Aber mit der Zeit haben wir weit mehr gelernt, als wir er

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