Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 19. Oktober 2017 

Einheitlicher europäischer Gesundheitsmarkt stärkt Mobilität und Wissenstransfer

03.10.2014 - (idw) European Health Forum Gastein

Mangelnde Verfügbarkeit und Verständlichkeit von Informationen sind Hindernisse auf dem Weg einer europaweiten Optimierung der health literacy, der Gesundheitskompetenz der Bürger/-innen. Vernetzung, Transparenz und Vergleichbarkeit auf dem europäischen Gesundheitsmarkt seien hingegen wichtige Impulse dafür, so Experten/-innen auf dem European Health Forum Gastein. Bad Hofgastein, 3. Oktober 2014 Ein einheitlicher europäischer Gesundheitsmarkt und Richtlinien zu grenzüberschreitenden Gesundheitsthemen sollten als Chance für die Stärkung von health literacy, also der Gesundheitskompetenz der europäischen Bevölkerung, gesehen werden. Das war der Tenor einer Expertendiskussion beim European Health Forum Gastein (EHFG). Ein einheitlicher Gesundheitsmarkt stärkt nicht nur die Mobilität der Patienten/-innen, sondern auch die Mobilität des Wissenstransfers. Mehr Wettbewerb und Transparenz bedeuten mehr Mobilität der medizinischen Expertise, so Jan Geissler, ehemaliger Krebspatient und Direktor der European Patients Academy on Therapeutic Innovation (EUPATI).

Die Verfügbarkeit einer mobiler werdenden Expertise und das Knüpfen europäischer Netzwerke für die Umsetzung aufwändiger klinischer Studien und innovativer Behandlungsmethoden soll unmittelbar den Patienten/-innen und deren Gesundheitskompetenz zugutekommen: Die Menschen verdienen die bestmöglichen verfügbaren medizinischen Leistungen. Vor allem in Bezug auf seltene Krankheiten ist medizinisches Know-how regional ungleich verteilt und für Patienten/-innen nicht immer ausreichend zugänglich, sagte Geissler. Ein gemeinsamer europäischer Gesundheitsmarkt erhöhe die Beweglichkeit der Expertise und mache diese verfügbarer.

Dazu kommt, dass innovative Therapien auf umfassende klinische Studien angewiesen sind, diese wiederum die strukturellen Gegebenheiten bestimmter Zentren und Regionen zur Voraussetzung haben. Deshalb ist Mobilität ein Schlüsselfaktor für die Verfügbarkeit bestmöglicher medizinischer Versorgung, erklärte Geissler.

Sprachbarrieren abbauen

Sprachliche Barrieren würden jedoch ein häufiges faktisches Hindernis im Zugang zu optimalen Gesundheitsdiensten bilden. Geissler bezog sich dabei nicht nur auf die Verständigung unterschiedlicher Sprachregionen, sondern vor allem auf sprachliche Gräben zwischen Experten- und Laienkommunikation. Um die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern, braucht der Informationsfluss eine für Nichtmediziner verständliche Sprache. Oftmals sind Informationen nicht in jener sprachlichen Form verfügbar, die für Patienten/-innen auch verständlich und nachvollziehbar ist.

Patientenorganisationen spielen eine entscheidende Rolle dabei,
Gesundheitsinformationen verständlich aufzubereiten und allgemein verfügbar zu machen. Die Inanspruchnahme grenzüberschreitender Gesundheitsdienste braucht kompetente Kontaktstellen und die Unterstützung der jeweiligen lokalen Patientenorganisationen.

Ungleichheiten transparent machen

Health literacy in einer grenzüberschreitenden europaweiten Dimension soll zudem Ungleichheiten zwischen einzelnen Regionen, aber auch zwischen gesellschaftlichen Gruppen hinsichtlich ihrer Gesundheitskompetenz zum Verschwinden bringen, so die Hoffnung des Experten. Um Ungleichheiten zu beseitigen müssen diese zunächst deutlich sichtbar gemacht werden. Wir brauchen mehr Transparenz über Ungleichheiten bei medizinischen Leistungen und deren Verfügbarkeit, um die Servicequalität für Patienten/-innen vergleichbar zu machen. Die finanzielle und strukturelle Stärkung von Patientenorganisationen und vor allem deren Einbindung im Fall von grenzüberschreitenden Gesundheitsleistungen können helfen, Ungleichheiten zu verringern, sagte Geissler. Ein anachronistischer Paternalismus auf europäischer und nationaler Ebene, der medizinischen Laien medizinische Informationen und Innovationen vorenthalten möchte, sollte endlich der Vergangenheit angehören. Im Zeitalter von sozialen Medien sind solche Regelungen umso überholter.

Health literacy bzw. Gesundheitskompetenz meint die alltägliche Wissens-, Handlungs- und Entscheidungskompetenz zur Beförderung der Gesundheit. Mangelnde Gesundheitskompetenz wirkt sich negativ auf die Gesundheit einer Person aus und hat zudem negative Folgen für das Gesundheitssystem und die Gesamtgesellschaft, etwa angesichts wachsender Kosten für medizinische Leistungen.


Electing Health The Europe We Want ist das Motto des diesjährigen EHFG. Rund 600 Teilnehmer/-innen aus mehr als 50 Ländern nutzen Europas wichtigste gesundheitspolitische Konferenz in Bad Hofgastein zum Meinungsaustausch über zentrale Fragen europäischer Gesundheitssysteme. Die zukünftige Richtung der europäischen Gesundheitspolitik ist das Schwerpunktthema des Kongresses.

EHFG Pressebüro
Dr. Birgit Kofler
B&K Kommunikationsberatung GmbH
Tel. während des Kongresses: +43 6432 85105
Mobil: +43 676 636 89 30
Tel. Büro Wien: +43 1 319 43 78 13
E-Mail: presse@ehfg.org
uniprotokolle > Nachrichten > Einheitlicher europäischer Gesundheitsmarkt stärkt Mobilität und Wissenstransfer
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/285535/">Einheitlicher europäischer Gesundheitsmarkt stärkt Mobilität und Wissenstransfer </a>