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Strategien zur Erkennung, Therapie, Vorbeugung und Ausrottung von Virusinfektionen

27.09.2014 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) tagte seit gestern (Donnerstag, 25. September) anlässlich ihrer Jahrestagung in Kiel. Mehr als 100 Fachleute diskutierten bei dieser Zusammenkunft mit namhaften nationalen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die neuesten Erkenntnisse zum Beispiel über die Wirksamkeit einer Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die unter anderem Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Tagungspräsident Professor Helmut Fickenscher, Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Leiter des Instituts für Infektionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, setzte das Rahmenthema Durch Impfungen verhinderbare Virusinfektionen als Schwerpunkt der diesjährigen Tagung an. Neben Papillomviren waren auch altbekannte Infektionskrankheiten wie Masern, Windpocken und Polio ein Thema. Aufgrund einer weiterhin bestehenden Impfmüdigkeit der Bevölkerung seien einige dieser Krankheiten immer wieder auf dem Vormarsch. Wir dürfen sie nicht aus den Augen verlieren, betonte Fickenscher. Die Expertinnen und Experten diskutierten während der Tagung auch über Strategien zur Ausrottung von Virusinfektionen. Das Nachvollziehen der Infektionsketten und Fragen der Krankenhaushygiene seien dabei genauso wichtig, wie die regelmäßige Überprüfung, ob die existierenden Impfungen ihr Ziel erreichten, so Fickenscher.

Mit jedem Jahr kommen wir unserem Ziel näher, der Bekämpfung und vielleicht sogar der Ausrottung verheerender Viruskrankheiten. Dieser Fortschritt ist für jeden einzelnen Mitbürger und jede Mitbürgerin wichtig, denn von der gewöhnlichen Grippe bis zur HIV-Infektion zählen die verschiedensten Krankheiten zu den Viruserkrankungen, sagte DVV-Präsidentin Professorin Barbara Gärtner. Umso wichtiger sei der regelmäßige Austausch aller Expertinnen und Experten, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Gärtner: Als Verein ist es unsere Aufgabe, die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus solchen Diskussionen in die Praxis umzusetzen. Deshalb arbeite man sehr eng sowohl mit Forschenden als auch mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst und mit den Ländern zusammen.

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
Ein Thema der Fachtagung war die Impfung gegen Papillomviren, die in Deutschland zurzeit insbesondere jungen Frauen empfohlen wird. Humane Papillomviren (HPV) rufen unter anderem den Gebärmutterhalskrebs aber auch andere Infektionskrankheiten wie Genitalwarzen hervor. Professorin Ulrike Wieland, Universität Köln, berichtete über die umfangreichen epidemiologischen Daten. Seit sieben Jahren gebe es auf Bundesebene eine Impfempfehlung gegen HPV. Unter den geimpften Mädchen gibt es Null Prozent Infektionen mit diesen HPV-Typen. Die Impfung ist also sehr wirksam und noch dazu sehr nebenwirkungsarm, befindet Wieland. Dabei bezieht sie sich unter anderem auch auf Daten aus Australien, wo die Impfung bei Jungen wie bei Mädchen auf hohe Akzeptanz stoße. Als Resultat verzeichne Australien seit der Einführung der Impfung einen drastischen Einbruch der Zahl der Fälle von Gebärmutterhalskrebs und seiner Vorstufen, so Wieland. Ein Ziel für Deutschland müsse sein, noch mehr Mädchen zur Impfung zu bringen. Wenn wir flächendeckend impfen, können wir diese HPV-Infektionen ausrotten.

Hintergrundinformationen
Das empfohlene Alter für die HPV-Impfung wurde im August 2014 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) auf 9 bis 14 Jahre vorgezogen. Damit senkte die Kommission das empfohlene Impfalter um drei Jahre. Diese Entscheidung begründete die STIKO mit aktuellen Daten zur Jugendsexualität in Deutschland, wonach der Anteil der Mädchen, die ihren ersten Geschlechtsverkehr hatten, bereits nach dem 14. Geburtstag kontinuierlich zunimmt. Rund 50 Prozent aller Mädchen in Deutschland zwischen 14 und 17 Jahren haben mindestens eine der drei Impfdosen erhalten. Zum Vergleich: Die HPV-Impfquote in Deutschland ist in etwa vergleichbar mit der bei Mädchen in den USA. Dagegen startete in Australien 2007 ein öffentlich finanziertes Impfprogramm mit Schulimpfungen, durch das im Jahr 2011 bei 15-Jährigen Impfquoten (3 Impfdosen) von landesweit etwa 70 Prozent erreicht werden konnten. www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/HPV/HPV.html

Die DVV ist ein Verein der Bundesländer und des Bundes, in dem Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien und des öffentlichen Gesundheitsdienstes interdisziplinär mit Virologinnen und Virologen aus Klinik und Forschung zusammen arbeiten. Die DVV besteht seit 60 Jahren und wurde ursprünglich gegründet, um die Polio in Deutschland zu bekämpfen. Nachdem diese Erkrankung hierzulande beinahe ausgerottet ist, erweiterte die DVV ihre Ausrichtung auf all diejenigen Virusinfektionen, die für den öffentlichen Gesundheitsschutz relevant sind.
www.dvv-ev.de

Ein Foto steht zum Download bereit:
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Professor Dr. Helmut Fickenscher
Foto/Copyright: pur.pur/CAU

Kontakt:
Prof. Dr. Helmut Fickenscher
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Institut für Infektionsmedizin
Telefon: (0431) 597-3300
E-Mail: fickenscher@infmed.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de
Text: Dr. Tebke Böschen/Claudia Eulitz Weitere Informationen:http://www.uni-kiel.de/download/pm/2014/2014-291-viruserkrankungen.pdf
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